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In Deutschland leben, in Luxemburg arbeiten

Irrel. Viele Grenzgänger sind dem luxemburgischen Gewerkschaftsverband OGBL angeschlossen. Die deutsche Sektion hat rund 4500 Mitglieder, die Jahreshauptversammlung ist auf vier Termine aufgeteilt. Vladi Nowakowski

Irrel. 150 Grenzgänger sind zur ersten Gewerkschaftsversammlung in den Saal des Hotels Koch-Schilt nach Irrel gekommen. Weitere Mitgliedertreffen werden im Wochentakt in Orscholz, Trier und in Mettendorf folgen, um im großen deutsch-luxemburgischen Grenzgebiet möglichst vielen Pendlern die Gelegenheit zu geben teilzunehmen.
"Die Zahl der Kollegen, die in Deutschland leben und in Luxemburg arbeiten, ist in den vergangenen Jahren enorm schnell angewachsen", sagt Wolfgang Schnarrbach, Präsident des Regionalverbands Norden der Sektion Deutscher Grenzgänger. Inzwischen seien es mehr als 30 000 Pendler.
"Doch damit werden die Probleme nicht kleiner", sagt Schnarrbach. Im vereinten Europa sähen sich die deutschen Arbeitnehmer in Luxemburg mit Problemen konfrontiert, die es so nicht mehr geben dürfte. Schnarrbach erwähnt Kommunikationsprobleme zwischen den Institutionen, die einfachste Vorgänge, wie den Kindergeldantrag, zu einem Spießrutenlauf durch die Ämter machen. Die Mitglieder der deutschen Sektion der Grenzgänger, die dem Unabhängigen Gewerkschaftsbund Luxemburgs (OGBL) angeschlossen sind, erhalten praktische Hilfen: "Wir bieten zum Beispiel Hilfe bei der Steuererklärung an. Ein Steuerberater in Luxemburg und ein Steuerfachmann in Deutschland setzen sich für die Grenzgänger ein", sagt Schnarrbach. Auch Arbeitsverträge werden kostenlos überprüft. Dazu kommen die üblichen gewerkschaftlichen Leistungen, wie Vergünstigungen bei Bausparverträgen und die Beratung bei Behördengängen.
Schnarrbach ärgert sich besonders über Vorgänge, die den deutschen Arbeitnehmern unnötig das Leben erschweren: "Da werden immer noch französischsprachige Verträge und Formulare verschickt, obwohl es sie schon seit langem auch in deutscher Sprache gibt", sagt er.
Neuwahlen im November


2013 sei für die Grenzgänger ein enorm wichtiges Jahr, erwähnt der Präsident auf der Versammlung in Irrel: "In Luxemburg finden am 13. November die Sozialwahlen statt. Wir wählen unsere Vertreter in der Arbeitnehmerkammer und wir müssen dafür kämpfen, unser Mitspracherecht zu behalten." Schnarrbach ruft die Grenzgänger auf, unbedingt von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. "Vor fünf Jahren lag die Wahlbeteiligung auf deutscher Seite bei lediglich zehn Prozent. Das können wir uns einfach nicht erlauben, denn dadurch werden die Gewerkschaften unnötig geschwächt."

 150 Grenzgänger haben sich in Irrel getroffen, drei weitere Versammlungen folgen im Wochentakt. TV-Foto: Vladi Nowakowski
150 Grenzgänger haben sich in Irrel getroffen, drei weitere Versammlungen folgen im Wochentakt. TV-Foto: Vladi Nowakowski