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In Gendingen sind wie überall in der Eifel Reste des Westwalls zu finden

Ein Ort und seine Geschichte: Westwallbunker Gentingen : Die schlaflosen Nächte des Friedrich Schmäschke

Die Ardennenoffensive kostete 1944 viele Menschenleben. Der Grund für die verbitterten Kämpfe war der sogenannte Westwall, eine als Bollwerk von den Nationalsozialisten errichtete Befestigungsanlage. Teile der Anlage stehen heute noch in der Eifel: etwa in Gentingen.

In der Nacht zum 16. Dezember 1944 liegt Friedrich Schmäschke wach im Bett. Wie die meisten seiner Kameraden des Grenadierregiments 916 im Westwallbunker bei Gentingen kann er nicht schlafen. Denn am Morgen, das hat der Kompaniechef verkündet, soll der Marsch über die Our beginnen. „Ihr fühlt es alle, es geht ums Ganze!“, die Worte des Vorgesetzten klingen in den Ohren des 17-Jährigen nach. Die jungen Soldaten in den Bunkern sollten nichts weniger als „die Wende des Krieges herbeiführen“.

Dabei ist der im Winter 1944 längst verloren. Die Ardennenoffensive: nur ein letztes Aufbäumen des geschlagenen Deutschen Reiches. Ein Aufbäumen aber, das viele das Leben kosten sollte.

 Westwallbunker zwischen Ammeldingen Gentingen 50x84 mm
Westwallbunker zwischen Ammeldingen Gentingen 50x84 mm Foto: TV/Laux, Simone

Schmäschke scheint zu ahnen, was ihm und den Kameraden blüht, bevor das Regiment am Morgen des 16. Dezember Richtung Fluss marschiert. „Ich hätte schreien können, und wusste zugleich, dass es sinnlos wäre“, beschreibt er, wie er sich am Tag vor dem Einsatz fühlte.

Heute, 76 Jahre später, erinnert nur eine Tafel an die Tragödien des Bunkerslebens. Am sogenannten B-Werk, auf halber Strecke der Kreisstraße 5 zwischen Gentingen und Ammeldingen an der Our, kann man leicht vorbeifahren. Und viel gibt es hier auch nicht mehr zu sehen. Die Anlage selbst wurde nach dem Krieg gesprengt. Das von Moos bewachsene Loch im Fels dient heute allenfalls Fledermäusen als Unterschlupf.

 Logo EIn Ort und seine Geschichte
Logo EIn Ort und seine Geschichte Foto: TV/Schramm, Johannes

Löcher im Stacheldraht, der das Gelände umgibt, zeugen aber davon, dass gelegentlich doch menschlicher Besuch vorbeischaut. Auch im Internet finden sich Bilder des Bunkers in etlichen Foren.

Diese Faszination für die Grauen des Zweiten Weltkriegs wäre für den jungen Grenadier Friedrich Schmäschke sicher unverständlich. Auch wenn der 17-Jährige mehr Glück hatte als andere.

Um 5.15 Uhr, keine Stunde nachdem die Truppe im Bunker losgegangen war, erreicht das Regiment einen Hang. „Ich wartete nun jeden Moment, dass aus dem drohend und dunkel vor uns stehenden Wald die ersten Schüsse fielen“, schreibt er. Zähne klappern, Hände zittern. Plötzlich flammen Scheinwerfer auf und die Artillerie der Deutschen eröffnet das Feuer. Schmäschke versteckt sich in einem Entwässerungsgraben.

Ein Kamerad muss ihm wieder heraushelfen, weil er es aus eigener Kraft nicht schafft. Danach: Trommelfeuer, bebende Erde, Explosionen, heulende Geschosse. Und dann Stille. Der Marsch geht weiter Richtung Hoesdorfer Plateau.

Bei dem Angriff auf die amerikanische Kommandostelle sterben auf beiden Seiten etliche Menschen. Schmäschke aber überlebt. Er wird am 18. Dezember in Longsdorf verwundet und in ein Lazarett gebracht. Keine zwei Monate später durchbrechen die Amerikaner den Westwall und beginnen mit der Invasion Deutschlands.

Quelle: „Zwischen Sauer und Our - Kriegsschicksale“, Band 1, Roland Gaul.