In Irreler Gerüchteküche brodelt es weiter

In Irreler Gerüchteküche brodelt es weiter

Die Wahlen zum Aufsichtsrat der Raiffeisenbank Irrel vor zwei Wochen haben für Diskussionsstoff gesorgt. Noch immer ist nicht eindeutig klar, wer dafür gesorgt hat, dass derart viele Genossen für die Abwahl von Hans-Joachim Heck und Herbert Grüber stimmten. Heute trifft sich das Kontrollgremium zu seiner ersten Sitzung in neuer Besetzung.

Irrel. Wenn sich der neue Aufsichtsrat der Raiffeisenbank (Raiba) Irrel heute zu seiner konstituierenden Sitzung trifft, dann findet die Zusammenkunft hinter verschlossenen Türen statt: Über das, was gesprochen wird, besteht Schweigepflicht.
Trotz dieser Verpflichtung sickerte nach der turbulenten Generalversammlung der Raiba vor zwei Wochen (siehe Extra) durch, dass es offenbar Unstimmigkeiten im alten Aufsichtsrat gewesen sein sollen, die dazu geführt haben, die altgedienten Aufsichtsräte Hans-Joachim Heck und Herbert Grüber durch Christel Bares und Alice Endres abzulösen (der TV berichtete): Weil sich der alte Aufsichtsrat Anfang des Jahres mit vier zu zwei Stimmen dafür ausgesprochen haben soll, Vorstandsmitglied Rudolf Krein keine höheren Bonuszahlungen zur betrieblichen Altersvorsorge zu zahlen, wurde das Kontrollgremium bei der Generalversammlung kurzerhand umbesetzt, hieß es.
Eine Verschwörung, um unliebsame Aufsichtsratsmitglieder loszuwerden? Es gibt Genossenschaftsmitglieder, die davon überzeugt sind. "Die neuen Aufsichtsratsmitglieder Bares und Endres sowie ihre willigen Helfershelfer haben den Wahlvorgang zum Aufsichtsrat zu ihren Gunsten beeinflusst", sagt zum Beispiel Karl-Heinz Wagner aus Waldhof: Vollmachten seien von ahnungslosen Genossenschaftsmitgliedern, die nicht an der Generalversammlung teilnehmen konnten, erschlichen worden.
Diesen Vorwurf weisen sowohl Endres als auch Bares zurück: Dem sei nicht so gewesen, betont Endres. Bares bekräftigt, dass "alles ganz normal" und "mit demokratischen Mitteln" abgelaufen sei: Sie habe zwar einen Bekannten, der nicht zu der Raiba-Versammlung gehen konnte, gefragt, ob er ihr eine Vollmacht ausstelle. "Aber das machen doch viele so", sagt Bares. Ein von langer Hand geplanter Komplott - das weisen jedenfalls beide von sich: "Ich kenne Frau Bares gar nicht", sagt Endres, und Bares berichtet, dass sie sich erst vier Tage vor der Versammlung zu der Aufsichtsrats-Kandidatur entschlossen habe, nachdem mehrere Personen mit diesem Wunsch an sie herangetreten seien. Auch Raiba-Vorstandsmitglied Krein dementiert: "Warum sollte sich eine Gruppe von Mitgliedern organisieren, um mir eine Bonuszahlung zugutekommen zu lassen?", fragt er. Das, was in der Generalversammlung vorgefallen sei, habe nichts mit seiner Person zu tun, sagt Krein. Allerdings räumt er ein, dass ihn eine Weile vor der Aufsichtsratswahl eine Mitgliedergruppe nach Möglichkeiten gefragt habe, wie sie in der Generalversammlung ihr Stimmrecht ausüben könnten. Das Vorstandsmitglied kommentiert dieses Vorgehen pragmatisch: "Die Mitglieder haben von ihrem Recht Gebrauch gemacht, Veränderungen herbeizuführen, und das ist völlig legitim."
Wer allerdings hinter dieser Mitgliedergruppe steckt und warum derart mobilisiert wurde, ist unklar. Gerüchte allerdings gibt es genug: Sei es, dass einer der Aufsichtsräte Hans-Joachim Heck als Vorsitzenden ablösen wollte, sei es, dass Heck und Grüber angeblich ein zu gutes Verhältnis mit dem zweiten Vorstand Hans-Peter Bell hatten, dessen Beziehung zu seinem Kollegen Krein wiederum gestört sein soll. Hinter vorgehaltener Hand wird zudem gemunkelt, dass gerade in der Raiffeisenbank und dem Raiffeisenmarkt in Irrel vor der Generalversammlung massiv Vollmachten gesammelt worden sein sollen - eine Behauptung, die zu dem passt, was das neue Aufsichtsratsmitglied Bares sagt: Es seien insbesondere Mitarbeiter der Bank und des Warengeschäftes gewesen, die sie zu einer Kandidatur motiviert haben. Diese wiederum halten sich derzeit bedeckt.
Und so kann munter weiter spekuliert werden, welche und wessen Beweggründe zu dieser turbulenten Aufsichtsratswahl geführt haben.Meinung

Klartext, bitte!
Eines ist klar: Eine Genossenschaft ist basisdemokratisch. Die Mitglieder sind frei in ihrem Recht, diejenigen zu wählen, die sie im Aufsichtsrat gerne haben wollen. Wenn sie Veränderungen wünschen, können sie diese selbstverständlich durchsetzen. So weit, so gut. Allerdings bleibt der Eindruck, dass die Wahl interessengeleitet war. Und dass eine Vielzahl der Mitglieder der Raiffeisenbank Irrel nicht wirklich wusste, welche Interessen da im Hintergrund eine Rolle gespielt haben. Vielleicht wird ja die Zukunft zeigen, welche Interessen das im Einzelnen waren - möglicherweise gibt die konstituierende Sitzung des Kontrollgremiums am heutigen Mittwoch einen ersten Fingerzeig. Die Genossenschaftsmitglieder jedenfalls hätten ein Recht darauf zu erfahren, welche und wessen Interessen sie da bei der Generalversammlung tatsächlich unterstützt haben. n.ebner@volksfreund.deDeutlich mehr Genossenschaftsmitglieder als üblich waren am Dienstag, 28. Juni, zu der Generalversammlung der Raiffeisenbank in die Gemeindehalle nach Irrel gekommen. Es mussten sogar zusätzliche Tische und Stühle herbeigeschafft werden, damit alle Teilnehmer Platz fanden. Viele von den Mitgliedern hatten zudem Vollmachten nicht anwesender Mitglieder zur Hand, so dass bei der Aufsichtsratswahl 171 Mitglieder mitwählten, die insgesamt 296 Stimmen abgaben. Mit überwältigender Mehrheit setzten sich dann Christel Bares aus Irrel und Alice Endres aus Meckel gegen die altgedienten Aufsichtsräte Hans-Joachim Heck und Herbert Grüber durch, die sich bei der Versammlung turnusgemäß zur Wahl stellen mussten. neb