In Orenhofen ist kein Halten mehr

Kostenpflichtiger Inhalt: Buslinie 231 seit September gestrichen : In Orenhofen ist kein Halten mehr

Bis September gab es eine Busverbindung zwischen Dudeldorf und Trier. Doch die Linie 231, die auch in Orenhofen, Spangdahlem und Pickließem hielt, wurde gekappt. Der Grund liegt paradoxerweise im ÖPNV-Programm der Kommunen, das den Busverkehr eigentlich verbessern soll.

Etwa 28 Kilometer liegen zwischen Orenhofen und Trier. Das entspricht etwa einer halben Autostunde. Wer allerdings kein Auto hat, hat seit dem ersten September ein Problem. Seitdem gibt es keine direkte Busverbindung mehr von Trier ins 1300-Einwohner-Dorf an der südlichen Kreisgrenze. Und nicht nur dort ist kein Halten mehr. Denn die Linie 231, die auch die Orte Dudeldorf, Pickließem, Herforst, Spangdahlem und Binsfeld anfuhr, wurde gestrichen.

Für den Orenhofener Ortsbürgemreister Wolfgang Horn (SPD) ist das „unverständlich“. Der Unmut im Dorf sei sehr groß, vor allem bei älteren Leuten, die sich auf den Bus verlassen hätten. Nun müssen sie einen weit umständlicheren Weg nehmen: Mit der Linie 403 zum Bahnhof nach Auw an der Kyll und von dort aus dann mit dem Zug nach Trier.

Ähnlich ist die Situation in Binsfeld (VG Wittlich-Land). Statt der 231 hält nun eine andere Linie im Dorf, die die Passagiere an den Speicherer Bahnhof bringt. „Für die älteren Leute ist das natürlich wenig komfortabel“, sagt Ortsbürgermeister Andreas Falk: „Die müssen jetzt umsteigen.“ Er würde sich wünschen, dass die Direktverbindung wieder installiert wird. Doch die Chancen dafür stehen schlecht.

Laut dem Verkehrsverbund Trier (VRT) ist die Konzession der Linie 231 am ersten September ausgelaufen. Das heißt: Das Dudeldorfer Busunternehmen Walscheid Reisen darf die Route nicht mehr bedienen. Weil ein Teil der Strecke, die vorher auf der 231 lag, im sogenannten Linienbündel „Römische Weinstraße“ aufging.

Und zwar der Teil, der durch die Fidei führt. Die Orte rund um Zemmer (VG Trier-Land) werden, wenn auch derzeit noch unregelmäßig (siehe Info), von Bussen der Firma Moselbahn angefahren. Denn das Unternehmen hat den Zuschlag für das Bündel bekommen.

Dahinter steckt ein Konzept, die Stadt Trier, zusammen mit den vier Landkreisen und dem VRT erarbeitet haben. Linien sollen in Zukunft in größeren Paketen ausgeschrieben werden. Dazu wurde die Gegend in sogenannte Linienbündel unterteilt. Dies soll die bisherige „Rosinenpickerei“ von Busunternehmen unterbinden, die sich laut VRT nur die lukrativsten Routen gesichert hätten, wenig frequentierte Provinzstrecken aber links liegen ließen. Ziel ist es künftig, viel mehr Strecken anzubieten und so den Busverkehr in der Region um rund 70 Prozent auszubauen.

Geplant werden diese Linienbündel, zu denen auch die „Römische Weinstraße“ zählt, allerdings immer innnerhalb von Kreisgrenzen. Sodass das Busnetz derzeit räumlich gesehen“ in Zemmer endet, wie ein Sprecher des VRT mitteilt. Das heißt: Alles, was nördlich der Eifelgemeinde liegt, ist nicht mehr an die „Römische Weinstraße“ angeschlossen.

„Wir, in den Orten an den Kreisgrenzen, sind also die Gelackmeierten“, fasst der Orenhofener Ortsbürgermeister Horn zusammen. Und spricht damit wohl vielen Bürgern im Dreickeck zwischen Bitburg-Prüm, Trier-Saarburg und Bernkastel-Wittlich aus der Seele. Zum Beispiel Edgar Comes, dem Ortsbürgermeister von Pickließem (Bitburger Land).

Der Dorfchef sagt „Der VRT und die Landkreise wollen doch den Busverkehr ausbauen. Wieso passiert dann genau das Gegenteil?“ Comes fragt sich außerdem, warum man die Firma Wallscheid „nicht einfach weiterfahren lassen“ hat: „Das hätte doch keinem wehgetan.“ Er jedenfalls würde die Reaktivierung der Linie unterstützen.

Darauf wird er wohl noch eine Weile warten müssen. Frühestens 2022 wird das Linienbündel „Waldeifel“ im Bitburger und Speicherer Land an den Start gehen. Vorher werden die Verbindungen wohl so schlecht bleiben, wie sie jetzt sind. Ob die Orte dann wieder eine Direktverbindung nach Trier erhalten ist laut einem VRT-Sprecher aber noch unklar. Die Fahrpläne seien noch nicht zu Ende geplant.

Insgesamt wird die Lage beim Verkehrsverbund aber offenbar nicht als dramatisch eingeschätzt. Immerhin werde ein Teil der Orte doch über die Walscheid-Linie 403 angefahren. „Mit einem Umstieg am Bahnhof in Auw an der Kyll und dem dortigen Bahnanschluss“, schreibt ein Pressesprecher, „ist so eine Erreichbarkeit von Trier gewährleistet.“

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