In Schloßheck wird es eng

In Schloßheck wird es eng

Die Belastung wächst: Seit die Milch-Union Hocheifel bei Pronsfeld zum Arla-Standort wurde, sind immer mehr Schwertransporte zur Molkerei unterwegs. Auf eine Umgehung hoffen aber die Bürger in den Nachbardörfern vorerst vergebens. Dennoch keimt zarte Hoffnung auf eine Lösung.

Schloßheck/Pronsfeld. "Egal, wie viel die Arla wächst: Der Verkehr muss durch Schloßheck durch”, sagt Harald Enders, Leiter des Landesbetriebs Mobilität (LBM) in Gerolstein. Die Laster nutzen vorrangig die von der Molkerei herauf verlaufende "Milchstraße" - die L 16, die vor einigen Jahren mit einem besseren Anschluss an die A 60 versehen wurde (der TV berichtete).
Umgehung? Fehlanzeige. Alle Fahrzeuge, die von der A 60 oder über die B 51 zur ehemaligen Milch-Union Hocheifel rollen oder von dort kommen, müssen durch die kleine Gemeinde.
Etwa 800 Lastwagen-Bewegungen verzeichnet der LBM jeden Tag - "und es wird weitere Steigerungen geben", sagt Enders. Grund: die enorme Betriebserweiterung durch die Arla am Standort Pronsfeld (siehe Extra). Das bestätigt auch Wolfgang Rommel, früherer Pressesprecher der Muh und seit der Fusion Arla-Kommunikationschef für Deutschland: "Nach Inbetriebnahme von Trockenturm und Butterei wird die Zahl der LKW-Bewegungen tendenziell weiter steigen."
Dabei hat es in den 1980er Jahren einmal einen Lösungsvorschlag gegeben: eine Straße, die unter der Bezeichnung "Umgehung Watzerath" bisher im Bundes-Verkehrswegeplan steht - dazu wäre die B 410 im Prümtal zur Molkerei und zur A-60-Anschlussstelle umgeleitet worden.
Daraus ist aber nichts geworden, unter anderem, weil es aus der Gemeinde Widerstand gegen die Linienführung durch den Wald gegeben hatte.
Und jetzt? Vorerst nichts: Obwohl es beim LBM eine Voruntersuchung für diese Umgehung gibt, wird sie mindestens in den nächsten zehn Jahren weder geplant noch umgesetzt: Denn das Land Rheinland-Pfalz hat die Umgehung im Verkehrswegeplan nicht mehr im sogenannten vordringlichen Bedarf gemeldet - weil bei so vielen anderen "vordringlichen" Bundes-Projekten keine Chance auf Verwirklichung bestehe. Das nächste Problem: Die Molkerei könnte irgendwann über die vorgesehene Straße hinauswachsen. Zunächst aber haben sich Molkerei und LBM darauf verständigt, einen "Planungskorridor" freizulassen.
Allerdings arbeiten die Beteiligten bereits an einer weiteren Variante: Denn Landes-Innenminister Roger Lewentz hat den LBM beauftragt, über andere Möglichkeiten nachzudenken. Eine ergab sich auf Vorschlag von Aloysius Söhngen, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Prüm: Warum nicht das Ganze zum Landesprojekt machen? Das grobe Prinzip: Die L 16 würde zur Bundesstraße, die Molkerei-Umgehung zur Landesstraße gemacht. Eine direkte Anbindung zur A 60, sagt Wolfgang Rommel, wäre "von großer Bedeutung", da sie Zeit und Kosten spare. Außerdem würde sie den Schloßheckern Entlastung bringen Wie wahrscheinlich eine solche Variante ist, könnte sich im Herbst zeigen: Dann soll Lewentz die Molkerei besuchen. Rommel: "Wir werden natürlich die Gelegenheit nutzen, das Thema mit dem Minister zu besprechen."
Meinung

Neuer Weg zum Erfolg?
Seitdem die Arla die frühere Milch-Union verputzt hat, ist die Eifeler Molkerei zwar nur noch ein weiterer Produktionsstandort des skandinavischen Konzerns. Aber offenbar ein besonderer: Sie soll wachsen. Eng wird es aber in den Dörfern drum herum, weil immer mehr Milchbrummer durch die Straßen rollen. Wenn also der neue, gemeinsam entwickelte Umgehungsvorstoß von Unternehmen, Land und Verbandsgemeinde zum Tragen käme - es wäre eine gute Lösung. Mal sehen, welche Nachrichten der Innenminister im Herbst mitbringt. fp.linden@volksfreund.deExtra

Geld für Pronsfeld: Im laufenden Jahr, sagt Arla-Pressesprecher Wolfgang Rommel, investiere der Konzern mehr als 30 Millionen Euro in Pronsfeld. Die Gesamtsumme für alle geplanten Investitionen, "inklusive Neubau des Trockenturms und der Butterei, beläuft sich auf 110 Millionen Euro." Künftig sollen in Pronsfeld neben den bisherigen frischen und haltbaren Erzeugnissen zusätzliche Produkte entstehen und weltweit vertrieben werden, darunter diverse Pulver, Butter und Streichfette. Allerdings sei zunächst nicht vorgesehen, dass die Molkerei auch in der Fläche wachse. In Pronsfeld arbeiten 850 Menschen. Wie viele durch den Ausbau hinzukommen, steht nicht fest. fpl

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