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In Spangdahlem wird die Turnhalle zum Spielplatz

In Spangdahlem wird die Turnhalle zum Spielplatz

Normalerweise trainieren im George Price Gym in Spangdahlem die Soldaten. Jetzt gehört die Turnhalle aber ganz den Kindern der Bitburger St. Martin Förderschule. Was ist da auf der Air-Base los?

Das Mädchen mit dem Zopf hält die Kugel in der Hand. Die hängt an einer Schnur und ist fast so groß wie ihr Kopf. Die Kegel hat die Kleine fest im Blick - ein Auge zugekniffen wie eine Bogenschützin. Dann lässt sie die Kugel los. Der Ball schnellt nach vorne, trifft die Pins und reißt alle Neune mit. "Yeah", ruft eine Frau, schlägt mit ihr ein. Alle klatschen. Das kleine Mädchen lacht, in ihrem gelben Tshirt, das ihr fast bis zu den Knien reicht.
"Special Childrens Day" steht auf dem Oberteil. Alle 80 Jungs und Mädchen, die heute in der großen Turnhalle auf der Air Base Spangdahlem spielen, haben eins bekommen. Auf Einladung des US-Militärs dürfen sie heute auf Basketballkörbe werfen, Slalomlaufen, auf Rollbrettern herumrutschen und, und, und. Es ist zehn Uhr morgens. Normalerweise müssten sie um diese Zeit in der Bitburger St. Martin Förderschule oder der angrenzenden integrativen Tagesstätte sein. Sie alle sind "Special Children", besondere Kinder. So nennen die Amerikaner Jungs und Mädchen mit Beeinträchtigungen und daher kommt auch der Name dieses Tages.
Seit mehr als 25 Jahren wird er von der Air-Force veranstaltet. Wann genau das ganze angefangen hat, kann auch Organisator Brian Richards nicht sagen: "Inzwischen ist es Tradition." Eine Tradition, die vor allem von den Amerikanern hochgehalten wird. Rund 10 000 Euro haben sie sich laut Richards Verpflegung, Spielgeräte und die Miete für den Bus, der die Kinder in die Base bringt, kosten lassen. Das Geld haben Freiwillige gesammelt. Rund 150 von ihnen sind in der Halle unterwegs, motivieren die Kinder, passen auf, dass sich keiner verletzt. Eine zusätzliche Schwierigkeit heute: der Regen, der an die Fenster der Turnhalle prasselt. Wegen des Wetters musste der "Special Childrens Day" kurzfristig von draußen nach drinnen verlegt werden, ins sogenannte George Price Gym. Benannt ist das Gebäude nach einem ehemaligen Basketball-Coach auf dem Flugplatz. Wenn hier nicht gerade ein Turnier unter den Sportteams der Base ausgetragen wird, machen die Soldaten in der Halle ihr tägliches Training.
Heute pumpen hier aber Diskobeats aus den Boxen, überall wird geklatscht, gejubelt, geschrien. Gelbe und grüne Punkte wuseln durch das Gym.
Richards versucht sie alle im Blick zu behalten. Seine Augen wandern hin und her. Alle paar Minuten tritt jemand an ihn heran, fragt ihn etwas. Warum sich der 34-Jährige Tiefbauingeneur die ganze Organisations-Arbeit aufbürdet? Weil er selbst, drüben in den USA, einen Bruder mit einer geistigen Beeinträchtigung habe, sagt er.
Auch die 80 von der St. Martin Schule haben mit einigen alltäglichen Dingen so ihre Probleme - ob mit dem Rechnen, dem Lernen oder dem Sprechen. Doch heute merkt man davon nichts, heute spielt das keine Rolle.
Ein Junge mit blonden Haaren wirft auf den Basketballkorb. Der Ball fliegt und fliegt und prallt doch vom Rand des Korbs ab. "Mist", sagt er. "Gleich nochmal", der Betreuer neben ihm und drückt ihm den Ball wieder in die Hand. Hinter ihm steht eine Schlange von Kindern. Sie alle wollen werfen, aber sie warten bis der Blonde fertig ist. Jetzt schauen ihn alle an. "Konzentrier dich", flüstert der Mann dem etwa 13-Jährigen zu. Der nimmt den Korb in den Blick, atmet ein, atmet aus, wirft und trifft. Freude, Jubel, Klatschen. Dann darf der nächste sein Glück versuchen. Und das sagen die Kinder

Chantal Lucas, 12: "Mir gefällt es hier super. Den Basketballkorb hab ich vorhin leider nicht getroffen. Aber ich versuch's gleich nochmal! Danach mach ich den Hürdenlauf." Mustafa Hussain, 12: "Ich habe schon auf die Basketballkörbe geworfen und bin durch die Hütchen gelaufen: Richtig schnell. Das fand ich am besten."
Anthony Hopp, 13: "Hier ist es auf jeden Fall besser, als in der Schule. Spaß macht mir hier eigentlich alles - vor allem aber das Basketballspielen."
Die Schule

Die St. Martin Schule in Bitburg hat den Förderschwerpunkt "ganzheitliche Entwicklung". Das heißt: Hier werden Schüler aufgenommen, die Probleme mit der Sprache, dem Lernen, der Motorik oder dem Sozialverhalten haben. Sie bedürfen daher intensiver Betreuung. Die bekommen sie in kleinen Klassen à sechs bis acht Schülern. In Bitburg sollen sie auf ein möglichst selbstständiges Leben vorbereitet werden.