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In Speicher regiert das Prinzip Hoffnung

 Der letzte Strohhalm: Der Kreistag setzt auf einen Ausnahmeantrag für eine Realschule plus in Speicher. TV-Foto: Klaus Kimmling
Der letzte Strohhalm: Der Kreistag setzt auf einen Ausnahmeantrag für eine Realschule plus in Speicher. TV-Foto: Klaus Kimmling
Bitburg/Speicher. Nachdem nur 28 angehende Fünftklässler am Schulzentrum Speicher angemeldet wurden, führt laut Gesetz an der Auflösung der Schule nahezu kein Weg mehr vorbei. Die letzte Hoffnung ruht nun auf dem vom Kreistag beschlossenen, aber wenig aussichtsreichen Ausnahmeantrag, der in Speicher sehr begrüßt wird. Uwe Hentschel

Bitburg/Speicher. Es ist das Prinzip Hoffnung, das in Speicher vorherrscht, seitdem feststeht, dass das Schulzentrum nicht die benötigten 51 Anmeldungen für die fünfte Klasse und damit für die Einrichtung einer Realschule plus erreicht hat. Grund für diesen kleinen Funken Hoffnung ist der Beschluss des Kreistags Bitburg-Prüm, der am Montagnachmittag bei einer Gegenstimme entschieden hat, einen Ausnahmeantrag für die Schule zu stellen (der TV berichtete).
Konkret geht es dabei um Paragraf 13 des Schulgesetzes, der die Mindestgröße für Realschulen plus regelt und in dem die 51 Fünftklässler zur Errichtung einer Realschule plus festgeschrieben sind. Doch gibt es in Paragraf 13 einen Absatz 4, der lautet: "Bei Grund- und Förderschulen sind in besonderen Fällen, bei Realschulen plus aus Gründen der Siedlungsstruktur Ausnahmen von der Mindestgröße zulässig." Auf eben jene Ausnahme setzt nun der Kreistag mit seinem Antrag - und schürt eben jenes Fünkchen Hoffnung in Speicher.
"Ich gebe erst auf, wenn die Lichter ausgehen", sagt etwa Margit Weyand, Schulelternsprecherin der Simon-Salomon-Realschule Speicher. Sie räumt ein, dass sie schon enttäuscht sei, dass trotz der guten Schularbeit und der vielen Bemühungen nur 28 Kinder in Speicher angemeldet wurden. "Eltern brauchen Sicherheit, und weder das Land noch die ADD haben den Eltern diese Sicherheit gegeben." Weyand hofft jetzt, dass der Antrag erfolgreich sein wird: "Das ist unsere letzte Chance."
Wenig Erfolgsaussichten


Während sich Jürgen Weber, Leiter der Realschule in Speicher, auf TV-Anfrage zu der Angelegenheit nicht äußern will, begrüßt auch Michael Ludwig, Sprecher der Bürgerinitiative IGS Speicher, die Entscheidung des Kreistags. "Wenn ein politischer Wille da ist, dann ist das auch juristisch möglich", ist Ludwig überzeugt. Doch sonderlich gut sind die Erfolgsaussichten nicht. "Das, was gewollt ist, gibt das Gesetz nicht her", hatte Landrat Joachim Streit schon in der Kreistagssitzung gesagt. Denn das Problem sei, dass diese Ausnahmereglung nur dann infrage käme, "wenn Speicher bereits eine Realschule plus" wäre, sagte Streit, was aber nicht der Fall sei. Wenn sich der Kreistag also dazu entschließe, diesen wenig aussichtsreichen Antrag auf den Weg zu bringen, dann aber nicht, "um nachher mit dem Finger aufs Land zu zeigen", warnte Streit, der sich umgekehrt aber aus Speicher auch nicht vorwerfen lassen will: "Ihr hättet es ja wenigstens versuchen können."
Die Vorgaben des Landes seien nicht auf Sonderfälle wie Speicher zugeschnitten, kritisierte Speichers VG-Bürgermeister Rudolf Becker, ebenfalls Mitglied des Kreistags. "Man muss ja auch sehen, dass es in Rheinland-Pfalz über 50 Schulen gibt, die auch nicht über 51 Schüler in der Klassenstufe fünf verfügen", sagte Becker, der wenig Verständnis dafür hat, dass für bestehende Realschulen plus andere Vorgaben gelten als für angehende.
Wenn es schon nicht gelinge, Speicher als selbstständigen Schulstandort zu erhalten, dann aber wenigstens in Kooperation mit der Realschule plus in Bitburg (siehe Extra), schlug Rosi Biewer von den Grünen vor: "Bitburg platzt doch schon jetzt aus allen Nähten."Extra

Wie Martin Olinger von der Kreisverwaltung erklärt, wäre es trotz der Entfernung der beiden Standorte möglich, die Schule in Speicher über die Realschule plus Bitburg zu betreuen und zu leiten. Es gebe im Land andere Fälle, in denen das ähnlich geregelt sei. Eine dauerhafte Lösung sei dies allerdings nicht. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier prüft nach eigener Aussage eine solche Übergangsregelung bis zur endgültigen Schließung der Schule. Die derzeitige Planung sieht jedoch ein Auslaufen der Schule bis 2018, nicht aber die Aufnahme neuer Fünftklässler im Schuljahr 2013/14 vor. uhe