"Indian Summer" in der Eifel

"Indian Summer" in der Eifel

DINGDORF/GRANSDORF. Gestern war es so weit: Unter reger Beteiligung der Bürger hat die Prüfungskommission des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" die Orte Dingdorf und Gransdorf unter die Lupe genommen. Ihr Urteil entscheidet darüber, wer den Gebietsentscheid der Region Trier gewinnt und beim Landesentscheid antreten darf.

Der halbe Ort steht morgens um 9 Uhr vor dem kleinen Gemeindehaus in Dingdorf und wartet. Gegenüber grasen gemächlich Kühe, alle paar Minuten kommt auf der engen Dorfstraße ein Auto vorüber - Dingdorf ist ein beschaulicher Eifelort. Dann hat das Warten ein Ende: Mit einem großen Bus, in dem leicht mehr als 50 Menschen Platz finden würden, erreicht die siebenköpfige Prüfungskommission ihr Ziel. Unter der Leitung von Alfons Hauser, Referatsleiter "Ländliche Entwicklung" bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier, werden die Prüfer alle Facetten von Dingdorf begutachten. Im überfüllten Gemeindehaus ist eine Präsentation des Orts und seiner 112 Einwohner vorbereitet. "Wir sind stolz auf unsere Gemeinde. Dass wir nach dem Kreiswettbewerb in die zweite Runde gekommen sind, hat uns richtig Aufwind gegeben", erklärt Ortsbürgermeister Heinrich Thome. Dann läuft das Programm: Bilder gemeinsamer Feste sowie der Brauchtumspflege werden gezeigt und die Wirtschaftsbetriebe und Vereine vorgestellt. Dem Ort geht es wirtschaftlich sehr gut. Es gibt null Prozent Arbeitslosigkeit und mehrere gut aufgestellte kleine Unternehmen sowie eine traditionsreiche Landwirtschaft. Würde nur die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit beurteilt - die Dingdorfer hätten einen Spitzenplatz sicher. Gleiches gilt für den Bereich sozialer und kultureller Aktivitäten. Doch auch die Grün- und Baugestaltung zählen. Hier tut sich der Eifelort an mancher Stelle noch schwer, was Thome bei der gemeinsamen Ortsbegehung humorig zu überspielen versucht: "Sie sollten im Herbst hierher kommen, ich sage nur: Indian Summer in Dingdorf." Insgesamt fällt die erste Rückmeldung der Jury sehr positiv aus: "Hervorheben muss man die wirklich vorbildlichen Kooperationen innerhalb des Dorfs und mit Nachbargemeinden in wirtschaftlicher als auch kultureller Hinsicht", lobt Hauser. Viel Lob gibt es auch für Gransdorf, wo die Kommission nachmittags zu Besuch ist: Der Gewinner des vorangegangenen Kreiswettbewerbs hat sich eine besondere Dorfpräsentation ausgedacht. Zusammen mit rund 100 Gransdorfern wird die Kommission von zwei Traktoren mit jeweils großem Anhänger zu den Sehenswürdigkeiten der Gemeinde gefahren. In allen Kategorien kann der Ort mit seinen rund 350 Einwohnern glänzen. Ob bei der landwirtschaftlich und touristisch geprägten Wirtschaftsstruktur, dem lebendigen Vereinsleben, der umfangreichen Grüngestaltung oder dem Erhalt naturnaher Lebensräume und dem Arten- und Biotopschutz. Bürgermeister Alois May erklärt, warum sein Ort mit so viel Begeisterung beim Wettbewerb dabei ist: "Wir machen mit, weil wir zeigen wollen, wie unser Ort leibt und lebt. Das ist die beste Werbung für unsere Gemeinde." Und der Leiter der Prüfungskommission schwärmt: "Solch eine vorbildliche Präsentation ist ansonsten nur bei Landes- oder Bundesentscheiden üblich." Bis zur Entscheidung, ob sich Dingdorf und Gransdorf unter insgesamt acht Orten, die im Gebietsentscheid für die Region Trier antreten, für den Landesentscheid qualifizieren können, müssen sich die Bürger noch gedulden. Erst am 21. Juli wird das Ergebnis bekannt gegeben.