INFRASTRUKTUR

Zu unserem Bericht "Die Abriss-Prämie" (TV vom 6. Juni) schreibt dieser Leser:

Meiner Meinung nach sollte die Verbandsgemeinde Bitburger Land lieber einen Zuschuss zu Ideenwettbewerben der Ortsgemeinden zu Umnutzungsmöglichkeiten fördern. Denn wenn man jahrzehntelang auf einen Schandfleck geblickt hat, setzt oft eine "Betriebsblindheit" ein, was man damit noch anfangen könnte. Aber die Umnutzung vieler solcher Gebäude durch die Ortsgemeinden selbst und auch die unermüdliche Initiative der Dorferneuerung mit privaten Bauherren zeigen, dass es als Alternativen zum Abriss oft vielfältige Möglichkeiten gibt, auf die einfach niemand vorher gekommen ist. Die Ortsgemeinde Dudeldorf ist einen anderen Weg gegangen: 2012 habe ich die einsturzgefährdete Gemeindescheune erworben, die bereits seit Langem ein Abriss-Kandiat war und wahrscheinlich mit der jetzt beschlossenen Abriss-Prämie längst verschwunden wäre. Heute ist die Scheune wieder ein Wohnhaus mit vier Einheiten, und die spätbarocke Fassade strahlt in altem Glanz. Hier wurde quasi ein neues Haus in die alte Hülle hineingebaut. Zur Zeit saniere ich ein weiteres Objekt - das denkmalgeschützte ehemalige Spritzenhäuschen der Ortsgemeinde, das wegen schwerwiegender Strukturschäden der Fundamente ebenfalls auf der Abrissliste stand. Mit der aktiven Hilfe des Ortsgemeinderates, der mir einen Teil des Vorplatzes der direkt daneben liegenden Burg verpachtet und meinem Projekt auch sonst in aller erdenklichen Weise geholfen hat, entsteht hier nun ab August ein Bistro mit Außengastronomie vor der Burg, was auch den Ortskern wieder belebt, sodass alle im Ort etwas davon haben. Alternativ wäre hier heute ein Parkplatz. Es geht eben auch anders. Eine alte Bausubstanz, egal wie furchtbar sie erscheinen mag, verdient immer eine Chance. Oft wird übersehen, dass der Abriss eines Gebäudes später wie eine Zahnlücke im Gebiss für die Umgebung zu sehr hässlichen und unwiederbringlichen Ergebnissen führt. Niels Becker, Grevenbroich