INFRAsTRUKTUR

Über ein gescheitertes Projekt in der Vulkaneifel schreibt dieser Leser:

Was leider nur noch wenige direkt Beteiligte und Eingeweihte wissen: Spätestens 2008 wurde eine große touristische Infrastrukturmaßnahme, in Form des Projekts Vulkanparks "Vulcanicum" zu Gunsten des Projekts Nürburgring 2009 meines Erachtens nach "versenkt". 1997 legte das ETI (Europäisches Tourismus Institut an der Uni Trier), eine Studie vor, deren Aufgabe darin bestand, darzustellen, wie man die Eifel (insbesondere die Vulkaneifel) wirtschaftlich und touristisch voranbringen könnte. Das mündete in dem Vorschlag, den Vulkanismus, besonders in Form eines modernen Themenparks, dazustellen und überregional zu vermarkten. Ohne Ausschreibung vergab die Regierung Beck 1999 den Auftrag an einen Tourismusexperten, um die Ausführung des ETI in Form einer Machbarkeitsstudie zu konkretiesieren, mit der Auflage, für das Projekt (darin Vulkanium genannt) einen privaten Investor ausfindig zu machen. Heraus kam dabei ein Berg Papier mit vielen Selbstverständlichkeiten, die im Internet nachzulesen waren, garniert mit einer überschlagenen Kosteneinschätzung eines Architekten. Außer hohen Kosten im damals sechsstelligen DM-Bereich und Vertröstungen auf angebliche Bankinvestoren und eine öffentliche Präsentation kam dabei über Jahre gar nichts heraus. Parallel dazu und auf eigene Kosten entwickelte mein aus Experten bestehendes Team ein wirtschaftlich tragbares und umweltverträgliches Konzept, das so angelegt war, dass die Anlage jederzeit der sich verändernden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung hätte angepasst werden können. Wir konnten den Stararchitekten Hollein gewinnen. Ein großer Heizungshersteller wollte auf seine Kosten die komplette Energiegewinnung realisieren. Vom Lufthansa-Gebäudemanagement, über Betreiber und Hersteller hatten wir ein engagiertes Team über acht Jahre zusammen gehalten. Für den gastronomischen Bereich führten wir Gespräche. Bei der Geländesuche wurden wir zwischen Ellscheid, Gillenfeld und Demerath fündig. Es folgten Fachgespräche in Mainz in den Ministerien, die jedoch scheinbar immer noch auf ihre bezahlten Experten setzten. Eingebunden war vor allem die Verbandsgemeinde Daun, die uns half, wo sie nur konnte. Auch fand eine Bürgervorstellung statt. Wir gewannen für die Privatfinanzierung (rund 40 Millionen) eine Bank. Schließlich ging es nur noch um die Erschließung des Geländes (4,5 Millionen). Nach den letzten Fachgesprächen in Mainz machte unsere Projektgruppe zusammen mit der VG Daun eine weitere Kostenberechnung. Eine neuere Wirtschaftlichkeitsberechnung einer Steuerberatungsgesellschaft reichten wir ein - und hörten nichts mehr. Erst auf Anfrage teilte man uns über sechs Monate später mit, man stehe unserem Projekt zwar positiv gegenüber, wir hätten aber kein schlüssiges Finanzierungskonzept vorgelegt! Mittlerweile wurden wir stillschweigend darauf hingewiesen, kein weiteres Geld und Arbeit zu investieren: Man wollte nicht gleichzeitig zwei Tourismus-Projekte in der Region, obwohl wir für die Erschließungskosten, die bei jeder anderen Nutzung auch angefallen wären, keine öffentlichen Mittel in Anspruch genommen hätten. Ergebnis: Vorrang für Nürburgring 2009! Wolfgang Hilgers, Daun