Internationale Rinderversteigerung in Fließem verkauft vier Monate altes Rind für 46000 Euro

Kostenpflichtiger Inhalt: Auktion : Rind Hailey erzielt Höchstpreis bei internationaler Rinderversteigerung in Fließem

Auch bei der sechsten Auflage der internationalen Rinderversteigerung German Masters Sales in der Auktionshalle in Fließem wurde wieder eifrig geboten. Den höchsten Preis erzielte mit 46000 Euro ein vier Monate altes Rind.

Eine junge Frau stampft im Takt über die mit feinen Spänen ausgelegte Bühne und singt. Ihre Interpretation des AC/DC-Klassikers You Shook Me All Night Long tönt aus den Lautsprechern. Auf dem Podium hinter ihr sitzen drei Männer mit Mikrofonen – auf der anderen Seite das Publikum. Die ganze Szenerie erinnert ein wenig an eine Casting-Show. Während die Sängerin zwischen den Textpassagen mit den Händen über dem Kopf klatscht und vergeblich versucht, das mit Freibier versorgte Publikum aus der Reserve zu locken, steht Silky bereits nervös neben der Bühne.

Das Lied endet, die Interpretin verlässt die Bühne, die Zuschauer klatschen und Silky wird auf die Bühne geführt. In der Auktionshalle der Rinder-Union West (RUW) in Fließem werden Rinder versteigert. Laut Katalog des German Masters Sale ist Silky Europas heißeste junge Rote Kuh. Das Bietergefecht in der Fließemer Auktionshalle startet. Und ehe es die meisten realisiert haben, liegen die Gebote bereits bei 20 000 Euro. Wenige Sekunden später sind es 30 000 Euro. Dann 32 000, 34 000, 36 000 Euro. Auktionator Nici Nosbüsch, der auch Hauptorganisator der Veranstaltung und zudem Eigentümer des acht Monate alten Rinds ist, will sich damit nicht zufriedengeben.

„Das ist eine einmalige Gelegenheit. In ein paar Jahren lachen Sie über diesen Preis“, sagt er. Endlich. Aus dem Publikum kommt das nächste Gebot: 38 000 Euro. Dann 40 000 Euro. Silky ist sichtlich nervös. Der Mann, der sie über die Bühne führt, hat alle Mühe, sie im Zaum zu halten. Silky beschließt, die Bühne wieder zu verlassen. Während sie die Rampe hinabtrottet und dabei ihre Begleitung vor sich herschiebt, liegt ihr Marktwert bei 41 000 Euro. In Abwesenheit der jungen Kuhdame steigt er ein weiteres Mal. Dann fällt der Hammer. Ein Käufer aus Malta ersteigert Silky für 42 000 Euro.

Das Holstein-Rind ist das erste von rund 140 Tieren, die an diesem Abend in Anwesenheit von rund 300 Bietern und Zuschauern versteigert werden. Das Auktionator-Gespann auf dem Podium, zu dem neben Nosbisch auch noch sein norddeutscher Züchterkollege Torben Melbaum sowie der Engländer Mark Lee gehören, geizt an diesem Abend nicht mit Superlativen.

Den höchsten Preis des Abends erzielt das Rind Hailey (links). Ein Luxemburger kauft es für 46 000 Euro. Die Veranstaltung ist gut besucht und für die gute Stimmung sorgt neben den angebotenen Tieren auch das Freibier. Foto: Uwe Hentschel

„Jeder mag sie, jeder liebt sie, jeder kennt ihre Töchter…das Beste, was heute Abend verkauft wird…ein hervorragendes genomisches Profil… dieses Euter ist nicht zu schlagen…was für Wahnsinnswerte: das ist schon keine Milch mehr, das ist Käse…“.

Nachdem Silky für 42 000 Euro und direkt danach vier ihrer Embryonen für immerhin 1100 Euro versteigert wurden, bewegen sich die Preise zunächst weiter im unteren vierstelligen Bereich. Für Zovie, deren praller Euter im Scheinwerferlicht glänzt, als habe er in einem Nivea-Fass gebadet, werden 4000 Euro bezahlt, für die hornlos gezüchtete Genua 3500 Euro, und für die abgekalbte Färse Fidji mit „sechs exzellenten Müttern im Papier“ wird der Zuschlag bei 3200 Euro erteilt. Dann kommt Hailey.

Hailey ist „ein Tier wie gemalt“. Das vier Monate alte Rind verfügt über einen hervorragenden Index. Von +168 RZG, A2A2 und BB ist die Rede, von einer perfekten Strichlänge und einem abfallenden Becken. Die Begeisterung, mit der das Tier präsentiert wird, lässt keinen Zweifel daran, dass Hailey etwas Besonderes sein muss. Und das erste Gebot auch nicht.

Eine junge Züchtergemeinschaft, die vorne vor der Bühne sitzt, startet mit 10 000 Euro. Und dann geht es zunächst in 5000er-Schritten weiter. Die jungen Züchter können da irgendwann nicht mehr mithalten. Für 46 000 Euro wechselt Hailey letztlich den Besitzer und das Land. Ein Mann aus Luxemburg macht das Geschäft. Für das junge Rind wird damit der höchste Preis des Abends erzielt.

Und dieser Abend ist lang. Nach gut sieben Stunden, gegen ein Uhr nachts, endet die sechste Auflage des German Masters Sale. Die Rinder und Embryonen sind verkauft, der Hochglanz-Katalog damit komplett abgearbeitet und die Veranstalter zufrieden. „Insgesamt eine sehr erfolgreiche Veranstaltung“ resümiert Nosbisch.

Oder, um es mit den Worten der drei Männer auf dem Podium zu sagen: Das Beste, was an diesem Abend geboten wird.

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