Interview mit dem neuen Vorsitzenden des Gewerbevereins Bitburg

Wirtschaft und Verbraucher : „Es ist wichtig, dass Bitburg lebenswert ist“

Der 39-jährige Geschäftsmann hat die Nachfolge von Edgar Bujara an der Spitze des Gewerbevereins angetreten.

(noj) Ohne Netzwerk kann es nicht gehen. Davon ist der neue Vorsitzende des Gewerbevereins Bitburg, Lars Messerich, überzeugt. Mit TV-Redakteurin Nora John hat er über die Arbeit des Vereins für die Stadt Bitburg und seine Vorstellung, wie man den Einzelhandel konkurrenzfähig macht, gesprochen.

Wie kam es zu der Kandidatur für den Vorsitz vom Gewerbeverein Bitburg?

Lars Messerich: Ich wurde angesprochen von dem Vorsitzenden Edgar Bujara, ob ich die Kandidatur übernehmen wollte.

Gab es einen längeren Vorlauf oder war das eher kurzfristig?

Messerich: Es gab schon einen längeren Vorlauf. Wie Edgar Bujara auch bei der Mitgliederversammlung gesagt hat, ist es sinnvoll, dass es jemand aus dem Team macht, der die Abläufe kennt.

War es für Sie direkt klar, dass Sie das machen möchten?

Messerich: Natürlich nicht direkt. Ich musste mir ein paar Gedanken machen und alles abschätzen, weil ich ja ein großes Unternehmen habe, andere Ehrenämter und Familie. Da habe ich mir etwas Zeit genommen, bis ich das entschieden habe. Dann habe ich aber gerne zugesagt.

Es wurde mehrmals bei der Mitgliederversammlung gesagt, dass Sie in große Fußstapfen treten. Flößt Ihnen das Respekt ein oder motiviert Sie das eher?

Messerich: Edgar Bujara hat 15 Jahre mit dem Team hervorragende Arbeit geleistet. Das Team ist unter anderem auch der Grund für meine Zusage, weil es einfach tolle Kollegen sind, die schon viele Jahre erfolgreiche Arbeit geleistet haben. Das möchten wir natürlich weiterführen, aber auch ein paar neue Ideen einbringen, die gut für unsere Stadtentwicklung sind.

Was möchten Sie beim Gewerbeverein fortsetzen und wo möchten Sie eigene Akzente setzen?

Messerich: Es ist ja bereits geplant, dass wir die bestehenden erfolgreichen Aktionen fortsetzen und weiterentwickeln. Neuerungen haben wir ja auch bereits angekündigt bei der Mitgliederversammlung. Eine davon ist der Arbeitskreis Südstadt, damit wir da auch den Wünschen der Betriebe dort nachkommen können. Wir möchten ihnen eine Plattform geben, um sich auszutauschen und einen Ideenpool zu bilden. Zusätzlich neu ist auch das Heimatshoppen, an dem wir im September erstmalig in Bitburg teilnehmen, um den Verbrauchern das lokale Einkaufen noch einmal bewusster zu machen.

Wie sehen Sie generell die Zukunft des Einzelhandels?

Messerich: Ich sehe die Zukunft sehr positiv. Das heißt es wird weiter Einzelhandel geben, weil die Menschen gerne den sozialen Austausch haben, gerne Erlebnisse haben und auf diese Eindrücke des Selbereinkaufens, also stationär, visuell und haptisch ansprechen. Das wird nicht aufhören. Das heißt, die Kunden werden in die Städte gehen. Aber es wird anspruchsvoller, sich im Wettbewerb zu behaupten. Jeder Einzelne muss sich sehr anstrengen, um das richtige Angebot und Geschäftsmodell zu bieten. Umso wichtiger sind der Gewerbeverein und die Vernetzung mit der Stadt und den Sponsoren und allen, die die Stadtentwicklung voranbringen. Vernetzung ist das Schlagwort der Zukunft. Einzelkämpfer werden es schwer haben. Das gemeinsame Ziel ist es, dass die Stadt attraktiv ist.

Einer der größten Konkurrenten für den Einzelhandel ist das Internet. Wie möchten Sie sich da positionieren?

Messerich: Das Internet beschleunigt den Wettbewerbsdruck natürlich stark. Aber generell gibt es viel mehr Wettbewerb neben dem Internet. Das Ziel ist es, den Menschen hier in Bitburg Einkaufserlebnisse und soziale Treffpunkte zu ermöglichen. Das sind so die wichtigsten Dinge, damit man sich entscheidet, vor Ort zu kaufen. Wir müssen mit unseren Stärken punkten. Und dazu gehört gute Beratung und auch ein gutes Sortiment.

Wo sehen Sie Bitburg im Vergleich zu Trier, aber auch zu vergleichbaren Städten wie Wittlich?

Messerich: Trier steht so ein bisschen für sich, das ist ein Oberzentrum in einer großen Region. Natürlich muss man informiert sein und über den Tellerrand gucken. Aber wichtig ist, dass wir auf uns schauen und gucken, wie wir als Stadt attraktiv sind. Was können wir tun, damit die Stadt sich weiter gut entwickelt? Und das nicht nur auf Gewerbe- und Geschäftsebene sondern auch von der Struktur her. Es ist wichtig, dass es lebenswert ist. Da sind wir auch wieder beim Netzwerk. Wir müssen es miteinander angehen.

Wie stehen Sie zur geplanten Bit-Galerie?

Messerich: Im Grunde erst mal sehr positiv. Natürlich müssen auch wir uns anstrengen, weil es in gewisser Weise eine Wettbewerbssituation ist. Aber im Grunde bringt eine Galerie viel mehr Menschen aus einem größeren Einzugsgebiet in die Stadt. Die Galerie wird, so die Macher, durch Sortimentsergänzungen und weitreichendes Marketing für Frequentierung sorgen. Auch in der Gastronomie soll es dort ein gutes Konzept geben mit regionalen Produkten. Ich glaube, wir haben mehr Vorteile als Nachteile.

Wie sehen Sie die Diskussion um die Ansiedlung von Geschäften in der Saarstraße?

Messerich: Wichtig ist, dass innenstadtrelevantes Sortiment dort nicht abgebildet wird. Dass es eine Konzentration Richtung Innenstadt gibt, ist gut. Aber es muss jedem klar sein: Eine funktionierende Innenstadt ist das Herz einer Stadt.

Wo sehen Sie in Bitburg im Moment noch den größten Handlungsbedarf?

Messerich: Wir müssen uns als Stadt nach außen hin attraktiv verkaufen, damit wir es schaffen, die Menschen aus der Region an die Stadt zu binden. Auch beim Grenzgebiet-Tourismus denke ich, dass wir uns besser vermarkten könnten. Luxemburger, Belgier oder Niederländer, die gerne hierher- kommen, wissen viel zu wenig über die Stadt. Es ist eine permanente Entwicklung.

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