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Investor erlöst altes Gemäuer aus trostlosem Dasein

Städtebauplanung : In der Alten Kellnerei in Schönecken entstehen zehn neue Wohnungen

In der Alten Schönecker Kellnerei sollen zehn Wohnungen entstehen. Zwischenzeitlich wurde das Haus als Schule und öffentliche Badeanstalt genutzt.

Aus dem einst herrschaftlichen Treppenaufgang sprießt das Unkraut, aus einer zerbrochenen Fensterscheibe weht ein Stück zerfetzte Gardine.  An der Mauer rankt ungestört der Efeu empor. Mit der Alten Kellnerei, in Schönecken eher als Alte Schule bekannt, ist es ein bisschen so wie im Märchen von Dornröschen. So scheint das traditionsreiche Gebäude seit Jahren in einen tiefen Schlaf gefallen zu sein. Auch im Inneren des Hauses hat der Zahn der Zeit genagt. Der Putz bröckelt auf den Boden, die alten Tapeten lösen sich von den Wänden – nur Dornröschen ist nirgends zu entdecken.

Doch jetzt soll das denkmalgeschützte Haus wachgeküsst werden. Mehr als 30 Jahre steht es schon leer, schätzt Johannes Arenth, Bürgermeister von Schönecken. Viele Jahre bemühten sich der ehemalige Eigentümer und Matthias Antony, damaliger Bürgermeister von Schönecken, um den Verkauf der Immobilie (der TV berichtete).

2009 wurde der Flecken dann in das Bund-Länder-Programm „Historische Stadtbereiche – städtebaulicher Denkmalschutz“ aufgenommen. Gefördert werden soll die Erhaltung denkmalwerter Bausubstanz in historischen Stadtkernen. Neben der Alten Schule zählen das Vinzentinerinnen-Kloster und die Alte Brennerei zu den sogenannten Anker-Projekten des Programms. Für deren Sanierung gibt es eine Förderung.

Die Hillebrand-Gruppe mit Sitz in Köln hat die Alte Kellnerei 2016 gekauft. „Auf das Objekt wurden wir durch den seinerzeitigen Bürgermeister aufmerksam gemacht“, teilt Herbert Hillebrand auf TV-Anfrage mit. „Da wir bereits einige Denkmäler in unserem Immobilienbestand haben, haben wir uns dazu entschlossen, unseren Bestand durch dieses schöne Objekt zu erweitern.“ Das Unternehmen beabsichtigt, das Haus zu sanieren und die Wohnungen dann zu vermieten.

Mit dem Umbau soll im Laufe dieses Jahres begonnen werden. Fertiggestellt werden soll es Ende 2021/Anfang 2022. „Die Sanierung der angrenzenden Stützmauer wird wahrscheinlich besonders aufwändig sein“, schätzt Hillebrand. Die Unternehmensgruppe hat in der Eifel bereits in Kyllburg in der Stiftsstraße ein Objekt saniert: die Burg Kyllburg.

Voll im Thema und mit der Immobilie gut vertraut ist Michael Frey vom Planungsbüro Frey in Simmerath. Der Architekt unterstützt Hillebrand bei der Sanierung der Alten Kellnerei.

Die Baustelle ist eingezäunt. Ein Bagger zeugt davon, dass es nun bald losgeht. „Wir haben fast zwei Jahre gebraucht, um Genehmigungen für Brandschutz und Statik zu bekommen“, sagt Frey. Da das Haus unter Denkmalschutz stehe, könne man nicht einfach einen Treppenturm außen anbauen. Da müsse man gucken, dass man die Fluchtwege innerhalb des Gebäudes schaffe. „Die aktuellen Brandschutzbestimmungen und die Denkmalpflege widersprechen sich oft.“ Das unter einen Hut zu bekommen, sei nicht einfach, sagt er.

Was auch noch die Arbeit verzögere, sei der Fachkräftemangel. „Der schlägt voll durch“, sagt der Sanierungsberater. „Im Moment wird viel gebaut, da fehlen die Ausführenden und die Planenden. Man bekommt kaum noch einen Prüfstatiker.“

Geplant sind insgesamt zehn Wohnungen mit guter Ausstattung zwischen 55 bis 85 Quadratmetern Größe. Der  Stuck, den man an einigen Zimmerdecken gefunden hat, werde von einem polnischen Professor restauriert, sagt Frey. Das Gebäude wurde 1718 errichtet. „Die Bausubstanz ist gut für so ein altes Gebäude“, sagt er. Insgesamt sollen laut Frey  rund 1,3 Millionen Euro investiert werden.

Bürgermeister Johannes Arenth ist froh, dass das ortsbildprägende Gebäude, das über die Jahre immer mehr zum  Schandfleck verkommen ist, bald saniert wird. Bis 1960 wurde das Haus als Schule genutzt (siehe Extra). In den 50er Jahren wurde im Keller eine Gemeinschaftsgefrieranlage eingerichtet. Daran kann sich auch Arenth noch gut erinnern. Als kleiner Junge habe er sich regelrecht „gegruselt“, wenn er zur Kellnerei rüber laufen musste, um etwas aus dem Gefrierfach zu holen.

Blick in die Zukunft: So soll die Alte Kellnerei nach der Sanierung aussehen. Insgesamt sollen dort zehn Wohnungen entstehen. Foto: Planungsbüro Frey
Im Inneren des Hauses wartet noch eine Menge Arbeit. Foto: TV/Stefanie Glandien

Und was ist eigentlich mit dem Geheimgang, der von der Burg Schönecken zur Alten Kellnerei führen soll? Da muss Michael Frey lachen. „Ich bin seit zehn Jahren in Schönecken tätig. Angeblich hat hier jedes alte Haus einen Geheimgang zur Burg.“ Aber den habe er bis heute noch nicht gefunden.