Irrel plant für die Zukunft

Stadtentwicklung : Prümufer, Platzbedarf und viele Pläne

Ein Achtsamkeitsweg, der Ausbau eines Naherholungsgebiets und die Sanierung von Straßen stehen in Irrel in den nächsten Jahren auf dem Programm. Die Gemeinde profitiert vom Bund-Länder-Programm „Ländliche Zentren“.

Der neue Irreler Ortsbürgermeister Herbert Theis wuchtet in seinem Steuerberatungsbüro einen dicken Ordner auf den Tisch. Darin zu finden sind jede Menge Unterlagen, die die Zukunft Irrels betreffen. Die 1600-Einwohner-Gemeinde erhält im Verbund mit Neuerburg und Bollendorf insgesamt 650 000 Euro aus dem Programm „Ländliche Zentren – Kleinere Städte und Gemeinden“ (der TV berichtete).

Land und Bund unterstützen bereits seit 2014 verschiedene städtebauliche Projekte in den drei Ortsgemeinden. In Irrel ist zurzeit die Büchelstraße im Ausbau. Sie soll verkehrsberuhigt werden, außerdem wird ein neuer Kanal gelegt. Als Nächstes sollen die Haupt- und die Prümzurlayer Straße ausgebaut werden.

„Wenn alles gut geht, können wir die Hauptstraße in diesem Jahr noch ausschreiben“, sagt Herbert Theis. Auch dort steht die Beruhigung des Verkehrs an.  Anstatt Bordsteinen wird der Übergang zwischen Bürgersteig und Fahrbahn fließend. Der Platz vor der Kirche soll den Charakter eines Dorfplatzes bekommen, sagt der Bürgermeister.

Ein Glück für die Einwohner ist, dass die Hauptstraße eine Kreisstraße ist und die Prümzurlayerstraße eine Landesstraße, sodass nicht die vollen Ausbaukosten auf die Bürger umgelegt werden. Stattdessen tragen diese nur die Kosten für die Bürgersteige, die Kanalanschlüsse und die Beleuchtung.

Ein weiteres großes Thema wird in Irrel die Umgestaltung des Dorf- und Festplatzes „Auf dem Werth“ und des Prümufers sein. Als Vorbilder dienen der Kyllpark „Stadt im Fluss“ in Gerolstein und die Umgestaltung des Wittlicher Lieserufers.

Bedingung für die Umgestaltung war allerdings, dass Irrel zuvor ein Starkregen- und Hochwasserkonzept anfertigen lässt. „Das Konzept liegt uns jetzt vor und wir werden jetzt die Maßnahmen, die von der Ortsgemeinde erledigt werden können, in Angriff nehmen“, sagt Theis. Erst danach gehen die Planungen ins Detail.

Aus dem auch für die Kirmes genutzten Festplatz soll ein Nah–erholungsgebiet werden, mit Wasserlandschaften und Spielmöglichkeiten für Kinder sowie Sitzstufen im Uferbereich. Das Ingenieurbüro Reihsner aus Wittlich erarbeite zurzeit ein Konzept, sagt er.

40 Jahre ist Herbert Theis schon Mitglied im Ortsgemeinderat, mindestens 30 Jahre davon als Beigeordneter. Bislang war er gerne der Mann in der zweiten Reihe. Nach dem Rücktritt von Bürgermeister Heinz Haas ist der 69-Jährige nun an vorderste Front „aufgerückt“. Dabei hatte er sich für den neuen Gemeinderat gar nicht mehr aufstellen lassen, „um jüngeren Leuten Platz zu machen“, wie er sagt. Doch als sich kein Bürgermeisterkandidat fand, wurde er vom Gemeinderat als „externer Kandidat“ zum Dorfchef gewählt.

Durch seine lange Ratstätigkeit ist er mit vielen Projekten in Irrel vertraut. Denn neben den Vorhaben, die durch das Länderprogramm gefördert werden, gibt es noch weitere, wie zum Beispiel den Neubau der Kindertagesstätte. Wie ist da der Stand? „Wir haben den Förderantrag abgegeben“, informiert Theis. Nun müsse noch der Bebauungsplan geändert werden.

Neuigkeiten gibt es auch von der „Neuen Mitte“. Der Edeka-Markt hat Platzbedarf angemeldet. Die Ladenfläche soll um 400 bis 500 Quadratmeter erweitert werden. Eine Möglichkeit wäre, das Parkdeck abzureißen und nach der Erweiterung wieder neu zu errichten. „In Summe würde die Anzahl der Parkplätze erhalten bleiben“, sagt Theis. Darüber wird der Ortsgemeinderat in seiner nächsten Sitzung sprechen.

Bereits in Arbeit ist ein sogenannter Achtsamkeitsweg, den der Naturpark Südeifel zusammen mit der Bürgerinitiative „Hand in Hand für Irrel“ umsetzen will.

Vom Städteförderprogramm können übrigens auch Privatinvestoren profitieren, die zum Beispiel alte, ortsbildprägende Häuser wieder instandsetzen. Vorhaben dieser Art müssten bei der Orts- beziehungsweise Verbandsgemeinde beantragt werden.

„Ich bin ein Verfechter alter Bausubstanz“, sagt Theis, der eine Vision für das Irrel der Zukunft hat: „Ich möchte die Ortsgemeinde lebenswert erhalten. Irrel soll nicht nur Schlafstätte sein. Es muss auch nicht jede grüne Fläche bebaut werden.“

Platz für neue Bauprojekte im Ortskern könnte entstehen, wenn der Neubau der Kita realisiert ist und das Verwaltungsgebäude endgültig leer steht. Denn dann würden zwei nebeneinanderliegende Grundstücke frei. Auch da hat Theis schon eine Idee: „Dort entsteht eine große Fläche, die wir gemeinsam entwickeln könnten. Zum Beispiel könnte man dort Mehrgenerationenwohnen ermöglichen mit bezahlbaren Mieten.“

Das Prümufer in Irrel soll aufgewertet werden. Bürgermeister Herbert Theis zeigt auf den Uferbereich, der auch renaturiert werden soll. Foto: TV/Stefanie Glandien
Das Prümufer in Irrel soll aufgewertet werden. Bürgermeister Herbert Theis zeigt auf den Uferbereich, der auch renaturiert werden soll. Foto: Stefanie Glandien. Foto: TV/Stefanie Glandien

Viel zu tun in Irrel. Könnte sein, dass der Ordner in Theis‘ Büro bald noch Zuwachs bekommt.

Mehr von Volksfreund