Irrel will mit Holz heizen

Irrel · Die Überlegung, das Hallenbad, die Turnhalle sowie weitere Gebäude in Irrel über eine Hackschnitzelanlage mit einem Nahwärmenetz zu versorgen, stößt allgemein auf Zustimmung. Sowohl die Ortsgemeinde als auch der Verbandsgemeinderat haben sich für eine Umsetzung des Projekts ausgesprochen. Nun fehlt nur noch die Zustimmung des Kreises.

Irrel. Als staatlich anerkannter Luftkurort darf Irrel nicht so ohne weiteres Dreck in die Luft schleudern. Das dürfen andere zwar auch nicht, doch bei Luftkurorten wird besonderer Wert darauf gelegt. Deshalb will Irrels Ortsbürgermeister Heinz Haas zunächst noch das Immissionsgutachten abwarten. Haas will sichergehen, dass die neben dem Irreler Hallenbad geplante Hackschnitzelanlage auch die notwendigen Abgaswerte einhält.
Wenngleich er da im Grunde keine Bedenken hat. "Denn ein Schornstein ist immer besser als zwölf", sagt der Ortsbürgermeister.

Und wenn es so käme, wie gedacht, dann würde dieser eine Schornstein der Hackschnitzelanlage langfristig ohnehin nicht nur ein Dutzend, sondern laut Haas durchaus bis zu 200 Schornsteine ersetzen.
Wie der Gemeindechef erklärt, ist im kommenden Jahr die Erneuerung der Haupt- und der Prümzurlayer Straße geplant. Und da dabei auch Kanalarbeiten anstünden und für diesen Zweck die Straße dann ohnehin aufgerissen werde, sei es sinnvoll, dabei direkt auch Rohre für ein Nahwärmenetz zu verlegen, sagt Haas. Dadurch könnten dann zusätzlich zur Aula und Turnhalle der Schule, dem Feuerwehrhaus, dem Kindergarten, der Gemeindehalle und weiteren Gebäuden im Bereich der "Neuen Mitte" auch Häuser dieser beiden Straßenzüge mit Energie aus der Hackschnitzelheizung versorgt werden. Das zumindest ist der Plan. Für dessen Umsetzung eine Sache aber ganz wichtig ist: Nämlich das unter den angeschlossenen Gebäuden auch das Hallenbad ist.

Bereits bei der Konzeptpräsentation im Sommer durch die Unternehmergesellschaft "H2 Erneuerbar versorgt" aus Niederweiler hatten die beiden Geschäftsführer erklärt, dass ein solches Nahwärmenetz nur dann wirtschaftlich sinnvoll sei, wenn auch das Schwimmbad als größter Energieverbraucher mit ans Netz komme.
Aus Sicht der Verbandsgemeinde Irrel, die Eigentümer des Hallenbads ist, spricht auch nichts dagegen. So hat der Verbandsgemeinderat kürzlich in nichtöffentlicher Sitzung dem Projekt zugestimmt.

"Wir können dadurch jährlich 50 000 Euro an Energiekosten einsparen", sagt Moritz Petry, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Irrel, der das Nahwärmekonzept ebenfalls begrüßt. Doch um jährlich Geld einzusparen, müssen laut Petry zunächst einmal 1,5 Millionen Euro investiert werden, weshalb die VG angesichts ihrer schlechten Haushaltslage auf die Zustimmung der Kommunalaufsicht angewiesen ist.

Wie Petry erklärt, liegen die Unterlagen bereits bei der Kreisverwaltung, die nun darüber entscheiden muss. Das bestätigt auch Gisela Mayer-Schlöder von der Kreisverwaltung, betont aber, dass die Bearbeitung dieser Unterlagen aufgrund der Komplexität noch einige Wochen in Anspruch nehmen werde. So müsse genau geprüft werden, was im Fall des Schwimmbads unterm Strich und langfristig günstiger sei: die Sanierung der dort vorhandenen, maroden Heizungsanlage oder aber die Investition in das Nahwärmekonzept.Meinung

Energiesparen ist gutNatürlich ist es richtig, die großen Stromfresser an die energiesparende Hackschnitzelanlage anzuschließen. Vor allem das Schwimmbad schluckt viel Energie. Die Investition für die klamme Kommune Irrel ist natürlich enorm. Doch auf lange Sicht ist Energiesparen sinnvoll. Weil die Heizungsanlagen oft ihre besten Jahre schon hinter sich haben und sowieso erneuert werden müssten. Weil die großen Gebäude ebenfalls meist kurz vor ihrer energetischen Sanierung stehen. Warum der Kreis das Schulgebäude außen vorlässt, traut sich zwar niemand vor Ort auszusprechen, scheint jedoch offensichtlich zu sein. Es ist einfach fraglich, ob der Schulstandort in ein paar Jahren noch existiert. Ebenso sieht es beim VG-Verwaltungsgebäude aus. Ein klares Plus ist da, die Bürger an das Netz anzuschließen, denn sie gewinnen auf jeden Fall. Und wenn das in einem Abwasch mit der Straßensanierung geht, umso besser! Also ran an das Netz! Und darauf achten, dass andere Gebäude bei Bedarf nachträglich angeschlossen werden können. m.radics@volksfreund.deExtra

Ursprünglich war die Überlegung die, neben dem Schwimmbad und der darüber liegenden Turnhalle auch die benachbarte Grund- und Realschule plus über die Hackschnitzelheizung mitzuversorgen. Der Kreis, der Träger der Schule ist, hat jedoch erklärt, das Schulgebäude bei der Planung vorerst unberücksichtigt lassen zu wollen. Gleiches gilt auch für das ebenfalls nicht weit entfernte Verwaltungsgebäude der VG, bei dem nicht sicher ist, inwieweit es nach der geplanten Zwangseingliederung der VG Irrel in die VG Neuerburg überhaupt noch benötigt wird. Wie Bürgermeister Petry erklärt, wäre zwar auch nachträglich ein Anschluss an das Nahwärmenetz möglich, allerdings wären dafür zunächst - genau wie bei der Schule - große Investitionen notwendig, da beide Gebäude mit elektrischen Nachtspeicherheizungen ausgestattet seien. uhe