Isegrim kommt näher: Wölfe leben nicht weit entfernt von der Eifel

Kostenpflichtiger Inhalt: So will das Land die Hirten in der Nordeifel schützen : Isegrim kommt näher: Wölfe leben nicht weit entfernt von der Eifel

Das Land will Eifeler Hirten vor Wölfen schützen. Weit von der Landesgrenze sind die Tiere nicht mehr entfernt. Vier Landwirte haben bereits Fördermittel beantragt.

Am Morgen des 14. Mai findet ein Schäfer drei tote Lämmer auf seiner Weide in Mützenich. Eines der Jungtiere wurde in den Rücken gebissen, ein anderes halbiert und der Rest des Kadavers mitgenommen. Für einen Experten ist klar: Die Schäfchen wurden von einem Wolf gerissen.

Es ist zu diesem Zeitpunkt der dritte Fall rund um das Eifelstädtchen Monschau in Nordrhein-Westfalen. Der erste ereignete sich am 11. April knapp 200 Meter entfernt, ein weiterer am 29. April zwischen Mützenich und Imgenbroich. Verantwortlich für die Risse ist wohl ein männlicher Wolf, der sich im Hohen Venn aufhält.

Foto: TV/Scheidweiler, Jonas

Seit Mai ist es ruhig um den Rüden geworden. Weitere Risse gab es nicht. Dabei hat das Tier inzwischen Gesellschaft bekommen. Durchs deutsch-belgische Grenzgebiet streichen seit Sommer zwei Wölfe. Und sie sind nicht allein im Nachbarland: Auch auf dem Plateau de Tailles wurde ein Tier nachgewiesen, ebenso in Elby, Provinz Luxemburg.

Manche Sichtungen liegen keine 50 Kilometer von der Schneifel oder der Oberen Kyll entfernt. Dennoch gibt es hierzulande laut Umweltministerium nach wie vor „keine bestätigten Hinweise auf Wolfsanwesenheit.“  Eine Überraschung wäre es dennoch nicht, wenn sich der Isegrim in der Nordeifel niederlassen würde. Auf der Suche nach einem passenden Territorium legen Wölfe weite Strecken zurück. Sie sind dabei laut dem Gerolsteiner Großkarnivorenbeauftragten Michael Lueg nicht selten 70 Kilometer am Tag unterwegs. Die 50 Kilometer zwischen Mützenich und Hallschlag sind für den Wolf also nur ein längerer Spaziergang.

Ein Habitat würden die Tiere in der Gegend wohl auch finden – etwa in der Schneifel oder am Duppacher Rücken, sagt Ullrich Klinkhammer vom Naturpark Nordeifel. Dort finde der Wolf ein ausreichendes Angebot an Wasser und Beute sowie ungestörte Plätze zur Jungenaufzucht. Beste Voraussetzungen also, um sich dauerhaft niederzulassen.

Weil der Wolf sich an die Eifel heranpirscht, hat das Umweltministerium die  Verbandsgemeinden Adenau, Prüm und Gerolstein im September zu Wolfspräventionsgebieten erklärt. Das heißt: Halter von Schafen und Ziegen können nun, ebenso wie Betreiber von Wildgehegen, Fördermittel zum Schutz ihrer Herden beantragen.

Wenden müssen sie sich dafür an die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz. Bisher, teilt eine Mitarbeiterin mit, seien vier Anträge aus den VGs Prüm und Gerolstein eingegangen, jeweils zwei aus jeder Kommune. Es habe außerdem „mehrere telefonische Beratungen gegeben“.

Im Vergleich mit anderen Regionen ist die Resonanz gering. So wurden allein im „Präventionsgebiet Westerwald“ seit Juni 2018 insgesamt 97 Förderanträge bewilligt. Dort haben sich Wölfe in einem ehemaligen Truppenübungsplatz angesiedelt.

In der Eifel wurden laut der Sprecherin Zuschüsse für spezielle Schutzzäune beantragt, die den Wolf von Weiden fernhalten sollen. Geeignet sind dafür Elektronetze oder Litzen-Zäune ab einer Höhe von 90 Zentimetern. Denn die können die Tiere nicht erklimmen.

Der erste Antrag vom 16. September wurde am 23. September bewilligt, schreibt die Stiftungssprecherin. Bei den drei späteren Ersuchen bestanden Rückfragen. Zusagen gab es deshalb nicht. Geld sei überhaupt noch keins geflossen. Überwiesen wird erst, wenn der Zaun steht und die Stiftung die Rechnung bekommt. Insgesamt stehen im Landeshaushalt 30 000 Euro fürs „Wolfsmanagement“ zur Verfügung, erklärt eine Mitarbeiterin des Umweltministeriums. Dies sei ein ausreichendes Budget, das gegebenenfalls durch Mittel aus dem Naturschutzhaushalt aufgestockt werde.

Vielen Landwirten geht das nicht weit genug. Auch der Landtagsabgeordnete Michael Billen (CDU) und der Eifeler Bauernpräsident Michael Horper (ebenfalls CDU) sprachen sich in der Vergangenheit dafür aus, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen, um Nutztierhalter zu schützen. Das Umweltministerium sieht das ausdrücklich nicht vor. Auf Anfrage  erklärte eine Sprecherin noch einmal: „Es wird keine Auswilderung des Wolfes durchgeführt.“

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