Ja, aber ...

BITBURG. Jenseits der Schlagworte Nachhaltigkeit oder Klimaschutz haben Bürger, Experten und Politiker in Bitburg über erneuerbare Energien diskutiert.

Es ging nicht um Werte. Nur hintergründig war von der Zukunft unseres Planeten die Rede. Unemotional und sachlich begnügten sich Politiker und Energieexperten in einer Podiumsdiskussion in Bitburg zum Thema "Erneuerbare Energien" damit, Zahlen aus unabhängigen Studien als Argumente zu nutzen - Zahlen, die über alle politischen Gesinnungen hinweg für eine verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien zu sprechen scheinen. Es ging um Arbeitsplätze, Strom-, Kraftstoff- und Ölpreise sowie Entwicklungsmöglichkeiten im Kreis Bitburg-Prüm. Zehn Prozent der Energie wurde 2004 in Deutschland mit Hilfe von Wasser, Wind, Sonne und Biogas erzeugt. 140 000 Menschen arbeiten in diesem Bereich. In der Kernenergie, die 30 Prozent der Energie liefert, sind es 38 000. Der Preis für Rohöl ist in den vergangenen drei Jahren um 300 Prozent gestiegen. Nach Prognosen ist bis 2030 eine Preissteigerung auf 120 bis 154 Dollar je Barrel zu rechnen. Auch der Strompreis ist gestiegen: seit 2000 um 28 Prozent auf 19,8 Cent je Kilowattstunde. Entgegen der Aussagen von Energiekonzernen habe dies jedoch nichts mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien zu tun, betonten Christof Strebe (Firma Enercon) und Milan Nitzschke (Bundesverband Erneuerbare Energie). Explizit gegen den Ausbau erneuerbarer Energien sprach sich keiner der geladenen Parteienvertreter aus. Dies wäre in Anbetracht der nahenden Wahlen auch nicht clever. Mehr als 50 Prozent aller Wähler (CDU 50, FDP 55, SPD 70, Grüne 80 Prozent) wünschen sich einer Studie des Forsa-Instituts zufolge den weiteren Ausbau regenerativer Energien. "Wer die Vorstellung hat, die CDU würde erneuerbare Energien ablehnen, der liegt falsch", sagte Michael Billen (CDU). Ebenso wie Sigrid Thiel (FDP) äußerte er jedoch Besorgnis um eine weitere "Verspargelung der Landschaft". "Erneuerbare Energien sind ein unverzichtbares Zukunftselement", sagte Thiel - jedoch fordere die FDP einen freien Wettbewerb. Ulrike Höfken (Bündnis 90/Die Grünen) sah das kritisch: "Was CDU und FDP in ihrem Programm stehen haben, bedeutet in Wirklichkeit einen Stopp der erneuerbaren Energien". Einigkeit scheint darin zu bestehen, dass im Kreis Bitburg-Prüm bei der Ausweisung von Flächen für Windparks Fehler gemacht wurden. Dies sei jedoch kein Argument gegen die Nutzung von Windkraft oder gegen das Erneuerbare-Energie-Gesetz, betonte aus dem Publikum Alfred Hauer, Landwirt und Windmüller aus Niederweiler. Es sei vielmehr ein Problem der Verwaltung. "Wenn man von ,Verspargelung' spricht, muss man sich über technische Entwicklungen informieren", sagte Strebe. Die Effizienz von Windrädern sei in den vergangenen Jahren um ein Vielfaches gestiegen. 2000 moderne Windräder könnten so viel Strom erzeugen, wie die derzeit in Deutschland installierten 16 500 - die Gesamtleistung ließe sich erheblich ausbauen, ohne weitere Anlagen zu errichten, erläuterte Strebe. "Jeder gibt im Jahr 1000 Euro für Energie aus, davon verlassen 800 die Region", sagte Achim Nottinger, Experte für Biogas. Erneuerbare Energien hingegen stärkten die regionale Wirtschaft und schafften Arbeit vor Ort. Georg Högner, Experte für Windenergie, gab ein Beispiel: Im ehemaligen Regierungsbezirk Trier bietet die Windenergie 74 Arbeitsplätze. Jährlich fließen 1,8 Millionen Euro Pacht in die Region. 600 000 Euro zahlen die Windmüller direkt an Gemeinden.