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Ja zum Bitburger Innenstadtring

Ja zum Bitburger Innenstadtring

Einen Sturm der Entrüstung aus der Bürgerschaft befürchten die Kritiker des Innenstadtrings, wenn das Verkehrskonzept umgesetzt wird. Nach ausführlicher Debatte haben Bauausschuss und Stadtrat dennoch mehrheitlich für eine Testphase gestimmt. Wann diese kommt, ist allerdings offen.

Bitburg. Ein Thema, das spaltet: Ob Bitburg testhalber für ein Jahr einen linksdrehenden Einbahnstraßenring für die Innenstadt einführen soll, ist umstritten. Vor allem die Fraktionen von Grünen und SPD haben in der gemeinsamen Sitzung von Stadtrat und Bauausschuss dieses Verkehrskonzept kritisiert. "Ein Innenstadtring, bei dem nur an Autofahrer gedacht wird, ist kein Aushängeschild für unsere Stadt. Wir brauchen ein Konzept, das auch Radfahrer und Fußgänger berücksichtigt", sagte Peter Berger (Grüne).
"Jugendliche werden den Ring abends für Autorennen nutzen. Das wird eine Rennstrecke", sagte Stephan Garçon (SPD). Er fürchtet: "Wenn wir das machen, geht ein Sturm der Entrüstung durch die Bevölkerung." Eine Sorge, die Peter Kockelmann (Liste Streit) teilt: "Es gibt für diesen Ring absolut keine Notwendigkeit. Bitburg hat keinen Verkehrskollaps. Wir sollten einen Bürgerentscheid machen."
Ein solcher Bürgerentscheid, sagte Verkehrsplaner Klaus Kohm vom Büro Vertec, sei erst nach einer Testphase sinnvoll: "Dann wissen die Bürger aus Erfahrung, worüber sie entscheiden." Er argumentierte für den Ring: "Der Verkehr wird flüssiger, es gibt weniger Unfälle, und es werden Flächen gespart, auf denen man Parkplätze oder Bäume anlegen kann." Auch sei es für Fußgänger einfacher, die Einmündungen eines solchen Rings mit Hilfe von Mittelinseln zu überqueren, als einmal rund um einen Kreisverkehr spazieren zu müssen. Auch das Argument, dass der Ring Umwegfahrten nötig macht, wurde vom Verkehrsplaner entkräftet: "Eine rote Ampelphase dauert eineinhalb Minuten. In der Innenstadt gibt es derzeit drei Ampeln. Den Ring zu durchfahren, dauert zwei Minuten."
Sieben Gegenstimmen


Kritisiert wurde auch, dass der Ring zu Ausweichfahrten durch Wohngebiete wie etwa den Ostring führen könnte. "Das ist für mich der Grund, warum wir schnellstmöglich die Nord-Ost-Tangente brauchen, um Durchgangsverkehr zu vermeiden", sagte Jürgen Weiler (CDU), der sich aber für eine Testphase für den Innenstadtring aussprach. Winfried Pütz (Liste Streit) sagte: "Wir müssen den Mut besitzen, vorausschauend zu arbeiten. Wir können doch nicht erst anfangen, uns Gedanken um den Innenstadtverkehr zu machen, wenn die Einkaufszentren stehen."
Hintergrund der Debatte ist, dass sich mit Bit-Galerie, dem Einkaufszentrum Limbourgs Hof und dem neuen Postplatz der Verkehr in der Innenstadt erhöhen wird. Für die Bit-Galerie wäre dann eine Ampelanlage an der Einmündung vom Karenweg in die Bedastraße nötig. "Wir wollen doch nicht noch eine Ampel in der Innenstadt. Ich finde, wir sollten handeln und nicht abwarten", sagte Manfred Böttel (FBL).
Bei sieben Gegenstimmen (Grüne, SPD, eine CDU, eine Liste Streit) hat der Rat entschieden, dass die Verwaltung den Ring, der als Provisorium rund 43 000 Euro kosten würde, weiter planen soll. Es wurde aber offen gelassen, wann der Ring testhalber eingeführt wird. Auch deshalb, weil noch unklar ist, ob und wann die Bit-Galerie kommt.

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Einen Versuch ist es wert
Alles Neue kann auch Angst machen. Aber die Idee eines Innenstadtrings ist so aktuell nicht. Das Konzept wird seit mehr als 20 Jahren - lange vor den Plänen für eine Bit-Galerie - diskutiert. Natürlich gibt es gute Argumente gegen den Ring. Aber eben auch vieles, was dafür spricht: keine Ampeln, keine Kreuzungen, mehr Grünflächen, mehr Parkplätze - und vielleicht ist sogar eine Spur für Radfahrer möglich, da der Ring weniger Verkehrsflächen verbraucht. Kritik gilt es ernstzunehmen. In einer Testphase ließe sich ausprobieren, ob das Konzept taugt oder nicht. In Wittlich staut sich der Verkehr wegen der vielen Ampeln. Das könnte Bitburg vermeiden. d.schommer@volksfreund.de