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Jecken kontrollieren die Abteistadt, TV-Redaktion ebenfalls eingenommen

Rathaussturm in Prüm : Prüm fällt. Schon wieder!

Widerstand jecklos: Hochaggressive Narrenverbände haben die Schaltzentralen der Macht erobert, die Stadtkasse ist dahin. Niemand weiß, wie es nun weitergeht.

Donnerstag in der bis dahin friedlich im Nieselregen dösenden Abteistadt: Während die – meist rechtschaffenen – Bürger ihrer Arbeit nachgehen, beim Frühstück sitzen oder sich seit Stunden gedanklich auf die Suche nach einem Parkplatz für den geplanten Einkauf vorbereiten (ein stetes Problem in dieser 5000-Einwohner-Weltmetropole), geht plötzlich ein Trömmelchen. Es ist kurz nach elf Uhr, weitere Instrumente fallen ein und reißen die Stadt aus ihrer Ruhe.

Es ist das Signal für die Attacke auf die Schaltzentralen der Prümer Macht, und es verhallt ungehört von den Ordnungskräften - die Polizei taucht zu keinem Zeitpunkt auf, offenbar ein Komplott. Inspektionschef Georg B. wird Fragen zu beantworten haben.

 Keine Chance, Herr Stadtbürgermeister: Die Möhnen entreißen Johannes Reuschen die Prümer Stadtkasse.
Keine Chance, Herr Stadtbürgermeister: Die Möhnen entreißen Johannes Reuschen die Prümer Stadtkasse. Foto: Fritz-Peter Linden

Aus allen Straßen ziehen sich ungehindert schwere Verbände rabiater Narrendivisionen zusammen, bis an die – teils nicht mehr durchgehend echten – Zähne kostümiert und bewaffnet mit primitiven Wurfgeschossen aus hochgefährlicher Zuckermasse („Kamellen“) und biologischen Kampfstoffen („Strüßjer“). Vereinzelt werden sogar Panzerhauwitze in Anschlag gebracht. Dann setzen die Angreifer ihre Primärwaffe ein: das gellende „Prüm Juch-Hei“, offenbar eine Kampfparole, mit der die Verteidiger der Stadt gnadenlos in den Frohsinn getrieben werden sollen. Psychologische Kriegsführung. Sie wirkt, wie sich kurz darauf herausstellt.

Allen voran marschieren die Möhnen vom „Hohnerclub“, eine Art karnevalistisches Gender-Kommando, dessen Ursprung im Hahnplatz-Umfeld (deswegen „Hohner“) zu vermuten ist. Es besteht aus lauter beeindruckenden, stahlharten Frauen mit markerschütternden Stimmen, flankiert von der Prinzengarde, deren farbige Uniformierung von ihrer destruktiven Energie kaum abzulenken vermag. In ihrer Mitte die Kommandoebene: Das Dreigestirn mit Prinz Dunja I., Bauer Michaela und Jungfrau Elke, das mit außergewöhnlicher Autorität operiert – und mit dem Musikverein Prüm im Rücken. Drumherum: versprengte Zellen aus Einzeljecken, die aber an diesem Morgen zu einer schlagkräftigen Einheit zusammenfinden.

Und so fällt auch schon bald die Bürgermeisterei: Dabei hatte jeder gehofft, mit dem neuen Stadtchef Johannes Reuschen seien andere Zeiten angebrochen. Falsch gedacht: Der Stadtbürgermeister, im zweiten Leben selbst Angehöriger der Prümer Prinzengarde (ein Ergebnis jahrelanger Investigativrecherchen, bei denen die Prümer Volksfreund-Redaktion nahezu aufgerieben wurde), leistet keinerlei Widerstand und fügt sich willenlos den Befehlen von Gardekommandant Dominik Hoffmann (“Wir sind Bürgermeister!“). Noch schlimmer: Er will sich die Angreifer mit dem hemmungslosen Ausschank sinnvernebelnder Getränke gefügig machen.

Eine Taktik, die auch bereits Vorgängerin Mathilde Weinandy anwendete – und mit der sie ebenso scheiterte wie nun ihr Nachfolger, der diese Tradition gleich mal fortsetzt. In kürzester Zeit sind die Bestände zerstört. Im Zapfenstreich übernehmen die Jecken, allesamt erfahrene Wirkungstrinker, das Rathaus. Mit laserartiger Zielgenauigkeit entdecken die Möhnen die Stadtkasse und reißen sie dem Bürgermeister aus den feingliedrigen Advokatenhänden.

Alle marodieren im Anschluss weiter durch die Straßen und über den seit dem Umbau extrem geräumigen Hahnplatz. Bis sie, Höhepunkt der Anarchie, die TV-Redaktion in der Hahnstraße stürmen und die gewohnt seriöse, verlässliche Berichterstattung zunichte machen.

Wir melden uns zurück, sobald wir wieder geradeaus tippen können. Bis dahin gilt: Prüm ist gefallen. Der Rest des gestrigen Tages verliert sich im Schunkeln.

Achtung: die Prümer Möhnen sammeln in diesem Jahr auf ihrem Weg durch die Häuser für einen sehr guten Zweck: Alles, was sie an Spenden erhalten, geht weiter an den Verein Nestwärme zur Unterstützung der Familien schwerkranker Kinder.