1. Region
  2. Bitburg & Prüm

"Jetzt haben wir voll das Eifel-Image weg"

"Jetzt haben wir voll das Eifel-Image weg"

Sie haben Eifelklischees in Raptexte gepackt, das Ganze auf einem Bauernhof in ein Musikvideo verwandelt - und sind damit im Internet auf Siegeszug: Tausende Klicks in wenigen Tagen hatten die Musikerfreunde Christopher Olk und Johannes Kohl mit ihrem Eifelkinder-Lied, bei dem auch Mundart-Sängerin Sylvia Nels mitmacht. Der TV wollte wissen, was die drei zu dem großen Erfolg sagen - und ob es ein zweites gemeinsames Projekt geben wird.

Ließem. Stroh, Kühe, ein Traktor. Da halten die Jungs mit der Kamera zuerst drauf. Im Musikvideo dreht sich ja auch alles um die, erraten: die Eifel. Und dann legt Christopher Olk aka (auch bekannt als) "Qriffin" los: "Ich bin der tighte Bauer, betreibe Viehzucht / Füll den Eifel-Tower, Viez-Sucht…"
Mehr als 35 000 Mal ist ihr Video bei Youtube mittlerweile aufgerufen worden. "Mit ein paar Tausend Klicks haben wir schon gerechnet", sagt Johannes Kohl, der nicht nur als "Buy Some", so sein Künstlername, vor der Kamera zu sehen ist, sondern auch dahinter alles produziert hat. "Aber mit so viel dann doch nicht." Und nun? "Jetzt haben wir voll das Eifel-Image weg", sagt er. "Als wären wir die größten Patrioten, die hier rumlaufen." Christopher Olk erzählt: "Wir wollen mit dem Video niemanden angreifen und auch nicht mit der Eifel ins Gericht gehen - im Gegenteil. Wir greifen mehr Klischees als Realitäten auf."
Der Humor, sagt Johannes Kohl, funktioniere aber nur, wenn auch ein wahrer Kern dahinterstecke. Zum Beispiel bei der Zeile: "ein Dorf mit mehr Kühen als Leuten". Oder wenn die ganze Truppe im Video ihre Handys nach oben hält und singt: "Such das Netz". An den Reaktionen, die überwiegend positiv waren, erzählt Johannes Kohl, habe er jedenfalls gemerkt: "Der Eifeler hat mehr Humor, als man ihm zutrauen würde."
Und genau darum geht\'s auch: Das Video soll einfach nur Spaß machen - das sagt auch Sylvia Nels. Die Eifeler Mundart-Sängerin haben die Jungs zum Mitmachen bewegt - das war eigentlich die "Idee eines Kumpels", sagt Johannes Kohl, und sie hätten gar nicht damit gerechnet, dass sie Lust drauf habe. Sylvia Nels sagt: "Ich hab mir die Musik von den Jungs angeschaut. Die machen gute Arbeit. Ich wusste vorher schon, dass das einfach gut wird."
Eine erste Version des Liedes habe es schon seit mehr als einem Jahr gegeben, erzählen die Jungs, die seit ihrer Schulzeit gemeinsam Musik machen und auch den Text selbst geschrieben haben. Sylvia Nels hat den Refrain beigesteuert - und einen Drehort ausfindig gemacht: ein Bauernhof in Ließem.
Und dort ging es dann zur Sache - wobei der Dreh "überraschenderweise ziemlich nach Plan lief", erzählt Johannes Kohl. "Der Johannes wusste genau, was er wollte", sagt Sylvia Nels. "Er hat auch ein Skript rausgegeben - das man nicht lesen konnte, weil es handschriftlich war. Aber das war eine schöne Arbeiterei."
Eine Szene zeigt Sylvia Nels und die anderen beim Tanz um einen Baum: "Das sieht gar nicht so spektakulär aus. Aber bei der Aktion hab ich mir fast den Fuß gebrochen", erzählt sie. Und Johannes Kohl erinnert sich an die Kinder, die die Sängerin als Statisten organisiert hat: "Wir dachten, da kommen zwei oder drei, mit denen wir durch die Wiese marschieren. Aber dann waren das ein Dutzend Kinder und wir wussten nicht, wohin mit denen." Aber die seien gut drauf gewesen, sagt Christopher Olk, und eine Bäuerin habe ihnen dann noch direkt aus dem Milchstand frische Milch gebracht, und "eine ältere Frau aus dem Dorf hat uns für verrückt erklärt."
Nach nur einem Tag war alles im Kasten. "Das war ein tolles Projekt", sagt Johannes Kohl. "Aber so was kommt jetzt nicht noch mal." Obwohl die Jungs die Mundart-Sängerin mit ihrer Leidenschaft für Rap angesteckt haben: "Mit dieser musikalischen Welt habe ich mich vorher nie auseinandergesetzt - jetzt bin ich ein Fan geworden: Diese wahnsinnige Geschwindigkeit, die Art, mit Sprache so gewandt umzugehen - das ist eine Kunstform für sich", sagt sie.
Aber Eifelkinder - so der Songtitel -, das bleiben sie: Sylvia Nels sei "mit Herz und Seele in der Eifel verwurzelt", und die Jungs, die es beide in die Großstadt gezogen hat (siehe Extra), sagen auch: "Im Kern unseres Herzens sind wir doch genau das: Eifelkinder."
Das Musikvideo im Internet:
<%LINK auto="true" href="http://www.youtube.com/watch?v=8ZKLlpmoLnk" class="more" text="www.youtube.com/watch?v=8ZKLlpmoLnk"%>
Extra

Christopher Olk ist auf Wohnungssuche in Berlin: Der 19-Jährige aus Bitburg-Stahl studiert dort Philosophie und Betriebswirtschaftslehre. Ende des Jahres will er sein erstes Album rausbringen. So große musikalische Ambitionen habe er nicht, sagt Johannes Kohl. Er mache das aus Spaß. Der 20-Jährige aus Körperich wohnt in Köln und studiert Medienmanagement. eib