Jetzt hängt alles in der Luft!

Jetzt hängt alles in der Luft!

PRÜM. Hemmungslose Verschwendung von Steuergeld – und zwar in der Verbandsgemeinde Prüm: Das Satire-Magazin Titanic meldet Erschütterndes aus der Eifel.

Unfassbare 26 Stockwerke sollte das neue Prümer Verwaltungshochhaus erhalten. Aber nach 23 Etagen war Schluss: "Wegen eklatanter Fehlplanung" musste der Großbau eingestellt werden. Das Schlimmste daran: Alles hängt jetzt in der Luft, denn Erdgeschoss und die zwei darüber liegenden Stockwerke fehlen, weil man das Haus "von oben nach unten" gebaut hat. Schonungslos und in aller gebotenen Komik deckt das Satiremagazin "Titanic" in seiner November-Ausgabe die übelsten Fälle von Steuergeld-Missbrauch auf. Und der oben geschilderte ist längst nicht der einzige aus der Abteistadt, die VG, meldet Titanic, entwickle sich regelrecht "zum Fass ohne Boden": Bereits "im Januar" seien dort "an der Ortsdurchfahrt" neue Bogenlampen aufgestellt worden. Allerdings verengen die Lampen die Straße dermaßen, "dass diese künftig weder von Bussen noch von Lastfahrzeugen passiert werden kann. Um die Verkehrsanbindung der Stadt trotzdem zu gewährleisten, wird jetzt ein Bahnhof mit Einkaufspassage und Musicalhalle gebaut" - für fette 2,3 Milliarden Euro "plus Schienen". Den Bahnhof gibt es zwar schon, die Musicalhalle ist zum Glück nicht geplant - aber immerhin: Mit der Einkaufspassage in der Nachbarschaft liegen die Titanic-Redakteure Stefan Gärtner und Oliver Nagel nicht ganz daneben. Und sie haben noch mehr in Erfahrung gebracht: So habe sich bei einem Tag der offenen Tür in der Stadtverwaltung der allgemeine Volkszorn entladen. Bei den "fast schon traditionellen Ausschreitungen" sei das Rathaus komplett vernichtet worden, so dass es jetzt für viel (Steuer-)Geld und "aus Sicherheitsgründen" außerhalb der VG wieder aufgebaut werden soll: in Irrel.Leider, leider: alles erfunden

Irre. Ist aber leider, bis auf den Schauplatz, alles frei erfunden. Und deshalb sieht Bürgermeister Aloysius Söhngen auch keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken: "Pah! Wenn die wüssten, was hier tatsächlich alles schief läuft, dann wären wir jeden Monat bei denen im Blatt - und ich längst im Knast", sagt er in einem unglücklicherweise ebenfalls völlig aus der Luft gegriffenen Interview mit dem TV. Alles gelogen, schade. Deshalb schnell zurück in die Wirklichkeit: Die Satire hat einen realen Hintergrund, allerdings nicht in Prüm. "Immer im Herbst informiert der Bund der Steuerzahler über Steuergeld-Verschwendung", sagt Stefan Gärtner. "Die Internet-Seite ist an sich schon sehr komisch." Was Gärtner und Nagel aber nicht daran hinderte, den echten Meldungen noch ein paar fiktive draufzusetzen. Und warum ausgerechnet Prüm (beziehungsweise "Prüüüm", wie Gärtner es ausspricht)? Reiner Zufall: Man habe, berichtet er, den Namen im Internet entdeckt und witzig gefunden, genau so übrigens wie den Begriff "Verbandsgemeinde". "Und dann gucken mein Kollege Oliver Nagel und ich aus dem Fenster und fangen an zu spinnen, und wenn wir beide lachen, dann erscheint der Text im Magazin." Die beiden Titanic-Autoren sind nicht die ersten, die Unerhörtes in Prüm passieren lassen: Schon der Schriftsteller Ror Wolf (der TV berichtete) hat die Stadt zum Schauplatz einer dramatischen Begebenheit gemacht. In der Geschichte "Wahrheit und Wirklichkeit in Prüm" ("Nachrichten aus der bewohnten Welt", Frankfurter Verlagsanstalt 1991) lässt er zwei Männer "in der Nähe der Ortskrankenkasse" zusammenrasseln "wie zwei Lokomotiven". Unbeteiligter Zeuge dieser Kollision: ausgerechnet Max Schmeling. Der Boxweltmeister kommt nämlich gerade "schwankend vorbei" und bemerkt lässig: Man solle sich keine Gedanken machen, das Schlimmste sei längst überstanden. Richtig so. Zumal sich die Prümer ja ansonsten wirklich freuen können: Sie beherbergten den sensationellsten Deutschen Wandertag aller Zeiten, erfanden das größte Eifel-Literaturfestival der Welt, und jetzt retten sie auch noch mit Titanic-Hilfe den Humorstandort Deutschland. Mehr zum Thema unter: