Jetzt hat es auch eine Studie bestätigt: In Bitburg fehlen Sporthallen.

Vereine beklagen Raumnot : Es leidet der Sport: Bitburg hat zu wenig Platz

Das Angebot an Sportstätten in Bitburg könnte deutlich besser sein. Das meinen nicht nur die Vereine, die die Überbelegung von Hallen und Plätzen schon lange beklagen, sondern auch die Bürger, die im Rahmen der derzeit laufenden Erstellung eines Sportentwicklungskonzepts befragt wurden.

Die Bitburger sind ein recht sportliches und weitgehend vitales Volk. Mehr als 50 Prozent treiben mindestens drei Mal pro Woche Sport und mehr als 70 Prozent fühlen sich fit. Das zumindest geht aus einer Befragung hervor. Deutlich wurde dabei auch, was die Bitburger allem Anschein nach nicht sind: nämlich übermäßig motiviert, an einer Befragung teilzunehmen. Auch dann nicht, wenn diese Studie im Auftrag der Stadt Basis für ein Sportstätten-Konzept ist.

Die Frist für die Teilnahme an der Befragung war auf drei Wochen angelegt. Weil der Rücklauf aber recht zäh war, wurde diese Frist verlängert. Am Ende haben dann 212 der 1500 zufällig ausgewählten Bürger an der Umfrage teilgenommen. Das sind etwas mehr als 14 Prozent – ein Wert, mit dem man nicht groß angeben kann, mit dem Stefan Henn aber leben muss. Henn ist Koordinator des Instituts für Sportstättenentwicklung in Trier, das an einem Sportentwicklungskonzept für die Stadt Bitburg arbeitet.

Bei diesem Konzept geht es darum, auf Grundlage der derzeit vorhandenen Zahl an Sportstätten und den Kursen und Trainings, die Vereine sowie weitere Veranstalter anbieten, ein Handlungskonzept für die Zukunft zu erstellen. Und ein wesentlicher Baustein dieses Konzepts ist die Befragung von Vereinen und Bürgern, deren Ergebnisse der Vertreter des Sportinstituts am Donnerstagabend im Sitzungssaal des Rathauses präsentiert hat.

„Die Organisation des Sports befindet sich im Wandel“, sagt Henn und verdeutlicht das an Hand der Zahlen aus Bitburg. Demnach sind zwar 55 Prozent der Befragten Mitglied in mindestens einem der Vereine, ein Großteil der sportlichen Aktivitäten (77 Prozent) wird laut Befragung aber selbst organisiert.

Die Menschen schätzten am Vereinssport vor allem die sozialen Aspekte, wünschten sich aber insgesamt mehr Flexibilität, so Henn. „Für Vereine besteht die große Herausforderung darin, auf diese Bedürfnisse zu reagieren, ohne sich selbst zu verraten“, sagt er.

Die Ausgangslage dafür ist nach Auffassung des Sportexperten in Bitburg durchaus gut. Denn wie die Befragung der Vereine gezeigt hat, verfügen der Turnverein und auch FC Bitburg über einen vergleichsweise hohen Stamm an ausgebildeten Trainern. „Darauf kann man sehr gut aufbauen“, resümiert Henn. Allerdings zeigen die Befragungsergebnisse auch, dass fehlende Übungsleiter, mangelndes Interesse an ehrenamtlichem Engagement und die Gewinnung neuer Mitglieder zu den größten Problemen der Vereine gehören.

Und es gibt noch ein weiteres Problem, das die Vereine beschäftigt: die fehlenden Hallenkapazitäten. So bezeichnet mehr als die Hälfte der befragten Vereine und Abteilungen die Nutzungszeiten der Sporthallen in Bitburg als unzureichend bis völlig unzureichend. Das deckt sich weitestgehend auch mit den Ergebnissen der Bürgerbefragung. Sowohl die befragten Bürger als auch die Vereine sind der Meinung, dass sich die Sportmöglichkeiten innerhalb der vergangenen Jahre verschlechtert haben.

Einer der Gründe dafür ist der Ausfall der Turnhalle am St.-Willibord-Gymnasium. 2013 wurde die damalige Turnhalle wegen Einsturzgefahr geschlossen. Nicht nur die Schüler, sondern auch die Vereine mussten deshalb auf andere Sportstätten ausweichen. Zwar wurde inzwischen eine neue Halle errichtet. Aufgrund von Baumängeln, die noch nicht behoben sind, steht diese Halle den Vereinen wie auch den Schülern derzeit aber noch nicht zur Verfügung. Selbst wenn der neue Bau dann endlich voll genutzt werden kann, reichen die Kapazitäten in der Stadt noch immer nicht.

Laut Vereinsbefragung gibt es bei den Hallen einen Mehrbedarf von 1222 Stunden pro Jahr. Umgerechnet bedeutet das: Jeden Tag fehlt für mehr als drei Stunden eine Halle. Hinzu kommen weitere 200 Stunden bei den Stadion- und Sportplatzzeiten. Denn auch bei den Fußballvereinen herrscht Platznot auf dem Rasen. Vor allem auch dem Kunstrasen. Wie Henn erklärt, gebe es deshalb begleitend zum Sportentwicklungskonzept auch einen eigenen Moderationsprozess zu den Sportplätzen.

Johannes Pütz, Leiter der Basketball-Abteilung des Turnvereins Bitburg, hätte sich einen solchen Moderationsprozess auch für die Turnhallen gewünscht. „Die Kapazitäten fehlen ohne Ende“, sagt Pütz. Und: „Wir haben als Verein das Problem, dass wir uns bei den Hallen auch noch mit unterschiedlichen Trägern abstimmen müssen.“ So sind beispielsweise die Hallen des St.-Willibrord-Gymnasiums und der Otto-Hahn-Realschule plus in Trägerschaft des Kreises, die Halle am Schulzentrum St. Matthias in Trägerschaft des Bistums, während die Halle der Grundschule Süd, die in absehbarer Zeit ebenfalls durch einen Neubau ersetzt werden soll, der Stadt gehört.

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