"Jetzt kann es losgehen" - Hotel am Park in Stadtkyll öffnet wieder

Stadtkyll · Der Stillstand ist bald beendet: Acht Jahre nach der Schließung infolge der bislang letzten Pleite geht das Hotel am Park in Stadtkyll wieder an den Start. Die ersten Zimmer sollen von Ende Juli an wieder Gäste beherbergen.

Der gesamte Komplex in Stadtkyll: links an der Auelstraße der Trakt mit Saal, Küche und Wirtshaus, in der Mitte das Hotel, rechts das ehemalige Freizeitbad Vulkamar. TV-Foto: Oskar Neubauer

Foto: Oskar_Neubauer (e_pruem )

Stadtkyll. Ein leichtes und gewiss vorsichtiges Aufatmen geht durch die Gemeinde: Es kommt wieder Leben in den größten touristischen Pleitebrocken der vergangenen Jahrzehnte an der Oberen Kyll. Erwin Spohr, der im Frühjahr das Heft im Hotel am Park übernahm (der TV berichtete), will Ende des Monats wieder den Betrieb eröffnen.
"Er hat mir gesagt, am Freitag, 31. Juli, empfägt er die ersten Gäste", sagt Diane Schmitz, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Obere Kyll. Das biete die Chance für mehr Touristen im Dorf, zumal das Hotel sehr nahe an der Zufahrt zum Kylltalradweg liege. "Das ist sehr gut für den Ort", sagt die Bürgermeisterin.Ein Komplex, drei Investoren


Zumal der Trakt mit dem ehemaligen Gasthaus "Destille" (später "Wirtshaus"), der darüber liegenden großen Hotelküche und dem Festsaal inzwischen von Fanco Sbarro gekauft wurde, der nebenan in der Auelstraße das Restaurant "La Sirena" betreibt. Statt dort als Pächter, tritt er nun als Eigentümer auf. Und wird, wie er gegenüber dem TV sagt, für Kauf und Renovierungen insgesamt 450 000 Euro investieren. Bis Sbarro aber die ersten Gäste bewirtschaften kann, wird noch ein wenig Zeit vergehen: Erst vergangene Woche seien alle Dokumente und Grundbucheintragungen bei ihm eingetroffen.
"Jetzt kann's losgehen", sagt Sbarro. Angefangen hat er bereits: Das Gasthaus ist leergeräumt und im Rohbauzustand, wie er sagt. Die Firmen, die den Umbau übernehmen, rücken in dieser Woche an. Drei Monate, schätzt Sbarro, werde es dauern, bis er das Gasthaus neu eröffnen könne. Und mit der Zeit kommen dann die Räume in der oberen Etage an die Reihe. Die frühere Hotelküche sei übrigens in einem besseren Zustand gewesen als befürchtet: "Das war nicht so schlimm, wie viele gesagt haben. Das kriegen wir gut hin." Vor Weihnachten soll dann auch dieser Gebäudeteil fertig sein - und Raum für Gemeindefeste, für private Feiern, für Theater und Konzerte bieten. Franco Sbarro ist optimistisch: "Das ist ein tolles Objekt für Stadtkyll."
Den anderen, größeren Teil des tollen Objekts hat Erwin Spohr übernommen - und dort ebenfalls investiert. Wieviel, sagt er nicht, zumal auch die anderen Eigentümer der 93 Appartments daran beteiligt gewesen seien. Inzwischen sind die Hotelräume hergerichtet, außen sitzt neue Farbe an den Fassaden. "Der Aufwand war nicht so riesengroß"; sagt Spohr. Das habe zwei Gründe: Erstens hätten die Eigentümer bislang jedes Jahr 30 000 Euro in die Pflege des Hauses gesteckt - und zweitens habe er mit seinen Mitarbeitern aus der Birgeler Mühle jede Menge Eigenleistung erbracht.
Auch den Kauf der Appartments will Spohr nicht in einem Schritt bewältigen: Das könne er auch gar nicht, sagt er. Stattdessen sei eine Zahlung in drei jährlichen Raten vereinbart: "Weil ich das Geld, das die Zimmer kosten, erwirtschaften möchte." Am Ende werde er, sofern das klappt, Eigentümer von 82 Appartments sein - mit Ausnahme der restlichen zehn, deren Eigentümer bekanntlich nicht verkaufen wollen. Und wenn er die Raten nicht zahlen könne, "dann geht das Eigentum zurück". Spohr und die neue Hoteldirektorin Stefanie Müller haben sich vorgenommen, das Haus "wieder hochzubringen", das allerdings erst allmählich: Denn für einen Eintrag in die aktuellen Ferienkataloge war es zu spät. Also vermarkte man derzeit direkt an bekannte Reiseunternehmer, die man zum Teil auch als Kundschaft aus der Birgeler Mühle kenne. Auch Überkapazitäten in Birgel will Spohr über das Hotel abbauen. "Richtig loslegen werden wir dann im nächsten Jahr an Ostern."Vulkamar-Zukunft offen


Ein weiteres Vorhaben: Spohr will in der obersten Hoteletage seniorengerechte Zimmer bauen. Denn er sei der Überzeugung, "dass ein reines Hotel mit 93 Zimmern in Stadtkyll nicht überleben kann".
Bleibt noch die Frage, was sich direkt nebenan, im ehemaligen Freizeitbad Vulkamar tut: Bauunternehmer Peter Backes hatte es, wie berichtet, im vorigen Jahr gekauft. "Ich würde mir wünschen, dass da eine Nutzung reinkäme, die dem Hotel und dem Restaurant dienlich ist", sagt Diane Schmitz. Zunächst war dort ein Supermarkt vorgesehen - das hat sich aber zerschlagen. Im Moment sei alles auf Eis gelegt, auch weil man im sommerlichen Baubetrieb stecke: "Wir kommen voraussichtlich erst im Winter dazu, uns neue Gedanken zu machen", sagt Michael Laumers aus der Backes-Zentrale in Stadtkyll.Meinung

Kann klappen
Erwin Spohr geht erst einmal mit gebremstem Schaum in seine Karriere als Stadtkyller Hotelier. Immerhin verspricht er nicht, wie andere, längst abgetauchte Investorenkandidaten und -darsteller, das Blaue vom Himmel. Und nebenan übernimmt Franco Sbarro - ein Gastronom, der im Dorf etabliert und beliebt ist. Das könnte also etwas werden, auch wenn es mit dem Gebäude des ehemaligen Freizeibads derzeit nicht weitergeht. Daumen drücken. f.linden@volksfreund.deExtra

Das Hotel am Park und das Freizeitbad Vulkamar: Im Jahr 1992 eröffnet, ging das Haus gleich drei Mal baden. Schon 1993 lief man finanziell auf Grund, der nächste Konkurs folgte 2005, der dritte 2007. Die Bauherrin, die Wuppertaler Centra-Hotelgesellschaft, hatte die Anlage durch den Verkauf der Appartments an private Investoren finanziert, obwohl sie schon beim Spatenstich pleite war. Nach dem ersten Konkurs blieb das Haus geöffnet, weil beauftragte Handwerker und die Apartment-Eigner, die auf Zahlungen aus dem Hotelbetrieb gehofft hatten, auf Geld verzichteten. Das Freizeitbad wurde eine Zeit lang von der Ortsgemeinde betrieben. Im Hotel gaben sich allerlei Betreiber, Direktoren und Berater die Klinke und manchmal leider auch die Kasse in die Hand. Insolvenzverwalter Oliver Brand aus Trier machte 2007 das Haus dicht und ließ 2008 das Inventar versteigern. Ein beabsichtigter Gesamtverkauf der Anlage kam nie zustande, am Ende stiegen dann die drei Investoren Franco Sbarro, Peter Backes und Erwin Spohr ein. fpl