Jetzt läuft es rund für die Nord-Ost-Tangente

Jetzt läuft es rund für die Nord-Ost-Tangente

Nach Jahrzehnten des Planens steht Bitburgs Verkehrsprojekt erstmals im Landesstraßenbau-Programm. Das erste Stück soll gebaut werden.

Und sie bewegt sich doch, die Sache mit der Nord-Ost-Tangente. Die große Umgehungsstraße, die Bitburgs Innenstadt nach Schätzung von Verkehrsexperten um 7000 und mehr Fahrzeuge am Tag entlasten soll, wird seit Jahrzehnten gefordert, geplant und umgeplant. Nach einem aufwendigen Verfahren gab es 2012 schließlich Baurecht. Doch ob die Trasse, die eine Verbindung von der B50 über die B257 und die L32 bis zur B51 schaffen soll jemals gebaut werden würde, stand in der Sternen. Das hat sich geändert.

Erstmals taucht das Projekt, dessen Gesamtkosten vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) Gerolstein auf grob elf Millionen Euro geschätzt werden, im Landesstraßenbau-Programm 2017/2018 auf. 100000 Euro sind darin für kommendes Jahr eingeplant - und noch mal 3,9 Millionen Euro für die Folgejahre. Das reicht nicht für die komplette Trasse, aber zumindest mal für das erste Teilstück von der B50, wo die Stadt in unerschütterlicher Hoffnung 2012 ja schon mal zwei Abfahrten für die Tangente an den damals neuen Kreisel bauen ließ. Diese Abfahrten, die seither nach wenigen Metern im Nirgendwo der Felder enden, werden nun tatsächlich gebraucht.

"In den Haushalt eingestellt wurden Mittel für das Teilstück von der B50 bis zur B257, weil dieser Abschnitt besonders geeignet ist, die Innenstadt vom Durchgangsverkehr zu entlasten", erklärt Susanne Keeding, Pressesprecherin des Verkehrsministeriums, warum man genau dort beginnt - und nicht etwa am anderen Ende, an der B51. Ob dann auch die folgenden Teilstücke gebaut werden, ist weiter offen. "Über weitere Mittel entscheidet der Landtag mit der Verabschiedung künftiger Haushalte", sagt Keeding. Immerhin: Dieses erste Teilstück soll aber nun gebaut werden - frühestens ab kommendem Jahr, wahrscheinlicher aber erst ab 2019.

Ein Meilenstein. Schließlich sah damals, als es Baurecht gab, keineswegs so aus, als ob jemals auch gebaut werden würde. Im Gegenteil: Das Baurecht drohte wegen Jahren des Stillstands zu verfallen. Diese Gefahr war behoben, als vergangenes Jahr das Flurbereinigungsverfahren begonnen wurde. Dabei werden die Flächen für die gut drei Kilometer lange Trasse gesichert und die Eigentümer an anderer Stelle entschädigt. Mit knapp 100 Grundstückseigentümern steht das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Eifel in Verhandlung. Erste Informationsveranstaltungen gab es Ende 2016. Das Verfahren kann sich bis drei bis vier Jahre ziehen - anfangen dürfte das Land aber auch bereits vor Abschluss. Und noch nie war in der unendlichen Geschichte dieser Straße ein Baubeginn so greifbar.

Generationen von Bürgermeistern hat das Thema beschäftigt. Horst Büttner hatte seinerzeit ein Schreiben vom damaligen Staatssekretär Franz-Peter Basten gerahmt in seinem Amtszimmer hängen. 1990 hatte Basten schriftlich zugesichert: "Das Land ist bereit, den Nord-Ost-Ring als Landesstraße zu bauen." Seitdem ist viel Wasser die Kyll runtergeflossen - aber die Tangente, in deren Planung und Grunderwerb die Stadt über die Jahrzehnte etwa eine Million Euro investiert hat, blieb, was sie seit den 50er Jahren war: eine Idee. Keine Frage, dass Bürgermeister Joachim Kandels, großer Befürworter der Umgehung, sich freut: "Es ist die richtige Konsequenz, wenn das Land nun Mittel bereitstellt. Diese Entwicklung entspricht auch einer Resolution des Stadtrats, der eine zügige Umsetzung gefordert hat." Zügig lief es zwar nicht, aber ein Anfang ist gemacht.

Kommentar Na, endlich!

Eine wachsende Stadt wie Bitburg braucht auch ein Verkehrsnetz, was mit der Entwicklung Schritt hält. Schon heute wird es zu Stoßzeiten an einigen Stellen eng. Kann der Durchgangsverkehr aus der Innenstadt rausgehalten werden, ergeben sich neue Möglichkeiten, diese attraktiver zu gestalten. Vielleicht wird dann irgendwann auch ein Innenstadtring wieder zum Thema: weniger Ampeln, mehr Grün, mehr Stadtleben.
d.schommer@volksfreund.de