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Jetzt sollen andere Orte unter die Lupe

Jetzt sollen andere Orte unter die Lupe

Acht Orte aus dem Eifelkreis haben in den vergangenen zwei Jahren am Pilotprojekt "Zukunfts-Check Dorf" teilgenommen. Nachdem im März die Ergebnisse dieser Modellphase präsentiert wurden (der TV berichtete), will der Kreis nun mit Unterstützung des Landes weiteren 100 Gemeinden dabei helfen, sich gezielt und kostengünstig mit der eigenen Entwicklung auseinanderzusetzen.

Bitburg. Rund 200 Gemeinden des Eifelkreises verfügen über so genannte Dorfentwicklungskonzepte. Diese Entwürfe, die irgendwann in der Vergangenheit von Planern erstellt wurden, dienen dazu, den Gemeinden den jeweiligen Zustand zu zeigen, um dann darauf aufbauend Handlungsempfehlungen für die Zukunft abzuleiten.
Abgesehen davon, wie unterschiedlich die Gemeinden mit diesen Empfehlungen umgehen, sind viele dieser Konzepte inzwischen völlig veraltet. Zudem wurden seinerzeit demografische Faktoren wie Landflucht oder Überalterung kaum oder gar nicht berücksichtigt. Ein Großteil der Entwürfe müsste also erneuert werden. Und das ist teuer. Laut Kreisverwaltung ist bei der Fortschreibung eines Konzepts mit Kosten von rund 15 000 Euro zu rechnen. Selbst wenn also nur 100 Gemeinden ihre Konzepte fortschreiben ließen, ergäbe sich daraus eine Summe von 1,5 Millionen Euro.
Hilfe zur Selbsthilfe


Angesichts der schlechten Haushaltslage vieler Gemeinden hat sich der Kreis deshalb für einen anderen Weg entschieden und vor gut zwei Jahren das landesweit einmalige Pilotprojekt "Zukunfts-Check Dorf" ins Leben gerufen. Fachlich begleitet von einem Planungsbüro und der Verwaltung haben acht Gemeinden aus dem Kreisgebiet (Arzfeld, Bitburg-Erdorf, Ehlenz, Ernzen, Feuerscheid, Gransdorf, Orenhofen und Utscheid) die Stärken und Schwächen ihrer Gemeinde selbst analysiert und daraus Handlungsempfehlungen erarbeitet.
Schwerpunkte waren dabei Themen wie Nachhaltigkeit, Mobilität, Bürgerbeteiligung, Daseinsvorsorge, soziale, wirtschaftliche und kommunale Partnerschaften, aber auch die Innenentwicklung und ein gezieltes Flächenmanagement (siehe Extra).
Die Resonanz der Modellgemeinden war durchweg positiv. Und auch Landrat Joachim Streit zeigt sich sehr zufrieden. "Wir haben festgestellt, dass die Idee der Hilfe zur Selbsthilfe Früchte trägt und dass durch die aktive Mitwirkung der Ratsmitglieder, der Bürger und privater Institutionen die gesteckten Ziele erreicht werden können", sagt Streit und verweist auf die rund 400 Kommunalpolitiker, die in der Bitburger Stadthalle an der Abschlusspräsentation der Modellphase teilgenommen haben.
Das war vor acht Monaten. Nun arbeitet der Kreis daran, auch die übrigen Gemeinden vom Nutzen eines solchen Dorfchecks zu überzeugen. Zahlreiche Orte aus allen Verbandsgemeinden haben bereits ihr Interesse bekundet. Weshalb der Kreis zwischenzeitlich beim rheinland-pfälzischen Innenministerium einen Förderantrag eingereicht hat, um so weitere 100 Gemeinden beim Zukunfts-Check Dorf zu unterstützen. Sollte das Land seine Förderung zusagen, will der Kreis dann im nächsten Schritt in den Verbandsgemeinden Einführungsveranstaltungen für die Vertreter der Ortsgemeinden anbieten.
Edgar Kiewel, Dorferneuerungsbeauftragter des Eifelkreises, ist davon überzeugt, dass sich für die kommende Förderphase ausreichend Teilnehmer finden. Zum einen, weil das Interesse der Gemeinden sehr hoch, zum anderen, weil die damit verbundenen Kosten für die Gemeinden sehr niedrig seien, erklärt er.
So geht der Kreis davon aus, dass der finanzielle Anteil der Gemeinden jeweils bei lediglich 1000 bis 1500 Euro liegen wird. Demgegenüber würde die konventionelle Fortschreibung des Dorfentwicklungskonzepts über ein von der Gemeinde beauftragtes Büro gut das Zehnfache kosten.Extra

Innenentwicklung: Während sich in der Vergangenheit aufgrund neuer Baugebiete das Wohnen in vielen Orten immer weiter nach außen verlagert hat, kam es in den Ortskernen oft zum Ausbluten. Das Land und der Kreis bemühen sich deshalb seit Jahren um eine gezielte Innenentwicklung. Unterstützen soll dabei auch das vor einigen Jahren eingeführte digitale Gebäude- und Flächenkataster "Raum+", bei dem im engen Dialog mit den Kommunen sämtliche Flächenreserven innerhalb einer Ortslage erfasst werden. Daraus lässt sich dann ableiten, wo in der Ortslage möglicherweise noch Grundstückspotenziale sind. Da die Erfassung für Raum+ allerdings systematisch und standardisiert erfolgt, wird beispielsweise nicht berücksichtigt, dass ein Grundstück aufgrund seiner Hanglage möglicherweise unbebaubar ist oder aber, ob der Eigentümer überhaupt gewillt ist, es zu verkaufen. Ziel des Zukunfts-Checks Dorf ist es unter anderem, diese Datengrundlage zu nutzen, um den Teilnehmern innerörtliche Entwicklungsmöglichkeiten zu zeigen. Gleichzeitig soll das digitale Kataster mit Hilfe der Gemeinden den tatsächlichen Gegebenheiten angepasst werden. uhe