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Jetzt wird es ganz finster!

Jetzt wird es ganz finster!

Jetzt beginnt die finstere Zeit. Das gilt nicht nur, weil die Uhren umgestellt werden, und es bei den Arbeitszeiten einer Tageszeitungsredaktion weniger relevant ist, wie hell es um 7 Uhr morgens ist.

Mich interessiert die Helligkeit um 7 Uhr abends viel mehr. Der für mich finsterste Tag ist auch nicht der 21. Dezember, an dem bekanntlich die Nacht am längsten währt, sondern der 31. Oktober. Dieser Tag ist schrecklich, weil inzwischen die gefühlte Mehrheit der Menschen beim vermutlich stärkst kommerzialisierten Ereignis, das es gibt, irgendwie mitmacht. Ja, ich spreche von der karnevalsartigen Veranstaltung im Herbst, bei der viele sich lächerlich unlustig und nullgruselig verkleiden und Partys besuchen, wo es orange gefärbte Getränke und Kürbissuppe gibt. Kurz: Halloween mag ich nicht! Um es klar zu stellen: Ich spreche hier nicht von Kindern, die sollen sich gern täglich verkleiden und albern feiern. Ich meine Erwachsene, deren Bedürfnis nach "verkleidetem Feiern" offenbar stetig wächst, wie die vielen Oktoberfeste belegen. Zugleich scheint das Budget für minderwertige, aber teure Verkleidung schier unerschöpflich zu sein. Das Überraschende an meiner Abneigung gegenüber diesem "Fest" ist, dass sie über die Zeit nicht weniger stark wird. Sie nutzt sich nicht ab, und mir schwillt jedes Jahr aufs Neue der Kamm angesichts dieses sich seit etwa 20 Jahren verbreitenden Pseudo-Brauchtums. In diesem Jahr ist es doppelt bitter: Denn durch das Reformationsjubiläum ist der 31. Oktober ein arbeitsfreier Feiertag. Man spürt also förmlich, dass dieser Tag tatsächlich etwas Besonderes sein sollte. Aber eben kein kitschiger Kürbis-Grusel-Tag, sondern der Reformationstag. Manchmal versuche ich mir vorzustellen, wie groß das Geschrei wohl wäre, wenn Halloween am 1. November - also am katholischen Allerheiligen-Feiertag - gefeiert werden würde. Klartext