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Job, Haushalt und Kind unter einem Hut

Job, Haushalt und Kind unter einem Hut

Frei nach dem Motto "Hilfe zur Selbsthilfe leisten" läuft seit Juni das Projekt zur Integration Alleinerziehender in den Arbeitsmarkt (Pia). Ein Konzept, das nicht nur viel verspricht, sondern trotz erst kurzer Laufzeit schon Erfolge aufweist.

Bitburg. "Hier wird endlich mal der ganze Mensch mit all seiner Individualität gesehen. Es zählt nicht nur, ob du Arbeit hast oder nicht", sagt die Alleinerziehende Silvia Olk aus Dudeldorf, Mutter eines 14-jährigen Sohns und einer neunjährigen Tochter. Sie ist eine von 21 Teilnehmern des seit Juni existierenden Projekts zur Integration Alleinerziehender in den Arbeitsmarkt (Pia) von Alibi. Ein von der Arbeitsgemeinschaft der Agentur für Arbeit Trier und des Eifelkreises Bitburg-Prüm (Arge) finanziertes Projekt, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Alleinerziehende, die hohen Anforderungen der Alltagsorganisation, der Haushaltsführung, Kindererziehung und der Sicherung des finanziellen Einkommens ausgesetzt sind, individuell zu unterstützen.

Silvia Olk hätte gerne eine Halbtagsstelle, damit sie aus dem Leistungsbezug raus kommt. Durch ihre unregelmäßigen Arbeitszeiten hatte sie außerdem Probleme bei der Kinderbetreuung. "Finden sie mal jemanden, der nachts oder an Feiertagen auf ihre Kinder aufpasst", klagt Olk. Die Sozialpädagogen Hanna Schlossarek und Anne Feiden-Saxler stehen den Teilnehmern als Betreuer mit Rat und Tat zur Seite: Sei es mit Hilfe bei der Bewerbung oder bei der Suche nach einem Auto.

Darüber hinaus werden Fälle, an die anfangs gar nicht gedacht wurde, wie die Suche nach einer geeigneten Wohnung oder das Coaching von Betrieben zur sinnvollen Integration Alleinerziehender, von den Betreuern gemanagt. So wurde auch Silvia Olk bei der Organisation einer geeigneten Kinderbetreuung erfolgreich geholfen.

Die alleinerziehende Mutter Nina (Name von der Redaktion geändert) profitierte ebenfalls bereits von Pia: "Bei mir war es problematisch, eine Betreuung für meine beiden Söhne zu finden. Ein Auto ist aus finanzieller Sicht nicht drin. Da war es schwierig, Arbeit zu finden." Seit zwei Wochen mache sie jetzt jedoch in ihrem Wohnort ein Praktikum als Nagelpflegedesignerin und hoffe darauf, übernommen zu werden. "Ohne die Hilfe meiner Betreuerin Hanna Schlossarek, die mir bei Dingen wie Bewerbung und Organisation der Kinderbetreuung half, hätte ich dies nicht geschafft", sagt sie.

Neben der aufsuchenden Tätigkeit, sprich die Betreuer kommen zu den Teilnehmern nach Hause und helfen bei Problemen, gibt es regelmäßige Gruppentreffen. "Man lernt andere Leute kennen und kann sich mit ihnen austauschen. Vor allem die gegenseitige Hilfe ist toll", sagt Nina. Das Konzept, welches vollkommen auf Freiwilligkeit beruht und von einem großen Netzwerk mit anderen Institutionen wie der Arbeitsvermittlung profitiert, scheint aufzugehen.

"Noch ist keiner abgesprungen, und wir hätten so viele Erfolge in solch kurzer Zeit nicht erwartet", sagt Carl Diederich, Geschäftsführer der Arge. Die Zusammenarbeit klappe hervorragend und man erlebe großes Engagement bei der Umsetzung freut sich auch die Betreuerin Feiden-Saxler. "Ich kann das Projekt nur jedem empfehlen. Mir wurde dadurch sehr geholfen", sagt die Teilnehmerin Silvia Olk. EXtra Das Projekt zur Integration Alleinerziehender in den Arbeitsmarkt (Pia) ist ein langfristiges und besteht aus mehreren Phasen, die aufeinander aufbauen, wobei eine Nachbetreuung möglich ist. Zielgruppen sind alleinerziehende Männer und Frauen, die im SGB II-Bezug stehen. Alles basiert auf dem Prinzip der Freiwilligkeit, das heißt, bei einem Ausstieg ist nicht mit Sanktionen wie Leistungskürzungen zu rechnen. Besonders ist, dass die Betreuer einen hohen sozialpädagogischen Anteil leisten und die Teilnehmer auch zu Hause aufsuchen, um im vertrauten Umfeld eine persönliche Strategie, unter Einbeziehung des Lebensumfelds, zu erstellen. Ängste und Hürden sollen beseitigt werden, um dann mit Praktika, Ausbildungen oder einer Arbeit zu beginnen. Finanziert wird das Projekt von der Arge.