Jobs stehen auf der Kippe

OBERWEILER. Noch bis Ende Mai ist die Firma Awu zuständig für die Abfuhr des Restmülls im Kreis und macht damit Gewinn. Ab Juni darf Awu nicht mehr fahren, da der Betrieb nach Ansicht der CDU im Kreistag nicht kostendeckend arbeiten kann. Konsequenz: Wenn nicht neue Aufträge kommen, müssen Mitarbeiter gehen.

Peter Morschett ist immer noch sauer, wenn er an die Vergabe der Restmüllabfuhr im Kreis Bitburg-Prüm denkt. Obwohl sein im sächsischem Chemnitz beheimateter Betrieb Ced dem Kreis das günstigste Angebot gemacht hat, entschied sich letztendlich die CDU-Fraktion im Alleingang und dank absoluter Mehrheit für den teureren Mitbewerber RWE Umwelt. Rund 500 000 Euro jährlich weniger vom Kreis und damit von den Bürgern wollte die Ced haben als Mitbewerber RWE-Umwelt. Doch dies war der Kreistagsmehrheit zu billig. Denn die zweifelte daran, dass das Gebot der Chemnitzer auskömmlich ist. Diese Nichtauskömmlichkeit hätte bedeutet, dass die Firma auf Dauer so große Verluste einfährt, dass sie irgendwann den Gang zum Insolvenzrichter antreten muss. "Wir haben in den vergangenen Monaten bewiesen, dass wir auskömmlich arbeiten", sagt Morschett, Geschäftsführer der Ced-Holding, zu der die Awu seit September gehört. Dies betätigt auch Steuerberater Bernd Kastler. Er kündigt an, dass der Jahresabschluss des Unternehmens der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde. Dies geschehe auch deshalb, damit jedermann sich davon überzeugen könne, dass die Müllabfuhr auch für weniger Geld wirtschaftlich zu betreiben sei. Derzeit ist die Awu mit vier Hausmüll-Fahrzeugen unterwegs, um den Wohlstandsmüll der Bitburg-Prümer zur Deponie nach Plütscheid zu kutschieren, berichtet Awu-Geschäftsführerin Irene Weis. Mehr Fahrzeuge benötige das Unternehmen nach dem 1. Juni auch nicht, wenn der Restmüll zur Trockenstabilat-Anlage nach Mertesdorf bei Trier gefahren werden soll. Morschett könnte sich beispielsweise vorstellen, dass der Hausmüll komprimiert und in Transport-LKW fortgeschafft werden könnte. Die dadurch entstehenden Mehrkosten ließen sich leicht auffangen. Schließlich zahle der Kreis derzeit jährlich rund 800 000 Euro. Das Angebot der Awu ab Juni habe sich dagegen auf 1,05 Millionen Euro belaufen. Die Mehrkosten für den weiteren Transport seien nach Aussagen von Peter Morschett damit mehr als ausgleichbar. Diese Erkenntnis wird sicher auch RWE-Umwelt Aufkäufer Rethmann Entsorgungs AG & Co. KG freuen. Der inzwischen als Remondis AG & Co. KG firmierende Müll-Multi bekommt für seine Dienste jährlich rund 1,5 Millionen Euro. Dies bedeutet nach Aussagen von Experten aus der Branche einen garantierten Gewinn von etwas mehr als 550 000 Euro jährlich. Bei der Awu verlieren im Gegenzug Menschen ihre Arbeit. "Wir haben derzeit 40 Voll- und Teilzeitbeschäftigte", sagt Weis. Wenn es ab Juni keine neuen Aufträge gebe, müsse man die Zahl der Mitarbeiter reduzieren, die teilweise Zeitverträge hätten, sagt die Awu-Geschäfstführerin. Das vorläufige Aus für die blauen Müllwagen aus Oberweiler im Kreis Bitburg-Prüm hat übrigens nichts mit der Qualität der Müllabfuhr zu tun. Dies bestätigt auch die Kreisverwaltung. "Es gibt keine signifikanten Probleme", sagt Kreis-Pressesprecher Rudolf Müller. Abgesehen von Anfangsproblemen ist man im Kreis Daun ebenfalls zufrieden mit der Arbeit der Ced-Eifelland-Entsorgung, die ebenfalls zur Ced-Holding gehört und von der Awu in Oberweiler gesteuert wird. Im Nachbarkreis übernimmt die Ced die Restmüllabfuhr bis zum Jahr 2013. Und das, obwohl - oder vielleicht eher weil - sie im Vergabeverfahren das günstigste Gebot abgegeben hatte.