Jüdisches Mahnmal beschädigt

Jüdisches Mahnmal beschädigt

Unbekannte haben einen Anschlag auf das jüdische Mahnmal in Blumenthal (Kreis Euskirchen) verübt. Das vom Arbeitskreis Juden im Tal, Hellenthal, (Judit.H) initiierte Denkmal musste bereits 2009 repariert werden. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.

Blumenthal/Hellenthal. "Es gibt keine Anhaltspunkte für eine politisch motivierte Tat", teilte die Polizei zum Anschlag auf das jüdische Mahnmal in Blumenthal mit. Das Denkmal in der Alten Schulstraße, das am ehemaligen Standort der Synagoge an deren Zerstörung durch die Nationalsozialisten erinnert, ist in der letzten Woche von Unbekannten beschädigt worden. Die zwei Glasscheiben des Denkmals weisen in etwa zwei Metern Höhe einen Einschlag auf, wodurch die Scheiben rissen. "Vor dem Denkmal lag ein Stein, den Unbekannte vermutlich gegen die Scheiben geworfen hatten", so die Polizei. Der Staatsschutz nahm erneut die Ermittlungen auf. Bereits im Mai 2009 ging die Scheibe des vom Arbeitskreis Judit.H (Juden im Tal, Hellenthal) initiierten Mahnmals zu Bruch. Damals wurde nicht ganz klar, ob es sich um einen Materialfehler oder eine Sachbeschädigung handelte.

Der Hellenthaler Maler Conrad Franz, Mitglied von Judit.H, sah sich vor Ort um. Er vermutete, dass möglicherweise auf das Denkmal geschossen worden sein könnte. Dies ist aber offenbar nicht der Fall. Denn Hauptkommissar Rainer Frantzen fand vor Ort jedenfalls kein Projektil. Polizei und Staatsschutz informierten Bürgermeister Rudolf Westerburg darüber, dass es keinen Projektileinschlag gegeben habe.

"Mit Entsetzen und großer Traurigkeit müssen wir die erneute Beschädigung des Synagogen-Mahnmals zur Kenntnis nehmen", schreibt Karl Reger für den Arbeitskreis Judit.H. Aber die "Beschädigung verstärkt nur die Wirkung der Mahnung". Judit.H lasse sich nicht zu einer voreiligen Bewertung der traurigen und enttäuschenden Tatsache provozieren. Man vertraue auf die offiziellen Ermittlungen und hoffe, dass der Staatsschutz anhand der Beschädigungen entsprechende Rückschlüsse ziehen könne.

Judit.H, so Karl Reger, werde sich an Spekulationen selbst dann nicht beteiligen, wenn das Mahnmal regelmäßig heimgesucht werden sollte. Die Reparatur des Mahnmals im Jahr 2009 sei mit einer kostspieligen "Nachrüstung" einhergegangen. "Das Sicherheitsglas ist erheblich verstärkt und durch Fachunternehmen montiert worden. Dank der Spendenbereitschaft der örtlichen Geldinstitute, des Verkehrs- und Gewerbevereins der Gemeinde und einiger privater Gönner war der materielle Schaden dennoch leicht zu beheben", so Reger.

"Das Synagogen-Mahnmal entspricht gewiss nicht jedermanns Geschmack und ästhetischem Kunstverständnis", so Karl Reger weiter. "Auch dessen Installation an einer wüsten, wenn auch historischen Stelle stört. Doch deshalb wird es bestimmt nicht gleich beschädigt." Bekannt seien laut Reger auch "geistige Brandstifter in der Region", denen "aufrechte Werteverteidiger" nur allzu gern zur Hand gingen. Dass auch in der Eifel politisch rechtsradikal orientierte Bürger lebten, verschweige man in der Öffentlichkeit beschämt. "Doch ob diese sich zu Anschlägen hinreißen lassen, um regelmäßig an die verbrecherischen Ereignisse im oberen Oleftal während der Nazi-Terrorherrschaft zu erinnern?", fragt Reger. "Damit hätte das Mahnmal allerdings seinen Sinn voll erfüllt."

"Ich bin noch ziemlich sprachlos", sagt der evangelische Pfarrer Oliver Joswig. "Ich frage mich, was geht da in den Köpfen vor, die sich so präsentieren müssen? Ich weiß auch nicht, wie man da weiter vorgehen wird." Er hoffe darauf, dass sich Erkenntnisse ergeben, durch die der Täter gefasst werde. "Das ist eine Spirale, von der man nicht weiß, wann sie aufhört."

"Wenn ich an Blumenthal denke, denke ich eher positiv", sagte der katholische Pfarrer Philipp Cuck. Er glaubt nicht an eine gezielte Aktion: "Dann kommen immer Bekennerschreiben." Man müsse diesem Vorfall Positives entgegensetzen, unter anderem die Arbeit von Judit.H und anderer Einrichtungen in der Eifel, die sich um eine ehrliche Geschichtsaufarbeitung bemühten.

"Ich habe das mit großer Verärgerung aufgenommen", sagte Bürgermeister Rudolf Westerburg zur Beschädigung des Mahnmals, weil letztlich der Ort Blumenthal und die Gemeinde mit der rechtsradikalen Szene in Verbindung gebracht würden. Das hätten sie nicht verdient. Es sei schon schlimm genug, wenn sich Menschen an Gegenständen vergriffen. Wenn es sich dabei aber um Mahnmale handele, sei es doppelt schlimm. Es sei schade, dass die Arbeit ehrenamtlich Tätiger, die sich mit der Aufarbeitung der Geschichte des Oleftals beschäftigten, in den Dreck gezogen werde. Judit.H leiste eine Arbeit, die von vielen positiv aufgenommen werde. "Das macht einen böse, aber auch hilflos."

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