Jugendhilfe Eifel rutscht tief in die Krise: Amtsgericht Bitburg stellt Daleidener Stammsitz unter Insolvenzverwaltung

Jugendhilfe Eifel rutscht tief in die Krise: Amtsgericht Bitburg stellt Daleidener Stammsitz unter Insolvenzverwaltung

Erst nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Misshandlungsvorwürfen auf, nun folgt die nächste Krise: Das Amtsgericht Bitburg hat ein Insolvenzverfahren über die Jugendhilfe Eifel gGmbH eingeleitet.

Noch im März 2015 sah alles gut aus: Stolz gingen die beiden Gründer der Jugendhilfe Eifel, das Ehepaar Sandra und Alexander Mayer, mit Expansionsplänen an die Öffentlichkeit - drei Jahre nach dem Start der als gemeinnützig anerkannten GmbH.

Bald darauf war es mit den guten Nachrichten vorbei: Zuerst wurden Misshandlungsvorwürfe gegen Mitarbeiter laut, die Staatsanwaltschaft Trier nahm im Mai 2015 die Ermittlungen auf. Dann folgte vor wenigen Monaten der erste Prozess (der TV berichtete): Zwar endete er mit einem Freispruch, drei weitere Angestellte müssen sich aber noch vor dem Amtsgericht Prüm verantworten (siehe Extra).

Jetzt folgt die nächste Hiobsbotschaft: Das Amtsgericht Bitburg hat ein Insolvenzverfahren eingeleitet. Die Jugendhilfe Eifel steht nun unter der Führung der Rechtswanwaltskanzlei von Thomas Schmidt in Trier.

Oberstes Ziel sei zunächst, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten, sagt Guido Joswig, Pressesprecher der Kanzlei. Erste Gespräche mit dem Landesamt für Jugend und Soziales, den beteiligten Jugendämtern und den Banken geführt worden. "Es gilt jetzt auch, die Zukunft der Angestellten zu sichern".

Die Jugendhilfe Eifel zähle aktuell 44 Mitarbeiter an 13 Standorten. "Hinzu kommen noch die Mitglieder der kaufmännischen Geschäftsführung sowie die pädagogischen Leiter, die am luxemburgischen Standort der Muttergesellschaft arbeiten." Der nach Obereisenbach ausgelagerte Verwaltungssitz "Jugendhilfe Eifel Luxembourg S.à r.l." sei nicht vom Insolvenzverfahren betroffen, sagt Joswig.

Über die konkreten Gründe für die Schieflage des Hauses könne er nicht sprechen: "Dafür ist es einfach noch deutlich zu früh", sagt Joswig am ersten Werktag nach Bekanntgabe der jüngsten Entwicklungen.

Nicht alle Mitarbeiter teilen diese Zurückhaltung: Sie wendeten sich an den TV mit der Bitte, ihren Namen nicht zu nennen und geben an, dass seit dem Sommer nicht alle Gehälter ausgezahlt worden seien. Joswig bestätigt: "Es gab sicherlich Schwierigkeiten mit Auszahlungen, genau deswegen stehen wir als Insolvenzverwalter ja in engen Gesprächen mit den Banken, damit hier Probleme schnell gelöst werden können."

Vertrauen zurückgewinnen

In einer Betriebsversammlung wiesen Mitarbeiter die Trierer Juristen auf weitere Ungereimtheiten bei manchen Zahlungsabläufen hin: "Einige Vorwürfe wurden geäußert, die wir nun aber genau prüfen müssen", sagt Joswig.

Das Insolvenzverwaltungsteam sei ausdrücklich darum bemüht, wieder Vertrauen aufzubauen, sowohl bei den Kunden als auch bei den Mitarbeitern: "Man darf nicht vergessen, wenn alles zusammenklappt, stehen die Kinder und Jugendlichen auch erstmal auf der Straße." Rund 40 Zöglinge werden laut Joswig derzeit von der Jugendhilfe Eifel in Daleiden betreut.

Sein Fazit nach der Betriebsversammlung: "Die Situation ist alles andere als schön. Wir haben aber den Eindruck, dass die Mitarbeiter mit uns mitgehen, sie sicherten uns ihre Unterstützung zu." Das Wichtigste sei jetzt "die Sicherung der weiteren Betreuung der Kinder und Jugendlichen", sagt Guido Joswig. "Es geht darum, eine nachhaltige Lösung zu finden, bei der die Standorte und die Arbeitsplätze erhalten bleiben."
Extra


Die Staatsanwaltschaft hat gegen sechs Mitarbeiter der Jugendhilfe ermittelt. Die Vorwürfe unter anderem: Nötigung und Körperverletzung. Vier Personen wurden angeklagt. Eine 39-Jährige wurde im September freigesprochen. Am Dienstag, 25. Oktober, beginnt im Amtsgericht Prüm der Prozess gegen einen 52-Jährigen. Er muss sich wegen des Vorwurfs der Körperverletzung eines 13 Jahre alten Jungen verantworten.Meinung

Fritz-Peter Linden
Katastrophal
Die nächsten Prozesse gegen Mitarbeiter stehen an, und mitten in diese ohnehin schon schwierige Situation knallt jetzt auch noch die Nachricht von der Insolvenz. Die Jugendhilfe Eifel scheint ein Trümmerhaufen. Niemand darf vorverurteilt werden. Eines aber steht jetzt bereits fest - egal, was die anstehenden Verfahren bringen: Das Ganze ist für die Kinder und Jugendlichen eine Katastrophe.
f.linden@volksfreund.de

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