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Jugendkriminalität ist in den vergangenen 25 Jahren zurückgegangen.

Kostenpflichtiger Inhalt: Experte berichtet : So hat sich die Jugendkriminalität im Eifelkreis entwickelt

Der Diplom-Sozialarbeiter Hans-Werner Nehren hat die Entwicklung der Jugendkriminalität im Eifelkreis über einen langen Zeitraum untersucht. Das Ergebnis, das der Jugendgerichtshelfer vorstellt, macht Hoffnung.

Hans-Werner Nehren kann sich ein Urteil erlauben, wenn es um Jugend und Kriminalität geht. Der Diplom-Sozialarbeiter (FH) ist in der Regel bei jedem Strafverfahren gegen Jugendliche ab 14 Jahren und Heranwachsende bis 21 Jahren als Jugendgerichtshelfer einer der Prozessbeteiligten in der Verhandlung. Er gibt eine soziale und pädagogische Prognose der jungen Angeklagten ab, an der sich das Gericht orientiert, das schließlich über das weitere Schicksal entscheidet. Nehren kümmert sich auch – wenn das nötig ist – um die Unterbringung von Jugendlichen, manche besucht er im Gefängnis, oder er organisiert die Bewährungshilfe bei freien Trägern oder Frühinterventionskurse und Gruppenangebote. Auch in der Präventionsarbeit in Schulen war Nehren aktiv, hat Schülern seine Arbeit erklärt und die Konsequenzen von jugendlichen Fehltritten erläutert. Doch die Besuche hat er aus gesundheitlichen Gründen eingestellt.

Der Jugendgerichtspfleger, der beim Jugendamt der Kreisverwaltung angesiedelt ist, ist dort selten anzutreffen. Er ist viel im Außendienst tätig, das liegt in der Natur seiner Aufgaben. Und diese Aufgaben sind für den 52-Jährigen nicht nur Arbeit, sondern Hobby zugleich, wie der gebürtige Moselaner beim TV-Gespräch in seinem Haus in Kordel sagt.

„Das Schöne an meiner Arbeit ist, dass ich neue Lebensbiographien kennenlerne, das ist sehr spannend“, sagt Nehren. Er freut sich darüber, dass die Bedeutung der Jugendgerichtshilfe zugenommen hat. Nehren ist seit 25 Jahren quasi das Gesicht der Jugendgerichtshilfe im Eifelkreis.

Hans-Werner Nehren erläutert im TV-Gespräch seine empirische Untersuchung der Jugendkriminalität im Eifelkreis. Foto: TV/Maria Adrian

Und dieser lange Zeitraum ermöglicht ihm eben einen Blick auf die Entwicklung der Jugendkriminalität, die er auch empirisch untersucht hat. „Ich bin kein Wissenschaftler“, betont Nehren. Aber er hat die Unterlagen, er hat die Zahlen, die er statistisch aufgearbeitet hat. Er weiß, was im Kreis los ist. Zudem sei er gut vernetzt, und die Zusammenarbeit mit der Justiz und den Richtern in Bitburg und Prüm sei sehr vertrauensvoll.

Eine erste empirische Untersuchung Nehrens zur Jugendkriminalität im ländlichen Raum ( Eifelkreis Bitburg-Prüm) hat den Zeitraum von 1995 bis 2009 abgedeckt. Die zweite Untersuchung, die er jetzt vorgelegt hat, betrachtet den Zeitraum von 1995 bis 2019. Und da gibt es eine gute Nachricht, die Hoffnung macht: Die Jugendkriminalität im Eifelkreis ist über einen Zeitraum von 25 Jahren deutlich zurückgegangen. Wurden zwischenzeitlich mehr als 400 abgeschlossene Jugendstrafverfahren jährlich registriert, waren es in 2019 noch 216. Das ist in der Studie zu lesen.

„Die meisten straffällig gewordenen Jugendlichen und Heranwachsenden  bekommen irgendwann die Kurve“, sagt der 52-Jährige. Fehltritte gehörten zum Erwachsenenwerden dazu.

Dennoch dürfe man bei allem Verständnis nicht zu locker sein. „Man muss authentisch sein und Klartext reden, klarmachen, welche Konsequenzen die Vergehen haben können“, sagt Nehren. Dennoch stünde der Erziehungsgedanke immer im Vordergrund. Und der  Vater zweier erwachsener Kinder betont: „Die Jugend von heute ist nicht schlimmer als die Jugend von früher.“

Nehren hat bei seiner Arbeit auch schon mit schweren Fällen zu tun gehabt wie mit Brudermord, Banküberfällen oder schweren Sexualstraftaten, wie er erzählt. Aber auch die schweren Fälle seien rückläufig. „Das mag in anderen Regionen anders sein, aber hier im Eifelkreis ist das so“, sagt Nehren.

Die positive Entwicklung hänge auch mit der niedrigen Arbeitslosenquote  zusammen, der demographische Faktor spiele eine wichtige Rolle und auch die Ermittlungsarbeit der Polizei. Natürlich werde auch nicht jeder jugendliche Straftäter erwischt. Dennoch, die Untersuchung zeige eindeutig eine  positive Entwicklung.

Jedenfalls hat der Diplom-Sozialarbeiter auf seine empirische Untersuchung viele positive Reaktionen bekommen vom Justizminister bis hin zum Landrat. „Eine  Evaluation über einen solch langen Zeitraum gibt es nicht oft“, sagt der 52-Jährige selbstbewusst.

Der Landkreis könne bundesweit als Beispiel für die Entwicklung im ländlichen Raum dienen. So sei auch der  bundesweite Fachverband für Jugendgerichtshilfe und Jugendpflege auf ihn zugekommen. Der ist an dem Bericht Nehrens interessiert.

„Das ist eine schöne Anerkennung für  meine Arbeit“, freut sich der Jugendgerichtshelfer, der für diese Untersuchung, die er außerhalb seiner regulären Arbeitszeit erstellt hat, etwa ein Jahr gebraucht hat. Auf die Frage, wie die  Entwicklung wohl weitergehe, sagt er: „Eine Prognose ist unmöglich.“