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Jugendliche vermissen es Freunde zu treffen und Verwandte zu besuchen

Jugend : Jugendliche aus der Eifel sagen im digitalen Jugendtreff ihre Meinung

Beim digitalen Jugendtreff erzählen Jugendliche, wie sie die Pandemie erleben und wie sie zu Masken und Coronaregeln stehen.

Wie ist das mit der mobilen Jugendarbeit in der Pandemie? Läuft da überhaupt etwas? Einmal bei Richard Jutz nachgefragt, wird er gleich deutlich: „Eins kann ich schon sagen, die Jugend wird kaum beachtet, und wenn, dann als ‚Regelbrecher’. Da kann man ruhig mal drauf aufmerksam machen“, findet der Jugendpfleger der Verbandsgemeinde Bitburger Land.

Jugendarbeit sei auch in der Pandemie erlaubt – mit Maske und Abstand. „Aber Jugendtreff macht keinen Spaß unter den verschärften Bedingungen“, sagt Jutz. Ständig müsse man eingreifen, auf Abstandsgebote hinweisen. Das widerspreche der offenen Jugendarbeit. Jutz hat mit seiner Kollegin Lisa-Marie Schwarz, bei der Verbandsgemeinde Speicher zuständig für die mobile Jugendarbeit, einen digitalen Jugendtreff eingerichtet – und das bereits im April und bis zu den Sommerferien. Auch Ann-Katrin Klankert, bei der Stadt Bitburg zuständig für Jugendarbeit, ist involviert.

Auf Einladung von Richard Jutz und mit dem Einverständnis der Jugendlichen hat der TV einmal dabei sein können bei diesem digitalen Forum, das sich immer donnerstags zusammenfindet.

Nach dem üblichen technischen Hin und Her bei solchen Videokonferenzen und nachdem endlich alle da sind, erzählen die Jugendlichen schließlich, wie es ihnen in der Krise ergeht und dass sie den Eindruck haben, es gehe immer nur um die Schule und dass nur ja am Präsenzunterricht festgehalten werden müsse. Alles andere sei wohl eher Nebensache.

Das ärgert auch Dastan (14) aus Fließem. Mit dem stundenlangen Maskentragen in der Schule hat er zudem so seine Probleme: Er bekomme schlecht Luft und außerdem Kopfschmerzen. „Während der Lockdowns bin ich viel im Wald gewesen, der war zeitweise mein bester Freund“, sagt Dastan. Jetzt ist er froh, dass er sich im digitalen Jugendtreff mit Freunden austauschen kann. Was ihn auch stört ist, dass Ältere immer sagen, „Ihr wisst ja nichts vom Leben.“ „Die Älteren haben zwar mehr Erfahrung, aber wir haben ein anderes Blickfeld“, sagt der 14-Jährige.

Das Maskentragen macht auch Vivien (16) aus Neidenbach zu schaffen. Und sie vermisst ihre Freunde, klar. „Man hat viel Zeit, Zuhause zu sitzen und da gehen einem schon mal die Ideen aus“, sagt die 16-Jährige, die auch schon eine Quarantäne hinter sich hat. Sie wollte 2020 eigentlich vier Konzerte besuchen von „Iron Maiden“ bis „Slipknot“ – eine amerikanische und eine britische Heavy-Metal-Band (Anmerkung der Redaktion). Alles gestrichen. Vivien findet, dass sich die Corona-Regeln auch teilweise widersprechen: „Man trifft 1000 Personen in der Schule und im Bus und in der Freizeit kann man sich nur mit einer Person treffen“, sagt sie.

„Die Regeln sind so wie sie sind, da machen wir nichts dran“, sagt Mattes (17) aus Fließem, der das Abi vor Augen hat. Die Masken nerven auch ihn, aber er hat keine Probleme damit. Während des ersten Lockdown hat er viel Sport gemacht und sich seine Arbeit gut einteilen können. Er selbst empfindet die Einschränkungen nicht so schlimm.

„Sie sind doof, aber nicht so schlimm“, ist auch die Meinung von Anwen aus Kyllburg. Die 15-Jährige hat keine Angst vor dem Virus und fühlt sich auch nicht einsam, obwohl auch ihr das Treffen mit Freunden fehlt. „Ich habe drei kleine Geschwister und bin andauernd draußen mit dem Hund oder Pferd“, erzählt Anwen. Maskenverweigerer sind für sie „Menschen, die es nicht raffen.“ Sie sorgt sich schon, dass der zweite Lockdown vielleicht nichts bringt. Die 15-Jährige glaubt nicht, dass 2021 mit dem Impfstoff alles vorbei sein wird. „Corona ist nicht einfach weg“.

Auch Noémie aus Baustert hat schon Erfahrung mit Quarantäne. Sie hat eine klare Meinung, was Maskenverweigerer betrifft: „Ich finde das respektlos, dass manche Leute keine Maske tragen“, sagt die 15-Jährige. Sie war auch schon in Quarantäne, gelangweilt hat sie sich aber nicht. Mit Bruder, Trampolin und Telefonaten hat sie die Zeit gut hinter sich gebracht. Noémies Ski-Urlaub ist auch gestrichen. Was ihr aber wichtiger ist, ist dass sie an Weihnachten ihre Verwandten und Freunde sehen kann. Es ist wiederum traurig für sie, dass sie die Verwandschaft in Frankreich zurzeit nicht besuchen kann, sagt sie.

„Jeder Besuch zählt“, findet Vivien und denkt dabei an ihre Uroma in Amerika. Sie hofft, diese nächstes Jahr wieder besuchen zu können.

 Was das Thema Impfen angeht, so sehen Vivien und Dastan das eher skeptisch, weil die Impfstoffe in nur so kurzer Zeit entwickelt worden seien. Die Verlängerung der Ferien ist für die Runde kein Problem. Sie freuen sich jedenfalls alle, dass sie in der Weihnachtszeit wieder mehr Verwandte und Freunde treffen können.

„Sollten die Ferien aufgrund von Corona verlängert werden, werden wir uns spontan Angebote einfallen lassen wie zum Beispiel gemeinsames Online-Kochen oder Online-Backen – das steht noch offen“, teilt Richard Jutz mit.

Der digitale Jugendtreff steht allen Jugendlichen offen. Jeder kann dazukommen oder auch mal fernbleiben, wie im realen Jugendtreff auch, so Jugendpfleger Richard Jutz. Im digitalen Jugendtreff wird nicht nur geredet, sondern auch gespielt.