Junge Firmen in Gefahr

TRIER/BITBURG/DAUN. (fun) Die Zahl der Unternehmenspleiten in der Region Trier ist 2005 erneut angestiegen. Nach einer Untersuchung der Industrie- und Handelskammer Trier (IHK) mussten 178 Betriebe aus Handel, Handwerk, Industrie und dem Dienstleistungssektor Insolvenzantrag stellen – 33 mehr als 2004. Unterdessen ,meldet die Handwerkskammer (HWK) Trier eine leichte Entspannung.

Der im zweiten Halbjahr 2004 und in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres festgestellte Rückgang der Zahl der Firmeninsolvenzen hat sich nach den IHK-Angaben nicht fortgesetzt. "Es liegen noch keine endgültigen Zahlen vor. Die Entwicklung in den letzten Monaten lässt aber erwarten, dass der Pleitenhöchststand aus dem Jahr 2003 mit insgesamt 180 Unternehmensinsolvenzen überschritten wird", so IHK-Mitarbeiter Reinhard Neises. Bei dieser Prognose wurde auch berücksichtigt, dass in den Zahlen zwei Unternehmensgruppen erfasst sind, die mit insgesamt elf Verfahren zu Buche schlagen. Die meisten Pleiten gab es wie in den Vorjahren im Dienstleistungssektor (72 Verfahren) und im Handel (66 Verfahren). Für das verarbeitende Gewerbe wurden zwölf und für die Baubranche 14 Verfahren registriert. Von diesen Insolvenzen waren auch 28 Auszubildende betroffen. Gerade junge Unternehmen mussten Insolvenz anmelden. Die wirtschaftlich kritische Altersgrenze der betroffenen Unternehmen liegt im Allgemeinen bei etwa acht Jahren. Mehr als zwei Drittel der insolventen Betriebe kam im vergangenen Jahr nicht über dieses Alter hinaus. Für das Handwerk stellt sich die Situation nach einer Untersuchung der HWK etwas besser dar: Gegenüber dem Rekordwert von 52 Insolvenzen im Jahr 2004 zeichnete sich mit 48 Insolvenzen im Jahr 2005 eine leichte Entspannung ab. Von einer Trendwende zu sprechen, wäre jedoch verfrüht. Denn nach wie vor bewegt sich die Anzahl der Pleiten auf einem sehr hohen Niveau. Zum Vergleich: 2001 mussten im Verlauf des Jahres gerade einmal 24 Handwerksunternehmen den Gang zum Konkursrichter antreten - 2000 gab es sogar nur vier Insolvenzen. Betroffen waren rund 600 von insgesamt über 40 000 Arbeitsplätzen in Handwerksbetrieben der Region Trier, vor allem in den Bau- und Ausbauhandwerken. Wieviele der betroffenen Arbeitsplätze tatsächlich verloren gingen, kann die HWK jedoch nicht sagen. Als Hauptursache für die immer noch hohen Insolvenzzahlen sieht die HWK die ungünstigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen für den Mittelstand und die nach wie vor schwächelnde Binnenkonjunktur. Hinzu komme, dass eine niedrige Eigenkapitalquote von rund zehn Prozent - in der Baubranche gar nur zwei Prozent - die regionalen Handwerksbetriebe besonders konkursanfällig macht. Zunehmend schlechtere Zahlungsmoral

Belastend wirke sich auch die zunehmend verschlechternde Zahlungsmoral aus: Auftraggeber zögerten Rechnungen möglichst lange hinaus oder verweigerten die Zahlung. Dies belaste vor allem das Handwerk, welches zur Vorleistung verpflichtet ist. 2005 beliefen sich die Forderungsausfälle der rund 6400 Handwerksunternehmen im Kammerbezirk Trier auf fast 50 Millionen Euro. Der Vorfinanzierungsbedarf für säumige Zahler betrage annähernd 600 Millionen Euro. Die HWK schätzt, dass jede zweite Insolvenz Folge einer vorangegangenen Insolvenz eines wichtigen Auftraggebers ist. Der leichte Rückgang bei den Insolvenzen lässt sich auch bundesweit beobachten: Nach 39 270 Firmenpleiten im Jahr 2004 ging die Zahl um 3,5 Prozent auf 37 900 zurück. Hierdurch gingen rund 560 000 Arbeitsplätze verloren.