Junge Köpfe, frische Ideen

Junge Köpfe, frische Ideen

Hahnplatz, Bushaltestelle, Haus der Jugend: Bei der ersten Gesprächsrunde der Reihe "Jugend trifft Rat" haben 18 junge Bürger die Gelegenheit genutzt, intensiv mit Ratsmitgliedern über ihre Ideen und Anregungen zu verschiedenen Themen zu sprechen. Und das nächste Treffen wird schon vorbereitet.

Prüm. Für die Schüler des Prümer Regino-Gymnasiums ist der Hahnplatz fast wie ein Wohnzimmer: Täglich verbringen Hunderte junge Leute dort ihre Freizeit oder warten auf die Busse, die sie nach Hause bringen.
Nicht verwunderlich, dass sie in den vergangenen Jahren eine Meinung dazu entwickelt haben, was dort verbessert werden könnte.
18 Jugendliche haben nun das Angebot der Verbandsgemeinde (VG) Prüm genutzt, mit Ratsmitgliedern über verschiedene Themen zu diskutieren.
Klar, dass dabei immer wieder auch der Hahnplatz und die Jugendangebote in der VG zur Sprache kamen. Besonders die Situation auf dem Klosterhof, wo die Bushaltestellen sind, bewegt die Jugendlichen. "Mich wundert es, dass da noch nichts passiert ist", sagt Moritz Knauf, Schülersprecher des Regino-Gymnasiums. Gerade die jungen Schüler aus den fünften und sechsten Klassen seien gefährdet, weil sie für die Busfahrer schlecht zu sehen sind.
Stinkender Unterstand


Außerdem stören sich die Jugendlichen am Unterstand. "Den habe ich nie gemocht, weil es da stinkt", sagt Nicolas Scharm. Der Unterstand werde immer wieder von Alkoholikern genutzt, die sich dort betrinken - weshalb viele Jugendliche fragen, ob man das dort nicht verbieten könne.
Grundsätzlich sei ein Alkoholverbot möglich, sagt Peter Hillen vom Ordnungsamt der Verbandsgemeinde. Aber es sei immer auch eine Frage, wie effektiv man es kontrollieren könne. Bürgermeister Aloysius Söhngen und Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy verweisen darauf, dass man das Problem mit einem Verbot nur verlagere und dann eben an anderen Orten getrunken werde.
Auch für die Bussituation gebe es bereits eine Lösung: "Die Haltestelle soll in den Gerberweg verlegt werden", sagt Weinandy. Dazu solle der gesamte bisherige Parkstreifen hinter dem Regino-Gymnasium genutzt werden, dort sei genug Platz für die Busse. Für den Weg zur Schule würden in die Mauer, die den Schulhof von der Straße trennt, Durchgänge geschlagen. Für die Schüler sei das sicher am Anfang eine Umstellung, wenn sie woanders auf ihre Busse warten sollen. "Der Hahnplatz ist Kult", heißt es aus den Reihen der jungen Teilnehmer.
Auf dem Hahnplatz wünschen sich die jungen Bürger mehr Aufenthaltsqualität. "Es wäre schön, wenn man den als Treffpunkt gestalten kann, wo sich normale Leute treffen können", sagt eine Schülerin. Andere wünschen sich mehr Sitzgelegenheiten. Aber grundsätzlich können viele Schüler auch mit der derzeitigen Gestaltung gut leben.
Ein anderes Beispiel zeigt, wie wichtig Kommunikation sein kann: das Haus der Jugend (HdJ). "Das ist ja immer offen, und wir können da einfach hingehen", sagt Philip Pfeiffer. "Das wissen aber viele gar nicht." Man sehe zwar immer die Flugzettel mit den Aktionen, aber vom offenen Treff wisse man nichts. Angesichts solcher Aussagen fällt nicht nur der Stadtchefin die Kinnlade runter.
Aber das soll schnell geändert werden, HdJ-Leiter Jochen Pauls soll in die Schulen gehen und seine Angebote vorstellen. Denn viele Jugendliche monieren, dass es zu wenige Angebote für Ältere gibt. "Das hört alles bei 13 oder 14 Jahren auf." Das könnte natürlich auch daran liegen, dass kaum Ältere kommen, sagt Weinandy. Auf jeden Fall soll sich nun alles verbessern.
Positives Fazit


Am Ende steht bei Jugendlichen und Kommunalpolitikern ein positives Fazit: "Ich finde es gut, dass das hier angeboten wird", sagt Schülerin Clara Voss. "Es ist toll, dass sich die jungen Leute so viele Gedanken zum Hahnplatz machen", sagt Weinandy. Auch VG-Chef Söhngen freut sich über die neuen Impulse: "Wir haben viele Themen völlig anders diskutiert, als ich mir das vorgestellt habe."
Die Ergebnisse sollen nun ausgewertet und dem VG-Rat sowie den Jugendlichen übermittelt werden. Gleichzeitig beginnen die Vorbereitungen für das nächste Treffen. Bis zum Herbst werden neue Themen gesammelt.
Außerdem will Söhngen eine Plattform einrichten, auf der die Jugendlichen einfach mit ihren Ideen und Vorschläge an die VG herantreten können.Meinung

Saubere Sache
Gesprächsrunden ohne Hemmungen, Jugendliche und Ratsmitglieder im Dialog auf Augenhöhe: So soll es sein. Keine Alibi-Veranstaltung mit ein paar warmen Worten, sondern ein reger Austausch, von dem beide Seiten profitieren. Die Jugendlichen, weil sie auf viele ihrer Fragen eine Erklärung bekommen, und die Kommunalpolitiker, weil sie aus erster Hand von den jungen Leuten erfahren, wo der Schuh drückt und welche Ideen sie haben. Von Politikverdrossenheit ist da nichts zu spüren, sondern vielmehr ein großes Interesse an den Themen und der Wille mitzumachen. Von daher kann der Appell nur lauten: Weitermachen! c.brunker@volksfreund.de

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