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Junger Sprössling gibt neue Hoffnung

Junger Sprössling gibt neue Hoffnung

Das Sturmtief Kyrill hat 2007 in der Schneifel nahe Schlausenbach den Stalkesbaum zerstört. Er war eine Grenzmarkierung der Karolinger und später der Franzosen. Der Baum schien verloren, bis nun ein neuer Schössling aus dem alten Wurzelstock herausspross.

Buchet/Auw-Schlausenbach. Moos bedeckt einen armdicken morschen Ast. Gestrüpp wuchert über den Boden, kein Baum ragt mehr auf dem kleinen Hain nahe des Hofes Hascheid in der Schneifel auf. In Kniehöhe liegen die verrottenden Reste eines mächtigen Baumstumpfes. Wo bis 2007 zwischen Buchet und Auw noch eine verknöcherte Buche inmitten vieler Fichten wuchs, schlug vor sieben Jahren der Orkan Kyrill mit voller Wucht zu: Nadelbäume stürzten auf den letzten verbliebenen Ast der alten Buche und zerstörten sie.Zaun schützt neuen Trieb


Kein trauriger Einzelfall, überall in der Eifel waren nach Kyrill die Wälder verwüstet - nur war der Baum nicht irgendein Gewächs: Es waren die letzten Reste des "Stalkesbaums", einem karolingischen Grenzpunkt, der urkundlich am 8. November 816 festgelegt worden ist (siehe Extra). "Wir dachten erst, damit ist der Baum endgültig verloren", sagt Peter Berens, Vorsitzender des Eifelvereins Bleialf-Schneifel, doch neue Hoffnung keimt auf. Aus dem alten Stumpf wächst nämlich seit Kurzem ein noch zarter Schössling. "Er kommt direkt aus dem Wurzelstock. Noch ist er nicht hoch, aber wenn wir Glück haben, sprießt dort gerade ein Enkel des Stalkesbaums", sagt Berens.
Die Ortsgruppe des Eifelvereins hat vor einigen Tagen das noch zarte Pflänzlein in Absprache mit den Besitzern des Grundstücks eingezäunt und so gesichert. Ein Schild, das auf die Historie des werdenden Baumes hinweist, sei noch nicht aufgestellt worden, merkt Berens an.
Dafür sei es einfach noch zu früh: "Ortsfremde Wanderer würden auch mit Tafel noch kaum verstehen, was wir hier eigentlich schützen", erklärt er. Schon kurz nach der Zerstörung hofften Enthusiasten, auf neue Triebe aus dem alten Wurzelwerk. Schließlich war schon die Pflanze, die Fachleute in den 1980er Jahren eindeutig als Stalkesbaum ausmachten, nicht mehr der Baum von 816 - so lange bleibt keine Buche stehen. Der bis 2007 stehende Stumpf wurde aber von Baumexperten als einer von unzähligen Trieben des Urahnen identifiziert.Markanter Wuchs gibt Hinweis


Hilfreich war dabei der markante Wuchs der Triebe. Er deute auf den Ursprungsbaum hin, erläutert der Heimatforscher Hans-Josef Schad aus Auw in einer Festschrift der Eifelverein-Ortsgruppe. Der Name Stalkesbaum sei nämlich auf eine Eigenart des Baumes zurückzuführen. "Stalkes" stehe sinngemäß für das Wort "Stele". Der Grenzbaum wurde also gewählt, weil er so markant aufragte. Den Experten sei aufgefallen, dass alle Sprösslinge rund um den Torso Äste zeigten, die "steiler als normal bei Buchen emporragen."
Für die 300-Mitglieder starke Ortsgruppe des Eifelvereins sei die Rettung des neuen Triebes aus alter Wurzel selbstverständlich gewesen, sagt der Vorsitzende Berens. "Oft wird ja geglaubt, wir würden nur wandern, dabei gehören auch der Natur- und Landschaftsschutz, die Denkmalpflege und die Jugend- und Seniorenarbeit zu unseren Aufgaben." Habe man die Chance etwas so Überraschendes wie diesen Sprössling zu schützen, werde sie natürlich ergriffen.Extra

 Schon 1989 waren nur noch Reste des Stalkesbaums erhalten. Foto: Eifelverein-Ortsgruppe Bleialf
Schon 1989 waren nur noch Reste des Stalkesbaums erhalten. Foto: Eifelverein-Ortsgruppe Bleialf

Gesandte Kaiser Lothars des Frommen bestimmten im Jahr 816 den Stalkesbaum zu einem der Grenzpunkte, die das Land der Prümer Abtei von dem der Königshöfe Thommen und Manderfeld abgrenzte. Die uralte Buche und ihre Sprösslinge dienten dann über Jahrhunderte als Grenzmarkierung. Unter napoleonischer Besatzung wurde der Stalkesbaum erneut für eine Gebietseinteilung herangezogen. Frankreich teilte die besetzten Länder in Provinzen, Kantone und Mairien ein. Der Stalkesbaum schied die Mairien Bleialf und Auw voneinander. In seinem Hauptwerk, der "topografischen Aufnahme der Rheinlande" zeichnete der französische Oberst und Geograph Jean Joseph Tranchot den Stalkesbaum recht genau an der heutigen Position ein. Die Frankreich folgenden Preußen veränderten den Grenzverlauf geringfügig. Der Baum geriet in Vergessenheit, bis er in den 1980er Jahren wiederentdeckt wurde. aff