Juwelen unter Lack und Staub

Juwelen unter Lack und Staub

Es ist eine Schatzsuche mit Spachteln und Bürsten: Die Wallfahrtskirche in Weidingen gibt bei Sanierungsarbeiten ihre ursprüngliche Schönheit preis. Auf die Restaurierung des Hochaltars, dem Schmuckstück des Gotteshauses, folgt die Aufarbeitung wertvoller Beichtstühle.

Weidingen. 530 000 Euro haben die Arbeiten an der im 13. Jahrhundert erbauten Wallfahrtskirche Mariä Empfängnis seit 1990 gekostet, erklärt Matthias Moos, Bürgermeister der Ortsgemeinde Weidingen. "Und wir brauchen noch weitere 200 000 Euro."
Die Außenfassade und das Dach der Wallfahrtskirche, die jährlich Tausende Pilger besuchen, sind 1989 erneuert worden, doch das Innere des Gotteshauses verfiel. "Der Hochaltar, die Seitenaltäre und die Kanzel bestehen aus Holz", sagt Moos. "Jahrzehnte-, vielleicht jahrhundertelang ist aus Geldnot mit Farbe überstrichen worden, um den Verfall zu kaschieren." Das Schmuckstück der Kirche, der Hochaltar, ist mittlerweile restauriert. An einer briefmarkengroßen Stelle hat der Fachmann die alten Lack- und Farbschichten belassen, wie sie waren: "Das sind ungefähr sieben Schichten, die sorgfältig abgetragen worden sind", sagt Moos.
Inzwischen sind an den Wänden der Kirche uralte Fresken freigelegt, die in früheren Zeiten mit weißer Farbe übertüncht wurden. "Auch wenn sie stark verblasst sind, diese Zeichnungen aus den Anfängen unserer Kirche sind ein Ansporn für uns Weidinger Bürger. Denn unsere Vorfahren haben hier viel Geld und Arbeit investiert, um diese Kirche zu gestalten. Unsere Aufgabe ist es, sie der Nachwelt zu erhalten", sagt Matthias Moos.
Jetzt steht der nächste Schritt an. "Die Beicht stühle sind an der Reihe", erklärt der Bürgermeister. Denn das Bistum Trier, das die Restaurierungsarbeiten finanziell unterstützt, macht klare Auflagen: "Bevor wir mit den Seitenaltären und der Kanzel beginnen, müssen wir die Beichtstühle aufarbeiten", sagt Moos. Davon gibt es in der kleinen Kirche immerhin fünf. Alle entstanden Ende des 17. Jahrhunderts. "Die Restaurierung eines Beichtstuhls kostet rund 11 000 Euro. Unter den Lackschichten versteckt sich ein wahres Juwel", sagt Moos. Aufwendige Schnitzereien auf Eichenholz und Ornamente, die den Gläubigen verrieten, welchen Rang der Geistliche im Beichtstuhl innehatte, sind auf dem einen, bisher renovierten Stück zu sehen. "Bis Ende des kommenden Jahres wollen wir drei der Beichtstühle fertig haben", erzählt der Bürgermeister. Die Einnahmen bei dem Benefizkonzert der Kreismusikschule Anfang Dezember seien eine große Hilfe bei der Renovierung der Kirche, sagt Moos. "Auch unsere Dorffeste bringen Geld für die Renovierungskasse. "Am 5. Januar, dem Tag des traditionellen Drei-Königs-Balls, hoffen wir auf viele Besucher, die unsere Arbeit mit Spenden unterstützen."
Der Ball beginnt um 21 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus. Veranstalter ist die Vereinsgemeinschaft.
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Extra

Die Legende besagt, dass der Heilige Willibrord um 730 an der Stelle eines heidnischen Tempels ein Gotteshaus errichtete. Ein Marienbild, das über die Jahrhunderte den Verfall überlebte, stand in einem Weidenstrauch, von dem sich in der Folge die Namen Weidig, Widen oder Wedingen abgeleitet haben sollen. Für 1205 ist der Vorgängerbau der heutigen Wallfahrtskirche bezeugt. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Weidingen zur Herrschaft Neuerburg im Herzogtum Luxemburg. now