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Käferplage: Forstamt Prüm nutzt Drohnen, Soldaten, Rückepferde und Erntemaschinen

Dem Schädling an den Kragen - mit allen möglichen Mitteln : Kampf dem Käfer – mit Hand und Huf

Sie nehmen den Borkenkäfer in die Zange: Das Forstamt Prüm geht derzeit mit allen Mitteln gegen den Schädling vor. Zum Einsatz kommen Bundeswehrsoldaten, Rückepferde, Erntemaschinen und Drohnen.

Im Schneifelwald arbeitet in diesen Tagen ein Deutscher Meister: Dirk Zöll aus Udenbreth (Kreis Euskirchen). „Und Europameister“, ergänzt er fast verschämt, als wir ihn auf seinen nationalen Titel ansprechen. Den Sieg als bester Holzrücker auf dem Kontinent nämlich hat er voriges Jahr auch noch geholt, beim Wettbewerb in Wendlinghausen im Kreis Lippe.

Zu verdanken hat er das nicht zuletzt Lucky und Wotan. Die beiden belgischen Kaltblute sind erstens beeindruckend und zweitens sehr verständige Waldarbeiter. Viel mehr als einsilbige Zurufe wie „Hü“ (halt), „Ha“ (links), „Hött“ (rechts) und „Jöh“ (los) brauchen sie nicht. Wenn es etwas vorsichtiger voran gehen soll, raunt ihnen Zöll ein zaghaftes „bessje ... bessje“ zu, und die kräftigen Tiere zeigen, wie filigran sie mit einem Baumstamm im Schlepptau agieren können.

Dirk Zöll und seine Pferde leisten derzeit dem Forstamt Prüm wertvolle Hilfe – beim Entfernen von Bäumen aus unwegsamem Waldgelände. Und davon sind nach den beiden vergangenen Trockenjahren besonders viele fortzuschaffen – vor allem wegen des Befalls mit dem Borkenkäfer, der dieses Wetter liebt und sich dabei hemmungslos vermehren kann (der TV berichtete).

Zudem, sagt Peter Wind, der Chef des Forstamts, sei auf der Schneifel der Boden stellenweise sehr empfindlich und feucht, trotz der Trockenheit. Das heißt: keine Chance für die Erntemaschine. „Da ist das Pferd überlegen und einfach ein geländegängiges, umweltfreundliches Rücke-Aggregat.“

Zumal die Tiere, von ihren natürlichen Emissionen abgesehen, abgasfrei arbeiten und den Boden nicht wie eine schwere Maschine belasten und verdichten. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Zöll? „Ich hatte einen Facebook-Post seitens des Forstamts gemacht“, sagt Peter Wind. „Daraufhin hat er sich gemeldet und als Unternehmer vorgestellt, der Rückepferde im Einsatz hat.“

Die Arbeit mit Dirk, Lucky und Wotan verläuft so gut, dass das Forstamt die drei weiter einspannen will, auch jenseits der Käferkrise: „Auf jeden Fall“, sagt Revierleiter Benedikt Stöcker. Dirk Zöll hört das gern, auch weil er wie so viele unter der aktuellen Corona-Krise leidet: Die Auftragslage sei nicht berauschend, sagt er. Und in seinem Heimatbundesland Nordrhein-Westfalen sei man bei der Auftragsvergabe längst nicht so offen „wie hier in Rheinland-Pfalz, das muss ich leider feststellen“.

Ganz in der Nähe hört man die Erntemaschine von Helmut Meyer aus Schönfeld brummen: Die technische Variante der Holzernte. „Das Zusammenspiel, das macht’s“, sagt Stöcker. Peter Wind erläutert: Man fliege zuerst mit einer Drohne über die Waldgebiete, um damit festzustellen, wo überall der Käfer sein Werk verrichte. Und dann werde eingesetzt, wer und was nötig sei.

Das bedeutet derzeit auch: Soldaten der Bundeswehr, stationiert in der Kaserne in Gerolstein. Fünf von ihnen arbeiten seit Montag im Forstbestand nahe Knaufspesch, fünf andere bei Brandscheid, ein weiterer Trupp hilft beim Forstamt Hillesheim aus, wo die Lage nicht besser ist.

Wie lautet der Auftrag? „Befreiung der Baumstämme von Rinde bezüglich Borkenkäferbefall“, meldet Stabsunteroffizier Reinhold Ossipyan, der aus Lüdinghausen in der Nähe von Dortmund stammt. Die Befreiung machen sie von Hand mit dem Schäleisen – anstrengend, oder? Alle nicken. Die Stabsgefreite Sarah Michele aus Mönchengladbach bekennt, am Dienstag sei sie mit Muskelkater aufgewacht. Aber: geht schon.

Alle haben offenbar Spaß am Einsatz. Und arbeiten so gründlich, dass Peter Wind bereits jetzt ein großes Zwischenlob ausspricht: Die Baumstämme sähen aus „wie geleckt. Da hat kein Borkenkäfer eine Restchance.“

Aber wie steht es um den Gesamtkampf gegen den Schädling? Ist der zu gewinnen? „Wir hoffen, dass wir das im öffentlichen Wald hinbekommen“, sagt Peter Wind. In den Beständen der Privateigentümer sehe es allerdings schwieriger aus. Es gebe immer noch Waldbesitzer, die nicht erfasst seien und „von denen wir nicht mal wissen, wo sie wohnen“. Andere wollten von den jetzt notwendigen Arbeiten nichts wissen. „Und dann haben wir da keine Handlungsoption. Da drohen permanente Infektionsherde.“

Einsatz im Forst bei Knaufspesch: die Bundeswehrsoldaten (von links) Timo Schneider, Philipp Frick, Reinhold Ossipyan, Sarah Michele und Patrick Pfeiffer. Foto: Fritz-Peter Linden
Auch sie kommt derzeit verstärkt zum Einsatz: Erntemaschine im Wald am Schwarzen Mann. Foto: Fritz-Peter Linden

An planvolle Waldwirtschaft ist in diesen Wochen ohnehin nicht zu denken: Es gilt, aus den Beständen rauszuholen, was jetzt rauszuholen ist. „Wir arbeiten ausschließlich Borkenkäfer-Holz auf“, sagt Wind. „So viel, dass es uns die Sägewerke kaum abnehmen können.“