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Kämpfer gegen die Einsamkeit

Kämpfer gegen die Einsamkeit

Das Leben gemeinsam genießen, zumindest für ein paar Stunden, das können Jung und Alt in der Begegnungsstätte in Neuerburg unter der ehrenamtlichen Leitung von Ingrid Hosdorf. Sie ist eine von zehn Auserwälten der Aktion "Helden im Alltag". Seit vielen Jahren ist Frank Heckenbach Mitglied im Deutschen Roten Kreuz und seit 2002 in der Notfallnachsorge tätig. Auch er ist unter den zehn "Helden im Alltag", die es in die Endrunde schafften.

Neuerburg. Sie ist in Neuerburg zugezogen und wurde dort sehr gut aufgenommen. "Darum möchte ich etwas zurückgeben", sagt Ingrid Hosdorf. Und das macht sie täglich, und es macht sie glücklich, denn seit 2005 ist sie ehrenamtliche Leiterin der "Begegnungsstätte Zusammenhalt" in der Gärtnerstraße in Neuerburg.

Der Name ist Programm, denn hier begegnen sich vor allem ältere Menschen, die Abwechslung vom Alltag suchen, beim Frühstückstreff diskutieren und beim monatlichen Singkreis Spaß haben können. Aber auch Kinder und Jugendliche besuchen mehr und mehr das barrierefreie Haus, um zusammen mit der älteren Generation zu spielen oder einfach nur zu reden.

Ein wichtiges Ziel der früheren Chemie-Ingenieurin Hosdorf ist es, "alte Leute vor Vereinsamung zu schützen". Das gelingt ihr mit ihrer Arbeit, die längst zum Hobby geworden ist, allemal. Sie organisiert Fahrten, macht mit den Senioren Einkäufe, führt für sie Telefonate oder schreibt Briefe an Behörden. Kindernachmittage bringen zusätzlich Leben in das Haus und fördern das Miteinander von Jung und Alt. Noch dazu sind die Kinder versorgt, und die Eltern können alleine ihre Besorgungen machen.

Dann wird Pizza oder Kuchen gebacken, Marmelade gekocht, gespielt, die Natur erkundet oder vorgelesen. Dazu greift Hosdorf zum Literaturangebot der Stadtbücherei nebenan, die auch noch von Mitarbeitern der Begegnungsstätte geführt wird. "Kinder ans Lesen bringen", heißt dabei Hosdorfs Devise. Auch neue Projekte scheut die ehrenamtliche Hausherrin nicht. Pflegebedürftige Menschen werden seit kurzem einmal pro Monat im Hause beaufsichtigt, so dass die pflegenden Angehörigen einen Nachmittag für Besorgungen, Arztbesuche oder einfach zum Ausspannen nutzen können. "In Zukunft soll das Angebot wöchentlich möglich sein", sagt Hosdorf.

Speicher. "Man muss selbst stabil sein, um die Situation zu meistern", sagt Frank Heckenbach aus Speicher und beschreibt damit seine ehrenamtliche Aufgabe im Team der Notfallnachsorge des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Er ist der Überbringer von traurigen Nachrichten.

Bei plötzlichen Todesfällen, sei es nach einer erfolglosen Wiederbelebung, sei es nach einem tödlichen Unfall oder gar einem Selbstmord, muss er die Angehörigen darüber informieren. "Die Notfallnachsorge ist sehr wichtig", sagt Heckenbach.

Er weiß es genau, denn seit 1993 ist er ehrenamtliches Mitglied im Rettungsteam des DRK und hat selbst erleben können, dass bei dieser Arbeit keine Zeit blieb, um die menschliche Seite zu beachten. Daher legte er mit den Grundstein zum Aufbau des Notfallnachsorgeteams, das seit 2002 im Eifelkreis Bitburg-Prüm besteht. Ein Seminar hat ihm und seinen Kollegen vorab das nötige Grundwissen vermittelt.

Nicht nur die Überbringung von Todesnachrichten, sondern auch die Betreuung der Hinterbliebenen liegt in seiner Hand, wenn dies gewünscht ist. "Die Menschen reagieren völlig unterschiedlich", weiß Heckenbach, "manche nehmen gerne Hilfe an, um zu wissen, was als Nächstes zu tun ist. Andere wiederum möchten alleine sein."

Dem Volvo-Techniker ist bewusst, dass er das Leben "dieser Menschen radikal verändern wird", wenn er mitten in der Nacht oder auch zu jeder anderen Stunde an die Türen der Angehörigen klopft. Und mit viel Fingerspitzengefühl muss er die jeweilige Situation einordnen.

Oft möchten sich die nahen Verwandten noch von den Toten verabschieden. Dann sorgen die Notfallhelfer unverzüglich für den würdevollen Rahmen.

Fragen zum Unfallhergang werden wahrheitsgemäß beantwortet. "Nichts wird schön geredet", sagt Frank Heckenbach. Außerdem teile er den Angehörigen nur das mit, was hundertprozentig feststehe.