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Wie Café-Besitzer die Corona-Auflagen sehen: Kaffee, Kuchen, Desinfektionsmittel

Wie Café-Besitzer die Corona-Auflagen sehen : Kaffee, Kuchen, Desinfektionsmittel

Auch das Bitburger Café Wagner kann nach der Corona-Auszeit wieder öffnen. Doch die Freude darüber ist gedämpft.

(uhe) Für Irene Wagner ist es vor allem eines: eine Rechenaufgabe. „Es geht nicht darum, ob wir Lust haben oder nicht“, sagt sie. Aber Miete, Waren und Strom müssten nun mal bezahlt werden. Deshalb werde versucht, das Beste daraus zu machen. In ihrem Fall ist das Beste ein Café, in dem es normaler­weise nach Backwaren und Kaffee duftet. Nun aber haben Irene und Tochter Julia Wagner die Sorge, dass ein ganz anderer Duft die Atmosphäre ihres Cafés prägen wird – der von Desinfektionsmittel.

Nach jeder Kundschaft müssen Tisch und Stühle desinfiziert werden. Gleiches gilt für die Toilette. Die Rückkehr aus der Corona-bedingten Zwangspause ist mit vielen Auflagen verbunden, und das Ladenlokal dadurch deutlich leerer geworden. Gut die Hälfte der Stühle und Tische wurde entfernt, damit der geforderte Sicherheitsabstand eingehalten werden kann. „Wir mussten leider auch unsere gemütliche Sofa-Ecke wegräumen“, bedauert Julia Wagner. „Alles, was nicht abwaschbar ist, muss raus“, erklärt sie. Das gilt auch für die Sitzkissen.

Am Sonntag will das Café Wagner nach gut zwei Monaten wieder öffnen.

Bei Julia und Irene Wagner sind die Gefühle gemischt. Auf der einen Seite freuen sie sich, wieder Kunden bedienen zu dürfen. Auf der anderen Seite haben sie die Sorge, ihre Gäste mit den Corona-Auflagen zu vergraulen. „Wir müssen ja von jedem Gast die Kontaktdaten aufschreiben, damit er informiert werden kann, falls es zu einem Corona-Fall kommt“, erklärt Irene Wagner. Sie jedenfalls wisse nicht, ob sie selbst bereit wäre, all diese Daten einfach so preiszugeben.

Wie in allen anderen Gastronomiebetrieben auch ist der Zutritt ins Café Wagner nur mit Mundschutz erlaubt. Zum Essen und Trinken darf er abgenommen werden. Sind Teller und Tasse leer, muss der Mundschutz aber streng genommen wieder aufgesetzt werden.

„Am besten lässt man also immer noch einen kleinen Schluck Kaffee in der Tasse, damit es keinen Ärger gibt, wenn jemand kontrollieren kommt“, scherzt die Mutter und grinst. Wobei: Ob sie wirklich grinst, ist schwer zu sagen. Schließlich trägt auch sie einen Mundschutz.

Immerhin: Die Gewerbeaufsicht der Stadt ist den Wagners ein Stück weit entgegengekommen, was die Außengastronomie betrifft. Auf eine Einzäunung der Tische draußen könne angesichts der Gegebenheiten verzichtet werden, sagt Tochter Julia. Die Stadt sei durchaus bemüht, nach Lösungen zu suchen, meint sie.

Ob sich der doppelte Aufwand für die Hälfte an Sitzplätzen am Ende lohnen wird, wissen beide nicht. Das Ladenlokal weiterhin geschlossen zu lassen, bis wieder eine Öffnung unter etwas normaleren Bedingungen möglich ist, wäre eine Option.

Für das Café Wagner ist es das zwar nicht, dafür aber für das Eiscafé Lobia. Auf seiner Facebook-Seite hat das Team der Bitburger Eisdiele vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass man sich schweren Herzens dazu entschieden habe, das Ladenlokal vorerst geschlossen zu lassen und stattdessen weiterhin nur durch das Fenster zu verkaufen.

Aufgrund der Auflagen hätte ein Besuch des Eiscafés mit Entspannung nichts mehr zu tun, so die Begründung.