Kamm schwillt allerorten in der Eifel: Unmut auf der ganzen Buslinie

Kostenpflichtiger Inhalt: Alternative für gekappte Verbindungen gesucht : Kamm schwillt allerorten in der Eifel: Unmut auf der ganzen Buslinie

Die Orenhofener wehren sich weiter gegen die Kappung der Buslinie 231. Und auch in den Nachbardörfern wächst der Ärger über die gestrichene Verbindung nach Trier. Ein Herforster Gemeinderatsmitglied hat sogar einen Brandbrief an den VRT geschrieben.

Eine ältere Dame geht die Landstraße entlang, als ein Auto anhält. Im Wagen sitzt Adalbert Meier. Warum sie denn zu Fuß unterwegs sei zwischen Herforst und Binsfeld, fragt der Herforster Kommunalpolitiker. Immerhin: ein Weg von fast drei Kilometern. Sie antwortet: Früher sei sie mit dem Bus zur Zahnarztpraxis im Nachbarort gefahren. Doch der fährt seit September nicht mehr auf der Linie 231 zwischen Dudeldorf und Trier. Also bleibt ihr nichts anderes übrig als zu laufen.

Wer sich derzeit in den Gemeinden im Speicherer und Wittlicher Land umhört, bekommt dutzende solcher Geschichten erzählt: Von Kindern, die ohne Taxi Mama nicht mehr zur Schule nach Trier kommen. Und vor allem von Senioren, die teils Umwege zum Arzt, zum Supermarkt, zum Friseur auf sich nehmen müssen.

Angefangen hat das alles mit dem Start des Linienbündels „Römische Weinstraße“ (der TV berichtete mehrfach). Seitdem hat das Unternehmen Moselbahn als einzige Firma eine Konzession für die Fidei. Die Firma Wallscheid, die rund 60 Jahre die Verbindung von Dudeldorf nach Trier bediente, durfte nicht weitermachen. Die gesamte Linie 231, die auch Dörfer nördlich des Trierer Landes bediente, wurde gestrichen.

In Zemmer fährt jetzt also jede Stunde ein Bus ab. Wer sich aber im Nachbardorf Orenhofen, in Spangdahlem oder Herforst an die Haltestelle stellt, kann lange warten. Und bis das Linienbündel „Waldeifel“ 2021 aufgeht, soll sich daran laut Verkehrsverbund Trier (VRT) auch nichts ändern.

Die Orenhofener wollen das nicht hinnehmen. Fast 400 Unterschriften für eine bessere Anbindung nach Trier haben die Einwohner inzwischen gesammelt und dem Gemeinderat vorgelegt. Und der hat auf die Petition reagiert, wenn auch noch nicht mit konkreten Lösungen. „Wir haben erstmal einstimmig beschlossen, dass wir einen Arbeitskreis gründen“, sagt der Orenhofener Ortsbürgermeister Wolfgang Horn. Die erste Sitzung des neuen Gremiums, bei dem Kommunalpolitiker aber auch Bürger mitwirken dürfen, ist für den 17. Januar angesetzt. Bei dem Treffen sollen Vorschläge für eine Übergangslösung bis 2021 gesammelt werden.

Eine Idee laut Horn: „Der Bus der Moselbahn könnte hinter dem Schönfelderhof einen Schlenker über Orenhofen fahren. Unseren Bürgern wäre damit schon geholfen.“ Was aber ist mit all den anderen Eifelern, die seit der Einstellung der Linie 231 vom Nahverkehr abgeschnitten sind?

„Es hat auch bei uns einige, wenige Beschwerden gegeben“, sagt Alois Gerten, Ortsbürgermeister von Spangdahlem. Weil die Problematik aber nicht so groß sei wie in Orenhofen, das sich stärker nach Trier orientiere, habe man sich dem Protest noch nicht angeschlossen. Es könne aber sein, dass sich das noch ändere, sagt Gerten.

Auch im Herforster Gemeinderat ist das Thema kontrovers diskutiert worden. Ratsmitglied Adalbert Meier hat sogar einen Brandbrief an den Verkehrsverbund Trier geschrieben. Darin fordert er eine „umgehende Korrektur der Maßnahme“, da etliche ältere Leute auf die Verbindungen angewiesen seien.

Diese Kritik teilt Ortsbürgermeisterin Sigrid Heinemann durchaus: „Wir Ortsgemeinden werden immer mehr abgehängt. Auch der Nahverkehr ist auf dem absteigenden Ast.“ Das Schreiben von Meier wollte sie in dieser Form aber dennoch nicht im Namen der Gemeinde abschicken.

Zum einen, weil der Text ihr zu harsch formuliert vorkomme. Und zum anderen, weil sie nicht glaube, dass „Alleingänge einzelner Gemeinden“ etwas bewirken können. „Wir müssen eine Lösung für alle betroffenen Gemeinden finden“, schlägt Heinemann stattdessen vor: „Am besten gemeinsam mit der Verbandsgemeinde.“

Damit rennt sie bei Bürgermeister Manfred Rodens offene Türen ein. Der VG-Chef verspricht, er wolle sich im ÖPNV-Ausschuss des Eifelkreises für eine bessere Anbindung starkmachen. Und helfen eine Lösung auf den Weg zu bringen, von der alle Gemeinden profitieren.

Der Arbeitskreis der Orenhofener trifft sich am Freitag, 17. Januar, um 18 Uhr zum ersten Mal im Bürgerhaus.