Kandidat gefunden: Für Wallersheim steht ein Bürgermeister-Anwärter bereit

Kommunalpolitik in Wallersheim : So findet ein Dorf seinen Bürgermeister

Ausschreibung geglückt: Die Ortsgemeinde Wallersheim hat einen Kandidaten fürs Amt – am Montag soll der Rat Walter Feld in den Posten heben.

Man muss Neues wagen, wenn das Gewohnte nicht mehr funktioniert: Die Ortsgemeinde Wallersheim – nach zehn Amtsjahren hört Bürgermeister Josef Hoffman bekanntlich auf – fand bis zu den Wahlen im Mai keine Kandidaten für die Nachfolge.

Also versuchten die Ratsmitglieder etwas anderes: Sie schrieben den Posten aus (der TV berichtete), ein Novum in der Verbandsgemeinde Prüm. Aber sie beschlossen zugleich, den Schritt ins Ehrenamt leichter zu machen für mögliche Bewerber: Die Arbeit soll auf mehrere Schultern verteilt werden.

Die Beigeordneten Bruno Büsch und Jörg Cajé erhalten eigene Geschäftsbereiche, Ratsfrau Franziska Weber übernimmt einen Beigeordneten-Posten ohne Geschäftsbereich, Julia Weber macht die Schriftführung. Das heißt: mitsamt Bürgermeister erledigt künftig ein Quintett die Gemeindearbeit.

Und den neuen OB haben sie jetzt aller Voraussicht nach gefunden: Denn tatsächlich meldete sich ein Wallersheimer auf die Ausschreibung. Werner Feld heißt er, ist 67 Jahre alt, war Landschaftsgärtner mit eigenem Betrieb – und vor allem: „Er hat kommunale Erfahrung“, sagt Hoffmann, der aktuell noch die Gemeindegeschäfte führt.

Der Kandidat hat sich inzwischen den Ratsmitgliedern vorgestellt und konnte sie offenbar überzeugen: Mit „überragender Mehrheit“ habe sich das Gremium im Anschluss für Feld ausgesprochen, sagt Hoffmann. Zumal sich der Bewerber wirklich auszukennen scheint: „So Fachbegriffe wie ,Abgrenzungssatzung’ waren für ihn keine böhmischen Dörfer“, sagt noch-OB Josef Hoffmann.

Werner Feld ist noch nicht lange Wallersheimer: Im Dezember verlegte er seinen Hauptwohnsitz aus Köln ins Dorf, wohnt aber erst seit März richtig dort. Weil er aber dann auch noch in Urlaub fuhr, hatte er von der Wallersheimer Kandidaten-Not zunächst „nichts mitbekommen“, wie er sagt. Dann aber habe er den Artikel mit der Ausschreibung im TV gelesen und sei dann auf Josef Hoffmann zugegangen.

In Leverkusen war Werner Feld viele Jahre lang in der Kommunalpolitik aktiv, unter anderem als Vertreter eines der vier Stadtbezirke: Diese Bezirksvertreter, sagt er, seien lauter Bürger, die dem Stadtrat bei Sachthemen zuarbeiten.

Außerdem scheint er keine Scheu vor starken Gegnern zu kennen: In einer Bürgerinitiative engagierte er sich gegen die Landesgartenschau vor 14 Jahren in Leverkusen: Sie wurde im sogenannten Neuland-Park ausgerichtet – einem Gelände, das früher eine Deponie des Bayer-Konzerns gewesen war und unter anderem chemisch belastet.

Feld, seit fünf Jahren verwitwet, ist vierfacher Vater und sechsfacher Opa. Seine Lebensgefährtin Renate Schulz arbeitet noch in Köln, er zog aber schon mal nach Wallersheim, um es in der neuen Heimat ruhiger angehen zu lassen.

Aber: „Das läuft nicht“, sagt Josef Hoffmann und lacht. Für Feld kein Problem: Gar nichts zu machen, das sei sowieso nicht sein Ding. „Ein bisschen Aufgabe muss sein“, sagt er.

Und er hat außerdem schon erlebt, in welch gute Gemeinschaft er da geraten ist: Im Verein „Lebendiges Wallersheim“ macht er bereits mit, und die beiden Gründer, Maria und Erich Michels, seien ihm in der bisherigen Zeit bereits „sehr gute Ansprechpartner gewesen“.

Gewählt ist der Kandidat aber noch nicht, man solle bloß dem Rat nicht vorgreifen, sagt er, darauf lege er Wert: Dieser Akt soll erst in der konstituierenden Ratssitzung vollzogen werden, sie ist am Montag, 19. August, um 17 Uhr im Gemeindehaus.

Es sollte aber vielleicht doch nur noch eine Formalie sein. Josef Hoffmann: „Uns ist natürlich lieber, wir haben einen eigenen Bürgermeister, als dass wir von der Verbandsgemeinde mitverwaltet werden.“

Und dass der – wahrscheinliche – neue Bürgermeister kein gebürtiger Eifeler ist, dürfte auch kein Problem sein: Das ist Josef Hoffmann auch, denn er kam mit seiner Familie aus dem ebenfalls nordrhein-westfälischen Jüchen bei Mönchengladbach nach Wallersheim – zuerst für die Wochenenden, seit 2003 wohnen die Hoffmanns ganz im Dorf.

Kommunal erfahren und frei für neue Aufgaben: Werner Feld hat sich um den Bürgermeisterposten in Wallersheim beworben. Foto: Fritz-Peter Linden

2009 wurde er erstmals Bürgermeister, bei der Wahl vor fünf Jahren erhielt Hoffmann satte 90 Prozent Zustimmung. So schlecht machen es die Zugereisten also offenbar nicht.

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