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Kandidat Marcus Konrad im Interview zur Bürgermeisterwahl in Speicher

Kommunalpolitik : Wahl in der Verbandsgemeinde Speicher: Was Kandidat Marcus Konrad als Bürgermeister will

Vor der Bürgermeisterwahl in der Verbandsgemeinde Speicher am 27. März stellen sich die drei Kandidaten unseren Fragen. Den Anfang macht Marcus Konrad, den die CDU ins Rennen geschickt hat.

Warum wollen Sie VG-Bürgermeister werden?

Marcus Konrad: Mein Herz hängt an unserer Heimat. Hier bin ich geboren und aufgewachsen, und hier möchte ich mit meiner jungen Familie dauerhaft bleiben und mich wohlfühlen. Es ist mir daher ein besonderes Anliegen, an der zukünftigen Entwicklung an verantwortlicher Stelle und zum Wohl für Jung und Alt mitzuwirken. Dabei scheue ich mich nicht davor, mich mit voller Energie für die Interessen ALLER einzusetzen und gute Ideen, egal von wem sie eingebracht werden, umzusetzen und tagtäglich dafür hart zu arbeiten. Mein Ziel ist es, unsere Verbandsgemeinde mit voller Kraft, zusammen mit einem erfahrenen und kompetenten Rathausteam, in eine lebens- und liebenswerte Zukunft zu lenken und dabei all das Potenzial, das unsere Heimat bereithält, voll auszuschöpfen.

Sie haben sich in den Ortsgemeinden vorgestellt und mit den Bürgern gesprochen. Wo drückt die Menschen der Schuh?

Konrad: Zunächst möchte ich mich bei allen Mitbürger*innen in der Verbandsgemeinde Speicher für die freundliche und herzliche Aufnahme noch einmal bedanken. Trotz der Kürze der Zeit hatte ich Gelegenheit, wichtige Aspekte und Anregungen für meine zukünftige Arbeit zu gewinnen. Große Sorgen machen sich die Leute um die ärztliche und fachärztliche Versorgung vor Ort, die Zukunft unserer Kindergärten und Schulen sowie das Leben und den Zusammenhalt „nach Corona“ auch hinsichtlich im Bezug auf Brauchtum, Vereinsarbeit und Ehrenamt.

Wo sehen Sie persönlich dringenden Handlungsbedarf und was würden Sie zuerst angehen wollen?

Konrad: Um für eine mögliche neue Corona-Welle im Herbst/Winter gut aufgestellt zu sein, müssen die Schulen optimal für einen durchgängigen Präsenzunterricht aufgestellt sein. Da, wo die bisher gängigen Schutzmaßnahmen nicht ausreichen, muss ggf. technisch nachgerüstet werden. Dies gilt natürlich gleichrangig auch für unsere Kindergärten. Ich werde mich ferner intensiv darum kümmern, dass die durch das Hochwasser vom 15. Juli 2021 aufgetretenen Hochwasserschäden an der öffentlichen Infrastruktur so schnell wie möglich behoben werden und stehe, gemeinsam mit der Verwaltung, allen Geschädigten für Fragen und bei Problemen unterstützend zur Seite. Ein weiterer Schwerpunkt wird in der Verbesserung der ärztlichen Versorgung liegen. Hierfür müssen schnellstens neue Finanzierungs- und Praxismodelle gefunden werden. Das wird nicht ohne finanzielles Engagement der VG umsetzbar sein.

Wegbrechende Infrastruktur, Ladenschließungen, schlechte ÖPNV-Anbindung, Landflucht, Überalterung – wie wollen Sie die Dörfer in der VG Speicher attraktiv halten?

Konrad: Entgegen anderslautenden Prognosen verzeichnet die Verbandsgemeinde Speicher seit über zehn Jahren ein signifikantes Ansteigen seiner Einwohnerzahl - sicherlich auch ein Beleg für die schon jetzt guten Wohnverhältnisse. Darauf dürfen wir uns aber nicht ausruhen. Mit den zeitnah fortgeschriebenen Dorferneuerungskonzepten in vielen Ortsgemeinden steht dafür ein ortsbezogenes Entwicklungs- und Strategieinstrument zur Verfügung, das es gilt, Zug um Zug umzusetzen. Für ältere Generationen und beeinträchtigte Bürger brauchen wir attraktive Pflegeangebote, Barrierefreiheit und neue Wohnformen. Erste Beispiele werden derzeit in Speicher umgesetzt oder sind in konkreter Planung. Unsere mittelständischen Betriebe sind das wirtschaftliche Rückgrat der Gesellschaft. Wir müssen für die Zukunft gerüstet sein und Flächen für die nachhaltige Expansion oder Neuansiedlungen von Einzelhändlern, Handwerksbetrieben und Industrie schaffen. Darüber hinaus möchte ich gemeinsam mit den örtlichen Firmen und Unternehmen eine lokale Ausbildungs- und Stellenbörse ins Leben rufen, um sie bei der Personalsuche auch über die Grenzen der Verbandsgemeinde hinaus zu unterstützen. Ich werde mich für einen Ausbau des ÖPNV-Netzes innerhalb der Verbandsgemeinde Speicher einsetzen, um den Individualverkehr zu reduzieren (Weiterentwicklung des Rufbusangebotes, Einrichtung von Kleinbuslinien). Mit der geplanten Elektrifizierung und dem angestrebten zweigleisigen Ausbau der Eifelbahnstrecke wird bereits ein erster Schritt getan. So ist es meine Aufgabe, mich für weitere pendlerfreundliche Buslinien einzusetzen. Langfristig müssen wir es schaffen, dass es viel einfacher wird, Fahrgemeinschaften zu bilden und es selbstverständlich wird, nicht alleine zum Einkaufen oder zum Arzt zu fahren.

Wie wollen Sie speziell junge Menschen hier halten?

Konrad: Es ist mir wichtig, alle Orte für junge Leute und Familien attraktiv zu gestalten. Neben einem guten Betreuungsangebot in unseren Kindertagesstätten sowie in unseren Schulen, zählt hierzu ein qualitativ hohes Angebot an Ausbildungsplätzen und die Bereitstellung von geeignetem Wohnraum, gerade auch für Singles und junge Paare. Mit dem Projekt „Wohnwerk Speicher“ auf dem ehemaligen PLEWA Werksgelände in der Kapellenstraße wird derzeit ein erster Schritt getan. Weitere müssen auch in den übrigen Gemeinden folgen. Darüber hinaus will ich die Jugendtreffs attraktiver und das Freizeit- und Ferienangebot erweitern. Dazu braucht es neue Konzepte und mehr Personal, um eine adäquate Betreuung kontinuierlich sicherstellen zu können. Ganztagsschulen und Kitas helfen dabei, Familie und Beruf zu vereinbaren. Heute ist es besonders wichtig, unsere Kindergärten und Schulen zu stärken. Die Standorte müssen erhalten und die Rahmenbedingungen zeitgemäß verbessert werden. Berufstätige Eltern brauchen die Gewissheit, dass die Betreuung ihrer Kinder zuverlässig stattfindet. Die bereits vorhin angesprochene lokale Ausbildungs- und Stellenbörse, die ich hier in unserer Verbandsgemeinde ins Leben rufen möchte, spielt nicht nur für die ortsansässigen Firmen, Betriebe und Unternehmen eine wichtige Rolle, sondern stellt insbesondere für unsere Jugendlichen und Jobsuchenden eine große Chance dar.

Bis 2023, so eine Prognose der Kassenärztlichen Vereinigung, wird fast jeder zweite Arzt im Eifelkreis das Rentenalter erreichen. In Speicher ist die Lage besonders ernst, es gibt nur noch zwei praktizierende Hausärzte, von denen einer das Rentenalter erreicht hat. Die Bemühungen der Speicherer Arbeitsgemeinschaft Ärzteversorgung hatten bislang keinen Erfolg. Was bedeutet das für die Bürger und was wollen Sie gegen den Ärztemangel unternehmen?

Konrad: Die Sicherung der ärztlichen Grundversorgung sowie die Ansiedlung weiterer Fachärzte haben für mich oberste Priorität. Hier müssen wir offen für neue Wege sein, wie z.B. eine genossenschaftliche Trägerschaft für ein MVZ oder ein Ärztehaus. Ein Grundstein wurde mit der Initiative „Speicher sucht Arzt“ gelegt. Das heißt für mich im Besonderen, die Infrastruktur und Rahmenbedingungen so zu optimieren, dass es für junge Ärzte*innen wieder erstrebenswert ist, eine Praxis auf dem Land zu betreiben. Das wird ohne ein finanzielles Engagement der Verbandsgemeinde kaum möglich sein.

Wie stehen Sie zur Air Base Spangdahlem? Fluch oder Segen für Ihre Verbandsgemeinde?

Konrad: Die US Air Base in Spangdahlem ist ein wichtiger Standortfaktor für unsere Verbandsgemeinde. Dort arbeiten circa 600 deutsche Zivilbeschäftigte. Auch die knapp 10.000 US-Amerikaner in der Region sind ein nicht zu unterschätzender wirtschaftlicher Faktor für unsere Industrie, Gastronomie, die ortsansässigen Betriebe und die vielen privaten Vermieter. Zudem sichert die Base mit einem jährlichen Investitionsvolumen in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe eine Vielzahl von Arbeitsplätzen vor Ort. Seit fast 70 Jahren sind die Militärangehörigen und ihre Familien unsere Nachbarn und Freunde. Nach der Flutkatastrophe im letzten Jahr konnten wir aufgrund dieser guten Beziehungen erleben, wie amerikanische Soldaten/innen bei den Aufräumarbeiten in Auw a. d. Kyll und Philippsheim tatkräftig mithalfen. Ich werde daher den regelmäßigen Meinungsaustausch, wie mein Vorgänger im Amt, fortsetzen und mich tatkräftig für das gute Miteinander einsetzen.

Droht die Ortsmitte in Speicher auszubluten, während der Handel der Discounter auf der grünen Wiese boomt? Was wollen Sie für einen lebendigen Stadtkern Speicher tun?

Konrad: Das im Rahmen der städtebaulichen Sanierung in den 1970er Jahren entwickelte Nutzungskonzept für den Stadtinnenbereich muss überarbeitet werden. Hierzu gab es in der Vergangenheit schon einige Ansätze und Vorschläge. So wurde beispielsweise der ursprünglich verkehrsfreie Marktplatz für den Kundenverkehr geöffnet und neue Zufahrtsmöglichkeiten geschaffen. Zurzeit läuft eine Online-Bürgerbefragung nach möglichen Ideen für eine Attraktivitätssteigerung des Marktplatzes und der Kirchstraße. Diese werden in vielen Fällen nicht ohne bauliche Veränderungen umsetzbar sein. Hier will ich mich für eine höchstmögliche Förderung einsetzen. Gegebenenfalls muss auch der öffentliche Verkehrsraum an die neuen Nutzungsverhältnisse angepasst werden. Ich denke dabei beispielsweise an die Bereitstellung von Außenflächen für die Gastronomie und den Einzelhandel, die Schaffung von attraktiven Kommunikations- und Spielflächen sowie standortgerechte landespflegerische Maßnahmen. Auch die vorhandene Infrastruktur bedarf einer dringenden Sanierung bzw. Aktualisierung.

Was macht die Verbandsgemeinde Speicher für Sie besonders liebens- und lebenswert?

Konrad: Ein Blick auf die Landkarte macht deutlich: Mit einer Fläche von 60,07 km² sind wir eine kleine und kompakte Verbandsgemeinde, die sich über Jahrzehnte, ja zum Teil über ein Jahrhundert entwickelt hat. Die kurzen Wege und die historischen Gemeinsamkeiten haben die Menschen zusammengeschweißt und füreinander einstehen lassen. Mit der Stadt Speicher verfügt die VG über ein hervorragend ausgestattetes Grundzentrum, das neben unseren Gemeinden auch für die Bewohner der umliegenden Verbandsgemeinden attraktiv ist. Die wunderschöne Natur und ein, in allen Gemeinden, äußerst aktives Vereins- und Kulturleben sowie ein überragendes ehrenamtliches Engagement runden den positiven Eindruck ab. Die stete Zunahme der Einwohnerzahlen ist auch ein Beleg für gute Wohnverhältnisse und eine attraktive Infrastruktur vor Ort. Unsere Verbandsgemeinde bietet uns so viele Möglichkeiten, die es gilt, in der Zukunft auszuschöpfen und weiter davon zu profitieren.

Welchen Stellenwert hat der Klimaschutz auf ihrer politischen Agenda?

Konrad: Der Begriff Klimaschutz ist für mich eine Zusammenfassung verschiedener Fachthemen, die zur Daseinsvorsorge ebenso wie zur Zukunftsfähigkeit einer Kommune unabdinglich sind. Im Hinblick auf die mit der Klimaveränderung verbundenen Konsequenzen müssen wir uns schnell und intensiv damit auseinandersetzen, und alle Möglichkeiten zur CO² Einsparung nutzen. Das gilt für uns alle. Die direkten Auswirkungen haben wir im letzten Jahr durch das Kyllhochwasser unmittelbar miterleben müssen. Nicht zu vergessen, die Überflutungen in den Gemeinden selbst und die damit verbundenen hohen Sachschäden. Mit den in Arbeit befindlichen Hochwasserschutzkonzepten für die gefährdeten Gemeinden ist ein erster Schritt gemacht, an den es weiterhin anzuknüpfen gilt.

Welche Ideen haben Sie, die Treibhausgasemission in der Verbandsgemeinde zu reduzieren?

Konrad: Das heißt erst einmal, alle öffentlichen Gebäude und Einrichtungen auf ihre Energiebilanz zu überprüfen, sukzessive uneffektive Heizungsanlagen durch klimaneutrale Systeme zu ersetzen und den aktiven Wärmeschutz an den Gebäuden zu verbessern - natürlich gemeinsam mit den Gemeinden und in deren Einrichtungen. Mir schwebt ein kommunales Förderprogramm vor, das pauschal das Aufbringen von Fotovoltaik auf Privatdächern unterstützt. Da die VG kaum über geeignete Standortflächen für Windkraftanlagen verfügt, sollten wir die Möglichkeit von Solaranlagen auf Freiflächen nutzen, selbstverständlich nur, soweit es landschaft- und landwirtschaftlich vertretbar ist und dabei alle Finanzierungsmodelle genauestens prüfen. Es gilt die E-Mobilität durch das Aufstellen geeigneter und leistungsstarker Ladestationen zu unterstützen und den ÖPNV auf die Bedürfnisse der Menschen auszurichten.

Was qualifiziert Sie aus Ihrer Sicht ganz besonders für den Chef-Posten im VG-Rathaus?

Konrad: Ich bin mit 31 Jahren im besten Alter, um die Herausforderungen des Amtes zu meistern und zwischen den Generationen zu vermitteln. Als Betriebswirt mit entsprechender Berufserfahrung habe ich die nötige Finanz- und Wirtschaftskompetenz, um die Verbandsgemeinde auch zukünftig finanziell sicher aufzustellen. Dazu verfolge ich einen ganzheitlichen Ansatz für eine sozial gerechte und ausgeglichene Bevölkerungs- und Infrastruktur. Als Bürgermeister möchte ich gemeinsam mit den Bürger*innen, der Verwaltung, der Wirtschaft, den Vereinen, den ehrenamtlich Tätigen und den politischen Mandatsträgern die Verbandsgemeinde Speicher voranbringen und zukunfstfit machen. Ich bin von Hause aus ein Teamplayer, der seine Mitarbeiter für die neuen Ziele begeistern und motivieren kann, ohne dabei zu vergessen, wer hierfür in der Verantwortung steht und letztlich die Entscheidungen treffen muss.

Was würde sich mit Ihnen an der Spitze ändern? Worin unterscheiden Sie sich von Ihrem Vorgänger am meisten?