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Kanus und Dürre: Eifeler Gewässer unter Stress

Niedrigwasser sorgt für Probleme in Sauer, Kyll und Co. : Kanus und Dürre: Eifeler Gewässer unter Stress

Die Kanu-Saison auf der Sauer hat begonnen. Für Fische könnte es bald gefährlich werden, wenn der Pegel des Flusses weiter fällt. Für Kyll, Prüm und Nims hoffen Angler weiterhin auf Regen und sorgen sich um extreme Hitze.  

Gerade bis zum Fußknöchel reicht die Prüm bei Oberweis noch. 20 Zentimeter hoch steht der Fluss Anfang Juni. Vor einem Monat lag der Pegel noch doppelt so hoch. An den Ufern haben sich Sandbänke gebildet, sonst umspülte Steine ragen aus dem Wasser hervor.

Ein Bild, das sich derzeit in der gesamten Region bietet. Seit Wochen schon fallen die Pegel der Eifeler Flüsse. Die bislang wenigen regnerischen Tage haben nicht annähernd ausgereicht, den Wasserstand nach dem trockenen Frühjahr aufzufüllen. Der Himmel strahlt wieder wolkenlos. Und auch wenn für Ende der Woche Schauer gemeldet sind, warnen Wetterexperten bereits vor der nächsten Dürre im Sommer.

Kanufahren in der Eifel (wie hier an der Sauer) ist beliebt – doch bei Niedrigwasser auch gefährlich für die Natur. Das Bild rechts zeigt, wie tief die Eifeler Flüsse derzeit stehen. Das Wasser der Prüm reicht bei Oberweis kaum bis zu den Fußknöcheln. Foto: TV/Christian Altmayer

Für Angler und Umweltschützer sind das bescheidene Aussichten. Denn Niedrigwasser hat Auswirkungen auf das Ökosystem. Der Lebensraum in den Gewässern wird enger, der Sauerstoff knapper. Und Kiesbänke als Laichplätze von Fischen  drohen auszutrocknen.

Eine weitere Gefahr für die Bestände, zumindest in der Sauer, sind  Kanufahrer, warnt der Bollendorfer Fischer Hans Orth seit Langem. Und wird dabei auch von Umweltbehörden, wie der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord, unterstützt.

Gerade bei Niedrigwasser sei die Gefahr groß, dass die Ruderer die Gelege der Wassertiere zerstörten. Oder Pflanzen, wie etwa den selten gewordenen Flutenden Hahnenfuß, mit ihren Paddeln entwurzelten. Seit einer Woche nun sind die Kanuten zurück auf der Sauer. Der Verkehr hält sich im Vergleich zu normalen Zeiten zwar aufgrund der Corona-Pandemie noch in Grenzen. Orth aber macht sich trotzdem Sorgen, sollte der Wasserstand weiter fallen.

Noch reiche der Pegel aus, er steht derzeit bei 59 Zentimetern. Und erst ab 55 etwa, sagt Orth, werde es „wirklich gefährlich“ für Flora und Fauna. So fern ist dieser Wert aber, auch angesichts der Wetteraussichten, nicht mehr. „Ich hoffe nur, dass die Kanufahrer bei Niedrigwasser mehr Rücksicht nehmen als früher“, sagt Orth. Und: dass Umweltbehörden in Deutschland und Luxemburg endlich Regeln für den Kanuverkehr auf der Sauer abstimmen. Und entweder die Zahl der Boote begrenzen oder diese bei Niedrigwasser ganz von der Sauer verbannen.

Das Problem ist seit Jahren bekannt (der TV berichtete mehrfach). Und man arbeite an einer Regelung, schreibt ein Sprecher der SGD Nord. Noch aber sei nichts beschlossen. Ähnliche Antworten bekommt der TV diesbezüglich seit Jahren.

Was auch den Eifeler Kreisfischereiberater Herbert Schneider ärgert, der ebenfalls kein Freund des Hochbetriebs auf der Sauer ist. Die Pegelstände der anderen Eifeler Flüsse, wie Kyll, Nims und Prüm, behält er aber ebenso im kritischen Blick.

Derzeit bereite ihm das Niedrigwasser keine sehr großen Sorgen: „Noch ist alles im grünen Bereich.“ Man müsse das aber im Auge behalten.

Entscheidend ist wohl das Wetter. So scheint zwar permanent die Sonne, und es regnet kaum. Nachts aber fallen die Temperaturen noch stark ab. Extreme Hitze: „Zum Glück“, sagt Schneider, noch nicht zu beobachten. Der Sauerstoffgehalt sinke daher nicht bedrohlich ab.

Ein Fischsterben sei erst dann zu erwarten, wenn niedrigstehende Flüsse und Weiher überhitzten: „Wenn wir davon noch eine Weile verschont bleiben, können die Gewässer sich womöglich noch unbeschadet durch den Sommer hangeln.“