Kanzlerin zum Kaffee

Die Kanzlerin vor der Basilika: Am Donnerstag, 28. Mai, wird Angela Merkel Wahlkampf-Station in Prüm machen (der TV berichtete). In der Abteistadt sieht man das mit entspannter Vorfreude.

Prüm. (fpl) "Mich hat überrascht, dass sie nach Prüm kommt", sagt Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy (CDU). "Sehr schön. Und eine Ehre für die Stadt. Aber es wird wohl ein Mordsaufwand werden."

Den hat die Abteistadt vor wenigen Jahren schon einmal erlebt: Als der damals noch amtierende Bundes-Innenminister Otto Schily (SPD) mit seinen europäischen Kollegen in der Abtei den "Prümer Vertrag" zur grenzüberschreitenden Polizei-Zusammenarbeit unterzeichnete. Und sich vorher noch schnell über seinen revolutionären Eifeler Vorfahren Viktor, den Zeughausstürmer von 1849, informierte. Das war übrigens fast auf den Tag genau vier Jahre vor der geplanten Merkel-Visite: am 27. Mai 2005.

Schily - schön, gut und lange vorbei. Außerdem war der ja nur Minister. "Eine Bundeskanzlerin", sagt der Chef der Prümer Polizei-Inspektion Josef Junk, "das ist noch eine Stufe höher". Entsprechend groß - siehe Mordsaufwand - dürften dann auch die Sicherheitsvorkehrungen werden. Vor vier Jahren jedenfalls, erinnert sich Junk, habe alles sehr gut geklappt.

Und vielleicht muss ja nicht die höchste Sicherheitsstufe gewählt werden: "Ich weiß ja noch nicht, in welcher Funktion sie kommt", sagt Markus Fischbach, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion. Vielleicht reise Merkel ja nicht als Kanzlerin an, sondern "nur" als CDU-Bundesvorsitzende. Und sofern das Ganze eine Unions-interne Veranstaltung werde, "wird es wohl ohnehin für andere schwer, auf 100 Meter an sie ranzukommen".

Trotzdem: Der Besuch sei eine tolle Sache für die Stadt. Der Kanzlerin allerdings stünde es gut an, findet Fischbach, "dass sie dann auch den politischen Gegner ein bisschen näher ranlässt. Ansonsten werden wohl die ersten drei Reihen mit CDU-Leuten besetzt sein." Fischbach zweifelt auch daran, dass der Besuch sonderlich lange dauern wird: "Sie wird wohl nicht morgens zum Kaffee kommen und abends in der Wenzelbach noch ein Eifel-Dinner zu sich nehmen."

Völlig gelassen sieht Monika Rolef, die Vorsitzende der Basilikafreunde, dem hohen Besuch entgegen. Was wird sie denn der Kanzlerin sagen, sofern die das Prümer Wahrzeichen betreten sollte? "Was ich jedem anderen auch sage, der die Basilika besucht: Dass hier im Kloster der Anfang von Europa gemacht wurde." Und schon sind wir mittendrin in der Geschichte - bei den Karolingern, bei Kaisern und Königen, "die hier ein- und ausgegangen sind". Da werden wir auch eine Kanzlerin verkraften können.

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