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Karl der Kahle - gefangen in Prüm

Karl der Kahle - gefangen in Prüm

Aufregung in dem kleinen Prüm, damals im Jahre 833: Berittene und bewaffnete Soldaten eskortieren eine Kutsche, in der ein zehnjähriger Junge sitzt. Es ist Karl, der später "der Kahle" genannt wird. Er wird ins Kloster gebracht, nicht um dort zu lernen oder sich zu erholen, sondern als Gefangener.

Prüm. Unter der Bewachung und Beaufsichtigung der Prümer Mönche sollte der junge Karl aus dem politischen Tagesgeschehen herausgehalten werden. Das nämlich war im damaligen Reich sehr unfriedlich, zänkisch und kriegerisch. Wen wundert\'s, dass die Prümer nun angstvoll der weiteren Entwicklung und dem Schicksal jenes Kindes entgegensahen, denn es war schon seit Jahren Herzog.
STADT GESCHICHTE(N)


Was war geschehen? Der Vater von Karl, der später mit dem Beinamen "der Kahle" in die Geschichte einging, war König Ludwig der Fromme. Dessen erste Frau hieß Irmingard. Mit ihr hatte Ludwig fünf Kinder, von denen folgende auch für Prüm bedeutsam waren: Kaiser Lothar I. (795-855), Pippin I. (803-838), König von Aquitanien, und Ludwig der Deutsche (806-876), König des ostfränkischen Reiches.
Dann starb 818 Königin Irmingard. Ludwig heiratete ein Jahr später Judith, eine Tochter des Herzogs Welf von Schwaben und Bayern. Sie gebar ihm im Jahre 823 in Frankfurt den Sohn Karl.
Ehrgeizig wie Judith war, erstrebte sie auch für ihr Kind einen Anteil an der Reichsherrschaft und erreichte, dass Vater Ludwig seinen jüngsten Sohn Karl mit sechs Jahren zum Herzog von Schwaben, Rätien und Burgund ernannte, alles Gebiete, die ursprünglich für den 28 Jahre älteren Stiefbruder Lothar bestimmt waren.
Damit begann großer Familienkrach zwischen Ludwig dem Frommen und seinen Söhnen aus erster Ehe. Diese wollten auf gar keinen Fall ihr Erbe mit dem kleinen Karl teilen. Es kam zu heftigen Machtkämpfen, die das Reich aufs schwerste erschütterten.
Vater Ludwig wurde gezwungen, seine Gemahlin Judith zu verstoßen, sei sie doch die Ursache dieses Familienstreites gewesen. Die übrigen kirchlichen und weltlichen Herrscher witterten Morgenluft, schlossen sich den streitsüchtigen Kindern Lothar und Pippin an und duldeten sogar, dass diese den eigenen Vater im Jahr 830 zwangen, auf die Kaiserwürde zu verzichten und ihn gefangen nahmen. Dann verbannten sie ihn in ein Kloster, wo er beten und büßen sollte.
Ein Jahr später wurde Ludwig wieder befreit, und Lothar verlor die Regentschaft. Doch dieser gab sich nicht zufrieden. 833 erhob er sich erneut gegen seinen Vater, führte sogar Krieg gegen ihn und besiegte ihn bei Colmar. Am 30. Juni wurde Vater Ludwig wiederum gezwungen abzudanken. Öffentlich musste er sich schuldig bekennen, worauf er, seine Frau Judith und sein Sohn Karl erneut in ein Kloster verbannt wurden, diesmal nach Prüm.
Von wegen Ruhe! Das Blatt wendete sich. Lothars Brüder verbündeten sich nun gegen Lothar, befreiten alle aus dem Kloster Prüm und gaben Vater Ludwig die Kaiserwürde zurück. Lothar floh nach Burgund.
Sein Vater - eine Seele von Geduld und Friedfertigkeit - bestrafte ihn nicht mit dem Tode und überließ ihm sogar noch Italien als Unterkönigreich. Allerdings mit der Auflage, dieses Land ohne Zustimmung Ludwigs nicht mehr verlassen zu dürfen. Nach Ludwigs Tod 840 meldet sich Lothar wieder und beanspruchte die volle Anerkennung als Kaiser. Erneut kam es zu einer kriegerischen Auseinandersetzung. Karl der Kahle besiegte seinen Halbbruder Lothar in einer Schlacht, ließ ihm aber die Kaiserwürde.
Schwer erkrankt zog sich Lothar am 19. September 855 ins Kloster Prüm zurück, wo er zehn Tage später starb und auch bestattet wurde.
Sein kleiner Stiefbruder Karl der Kahle, westfränkischer König von 843 bis 877, wurde am 25. Dezember 875 in Rom zum König von Italien und zum Römischen Kaiser gekrönt. Mittlerweile hatte er zweimal geheiratet, aus beiden Ehen zusammen vierzehn Kinder, von denen dann Ludwig der Stammler, sein ältester und einzig überlebender Sohn, sein Nachfolger wurde.
Ob er mit diesen aber jemals wieder in Prüm war und ihnen das Kloster zeigte, in dem er verbannt war, darüber schweigt die Geschichtsschreibung.