Kirche : Karneval und Kreuz

Neulich war ich zu Gast auf einer Hochzeitsfeier in einem schönen großen Festsaal. Hier findet so manche Veranstaltung statt, wie zum Beispiel auch Karnevalssitzungen.

Ich schaute mir diesen Saal an und da fiel mir etwas auf: Es war ein auffälliges dunkles Holzkreuz, das an der Wand hing. Mir ging der Gedanke durch den Kopf, dass es ja schon ein bisschen eigenartig sein könnte – so inmitten von einer ausgelassenen, fröhlichen Karnevalsveranstaltung ein Kreuz, das ja das Leid Christi darstellt.

Der Karneval und das Kreuz, wie kommt das zusammen?

Dass unser Glaube eine Menge mit Karneval zu tun hat, merkt man schon daran, dass er sich an der bevorstehenden Fastenzeit orientiert. Der Begriff „Fastnacht oder Fastelovend“ stammt von der Bezeichnung des Abends vor der Fastenzeit. In der Fastnachtswoche vor Aschermittwoch wird nochmal ausgelassen gefeiert, getrunken und sich lustig gemacht über die Eigenarten des menschlichen Daseins. Die Büttenrede erinnert an eine Predigt von der Kanzel und der Rosenmontagszug an eine Prozession.

Nach der letzten ausgelassenen und durchzechten Nacht, am Fastnachtsdienstag, folgen die Müdigkeit und die Ernüchterung, der Aschermittwoch und „Gedenke, dass du Staub bist!“. Es ist eine geniale Choreographie zwischen der Leichtigkeit des Seins und der harten Lebensrealität.

Das Kreuz, das wir an die Wand hängen, ist zwar ein Zeichen des Leidens, es ist aber vor allem auch Zeichen dafür, dass der Mensch eine Seele hat, und dass weder Qual noch Krankheit, weder Folter noch Tod sie zerstören können, dass nicht der Tod das letzte Wort hat, dass unsere Seele mit tiefster Gelassenheit erfüllt sein darf. Und größter Ausdruck innerer Gelassenheit ist der Humor.

Karneval und Kreuz, Humor und Religion – beides gibt Trost, beides berührt unsere Seele.

Ingo Ruhe,

Forstwirt aus Schwirzheim