Karnevalsgottesdienst in Oberweis: Zusammen beten, zusammen feiern

Brauchtum : Karnevalsgottesdienst in Oberweis: Zusammen beten, zusammen feiern

In Oberweis wird seit Jahren Fastnachtsgottesdienst gefeiert. Wie Kirche und Karneval zusammenpassen.

Eine Dame mit Federboa und Hütchen steht vor dem Beichtstuhl, gleich daneben: Zauberer, Cowboy und König. So zieht es sich bis nach vorne, in der vollbesetzten Kirche Oberweis.Der Grund: Es ist Karnevalsgottesdienst. Eine Delegation der Freunde der Bütt aus Bitburg ist in vollem Ornat anwesend. Die Oberweiser Gardemädchen und der Vorstand haben in den ersten Reihen Platz genommen. Bevor Pastor Berthold Fochs in einem farbenfrohen Gewand die Messe beginnt, ist es erst einmal still. Nur das Klappern von Orden, die an der Brust eines Karnevalisten baumeln, sind zu hören.

Dann geht es los, mit Dudelsackmusik von Walter Jäger. Bei der Begrüßung betont Fochs die Buntheit, Vielfältigkeit und frohe Botschaft der Kirche: „Vielen Menschen tut es gut, wenn sie an Karneval mal anders sein können als im Alltag.“ Der Geistliche bekommt in dieser Messe sehr häufig Applaus, besonders bei seiner Predigt, die er in Reimform vorträgt, und bei der er einen kritischen Blick auf Politik, Gesellschaft und Kirche wirft. So bekommen es etwa Donald Trump und Kim Yong Un ab. „Die Welt wird regiert, da könnt´ ich mich winden, von zwei Typen, die noch nicht einmal einen gescheiten Friseur können finden“, reimt der Pastor. Auch die Flüchtlingspolitik der AfD kommt in der Predigt vor: „Bei einer Krippe ohne Araber, Juden, Flüchtlinge und Afrikaner bleiben im Stall nur Ochs und Esel übrig.“  Dem Gremium, dass im Vatikan über sexuelle Übergriffe tagt, rät der Priester: „Seid konsequent, denn jahrzehntelang habt ihr gepennt!“ Fochs ist aber nicht nur mahnend unterwegs, sondern findet auch anerkennende Worte für die Ehrenamtlichen in der Region, die bei Unwettern geholfen haben oder die sich für Kirchenrenovierungen stark machen. Er wünscht sich, dass die Menschen Kräfte finden, menschlich zu bleiben, nach den Sternen zu greifen und Zukunft zu wagen. Zum Schluss sagte er: „Singt und lacht und habt gute Laune, und haltet dabei die Moral im Zaume.“ Es gelingt ihm, dass der Gottesdienst feierlich ist, die Menschen zuhören, gemeinsam singen, nicht nur leise vor sich hin nuscheln. Der Karneval wird in die Kirche integriert, spiegelt sich in den Kostümen, im warmen Licht, beim Schunkeln in der Bank und den Liedern wider, die man eher aus Zelten und Bürgerhallen als aus Gotteshäusern kennt. Da wird das Halleluja von der Kölner Band Brings gespielt, zur Kommunion „Nemm mich su wie ich ben“ von den Höhnern, später „Mir losse de Dom in Kölle“ und „Der liebe Gott weiß, dass ich kein Engel bin“. Bei den Fürbitten wird der Verstorbenen gedacht, die im Karneval aktiv waren, Neugeborenen, dass sie sich von der fröhlichen Zeit anstecken lassen, Karnevalsmuffeln für ihr Verständnis, und den vielen Ehrenamtlichen für ihren Einsatz, besonders in Krankenhäusern und bei der Polizei.

Foto: Christina Bents
Foto: Christina Bents
Foto: Christina Bents
Foto: Christina Bents
Foto: Christina Bents
Foto: Christina Bents

Mit einem Lied aus dem Musical „Sister Act“ geht der Gottesdienst zu Ende und die Party im Festzelt beginnt. Dort zeigen drei Garden und Feuerwehrmänner, was sie können. Gastvereine aus Mötsch, Körperich, Bitburg und Lützkampen sind ebenfalls auf der Bühne. Steigern können das später nur die „Dompiraten“.