KATASTROPHENSCHUTZ

BOLLENDORF/ECHTERNACH. Schluss mit braunen Fluten in Wohnzimmern und Kellern: Staatssekretär Hendrik Hering informierte sich vor Ort über die Hochwasserproblematik in Luxemburg und dem deutschen Grenzgebiet.

Nach den Hochwasserkatastrophen von 1992/1993 "musste man sich Gedanken machen, wie grenzüberschreitender Hochwasserschutz realisiert werden kann", erläuterte Hendrik Hering. Der rheinland-pfälzische Staatssekretär aus dem Ministerium für Umwelt und Forsten besuchte Echternach und Bollendorf - zwei Gemeinden, die wegen der Fluten des Grenzflusses Sauer in den vergangenen Jahren besonders zu leiden hatten. Seit 2003 gibt es eine Arbeitsgemeinschaft mit deutschen und luxemburgischen Vertretern, die sich mit der Hochwasserproblematik an der Sauer befasst. Der Unterschied zwischen den europäischen Nachbarn: In Rheinland-Pfalz fehlt das Geld für schnelle Maßnahmen, nicht aber in Luxemburg. Die Stadt Echternach beteiligt sich an mehreren Maßnahmen zum "Schutz der Abteistadt": Millionen von Euro werden in mobile Pumpen, Fassungen von Bachläufen und Hochwasserschutzbauten investiert. Echternachs Bürgermeister Jos Scheuer stellte mit Rosports Bürgermeister Luc Bonblet eine weitere geplante Maßnahme vor.Auenlandschaft statt nasser Wohnzimmer

Neben der Internationalen Kläranlage, die derzeit im Bau ist, soll eine Auenlandschaft entstehen, die eine breite Flutfläche bietet. "Dies kommt auch dem Industriegebiet auf der deutschen Seite in Echternacherbrück zu Gute", sagte Scheuer. In Bollendorf soll am Sauerufer eine Mauer errichtet werden, die bei Bedarf durch mobile Schutzwände aufgestockt werden kann. Das Problem: Die Spundwände müssten rund vier bis fünf Meter in die Erde getrieben werden. Die Verwirklichung dieses Projekts ist frühestens für 2009 ins Auge gefasst. Ziel sei, dass "die Wohnzimmer in ihrem Ort nicht mehr als Überschwemmungsflächen genutzt werden", sagte Hering, der sich vom Ortstermin an der Sauer auf den Weg zu einer Bürgerversammlung mit Bollendorfs Bürgermeister Alfons Gläsener machte. Im Mittelpunkt der gut besuchten Versammlung stand das "Hochwassermeldesystem", das nach Ansicht zahlreicher Saueranrainer beim Hochwasser 2003 versagt hatte: "Das Wasser kam so schnell, man konnte sich nicht drauf einstellen. Es erfolgte keine Ansage über den Meldedienst." Hering stellte klar, dass das Wetteramt die Lage falsch eingeschätzt hatte: "Man ging von nur fünf Litern Niederschlag pro Quadratmeter aus, es waren aber 40." An diesem System werde zusammen mit den europäischen Nachbarn "wird weiter intensiv gearbeitet" versicherte der Staatssekretär. Warum das Stauwerk in Esch-Sauer trotz Möglichkeit der Abflussregulierung keinen Einfluss auf das Hochwasser hat, erklärte Gläsener: "Im Sommer passieren drei Kubikmeter die Sauer bei Bollendorf, bei Hochwassers sind es 900 Kubikmeter in der Sekunde. Aber davon passiert nur ein Zehntel den Stausee in Esch." Einig waren sich die Verantwortlichen, dass der Hochwasserschutz eine "beidseitige Angelegenheit" sei: Wenn nur auf luxemburgischer oder nur auf deutscher Seite etwas gemacht werde, helfe dies nicht viel.