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Kawumm! 78-Meter-Koloss fällt

Kawumm! 78-Meter-Koloss fällt

Es kracht, rumort und staubt in Mettendorf in der Eifel. Seit Montagvormittag wird dort die in den Siebzigern erbaute Hauptschule abgerissen. Mit dem Gebäude verschwindet nicht nur ein dorfprägender Bau, auch ein Stück Erinnerung wird dem Erdboden gleichgemacht.

Mettendorf. "Es tut mir leid, dass meine Schule bald nicht mehr existiert. Meine Kinder hätte ich auch mal hierhergeschickt", sagt Ronny Kypke aus Mettendorf bedauernd. "Ich bin gerne hier zur Schule gegangen, in dem Gebäude liegen viele Erinnerungen."
Verständlich, aber der rund 78 Meter lange, zehn Meter breite und 14 Meter hohe Koloss muss weg. "Die Schule ist für den Grundschulbetrieb zu groß. Die Sanierung wäre einfach zu teuer", erklärt Hermann Hermes, Fachbereichsleiter Bauen und Werke bei der Verbandsgemeindeverwaltung Neuerburg.
Und so schlägt am Montagmorgen um 10.30 Uhr der riesige, 40 Tonnen schwere Kettenbagger der beauftragten Abbruchfirma Freimuth seine stählerne Schere in die Mauern des Gebäudes. Die Abbruchfirma hat ihren Sitz in Bülkau bei Cuxhaven und arbeitet deutschlandweit. Wegen Lieferschwierigkeiten des Kettenbaggers musste der Abriss um eine Woche verschoben werden. Eigentlich sollte das Ungetüm, das mit seinem 18 Meter langen Arm und den schlammigen Ketten wie ein Urzeit-Dinosaurier aussieht, schon um 7.30 Uhr starten. Doch die Montage des Beißwerkzeugs dauerte nach Angaben von Polier Henk Sändker länger. Immer wieder beißt der Bagger zu, reißt Mauerwerk aus der Fassade. Krachend fällt ein Fenster aus dem obersten Stockwerk auf den Boden. Bald ist das Gebäude von dickem, weißem Staub umhüllt, obwohl ein Arbeiter ständig Wasser mit einem Schlauch auf die Arbeitsfläche spritzt.
Meterhoher Schuttberg


Ein paar Dorfbewohner haben sich eingefunden - in sicherem Abstand, versteht sich - denn das Gestein springt bis auf die andere Straßenseite. Gegen halb Zwölf sind die in Sichtweite abgestellten Fahrzeuge mit einer weißen Staubschicht gepudert. Ebenso ergeht es den Zaungästen.
Inzwischen klafft vom obersten bis zum unteren Geschoss ein riesiges Loch in der Rückwand der Schule. Wie in einer Puppenstube sind die ehemaligen gefliesten Sanitäranlagen und Gänge zu erkennen. Das Flachdach wackelt schon. Aus den Betonböden und Decken hängen verschlungene Eisenstäbe heraus, die damals zur Festigung der Böden mit in den Beton eingelassen wurden. Irgendwie sieht das Gebäude verwundet aus. "Das ist schon ein komisches Gefühl, die alte Schule fallen zu sehen", findet Dorfbewohner Emil Ewen: "Aber so ist das nun mal."
Vor der Schule hat sich bis 12 Uhr ein meterhoher Schuttberg gebildet. Apropo Schutt: Bereits während des Abbruchs sortiert der Bagger die Materialien und unterscheidet beispielsweise zwischen Holz, Beton und Eisen. Belastete Stoffe wie Glaswolle oder die verrußten Teile des Schornsteins werden gesondert entsorgt. Die komplette Entsorgung des Materials übernimmt die beauftragte Firma.
Ziel für den Montag war laut Polier Sändker, "den Schornstein freizulegen, ihn komplett abzubauen und dann die Heizungsanlage aus dem Keller zu reißen." Der Keller wird dann wieder zugeschüttet, damit die schweren Maschinen darüber fahren können, um weiterzuarbeiten.
In rund einer Woche wird kein Stein der ehemaligen Schule mehr auf dem anderen stehen. Dann geht es an die Aufräumarbeiten. Hermes: "Im Herbst soll dann mit dem Neubau der Kindertagesstätte begonnen werden." (siehe Extra)Extra

Der Abriss kostet laut Hermann Hermes von der Verbandsgemeindeverwaltung Neuerburg rund 100 000 Euro. Dazu kommen die Entsorgungsgebühren, die sich unter anderem nach der Menge des belasteten Materials richten. An gleicher Stelle soll die neue Kindertagesstätte errichtet werden, die ab Sommer 2013 voraussichtlich 115 Kinder aufnehmen wird. Mit dem Bau soll im Herbst dieses Jahres begonnen werden. Von den insgesamt 1,4 Millionen Euro hohen Kosten für den Neubau übernimmt Mettendorf einen Sockelbetrag von 200 000 Euro. Da zudem mit Zuschüssen von Land und Kreis in Höhe von mehr als 300 000 Euro zu rechnen ist, verbleiben noch circa 900 000 Euro, die entsprechend der Einwohnerzahl auf alle zehn Ortsgemeinden aufgeteilt werden. Das Mettendorfer Bauprojekt "Haus der Bildung", das Schule und Kita zusammen beherbergt, kostet nach Information der Verbandsgemeindeverwaltung Neuerburg insgesamt 4,6 Millionen Euro. MRA