Kein Geld für die Straße der Römer

Dass in Zeiten knapper Kassen freiwillige Ausgaben mehr denn je infrage gestellt werden, zeigte sich am Donnerstagabend in Speicher. Dort hat der Verbandsgemeinderat mehrheitlich beschlossen, auf die Teilnahme an einem Tourismusprojekt zu verzichten. Und das, obwohl dem Projekt im Februar noch zugestimmt wurde.

 Die römischen Funde aus Herforst und Umgebung finden nun doch nicht Eingang in die geplante Straße der Römer. Das Geld fehlt. Foto: TV-Archiv

Die römischen Funde aus Herforst und Umgebung finden nun doch nicht Eingang in die geplante Straße der Römer. Das Geld fehlt. Foto: TV-Archiv

Speicher. Viele Wege führen nach Rom. Doch auf den, der durch die Verbandsgemeinde Speicher führt, wird aus Kostengründen nun doch nicht hingewiesen. So hatte der VG-Rat in seiner Sitzung am 18. Februar dieses Jahres beschlossen, sich grundsätzlich am sogenannten "Villenprojekt" zu beteiligen. Dieses Vorhaben, das vom Rheinischen Landesmuseum Trier und der Mosellandtouristik im Rahmen des Programms "Straße der Römer" initiiert wurde, sieht unter anderem auf dem Gebiet der VG Speicher, nämlich in Herforst, die Einrichtung eines Themenwegs vor. Mit verschiedenen Informationsmodulen soll dort auf die Überreste der historisch bedeutsamen Römischen Langmauer hingewiesen werden (siehe Extra). Das zumindest war der Plan, von dem sich die Beteiligten jetzt jedoch verabschieden.

Er habe das Projekt relativ kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzt, so dass den Ratsmitgliedern und auch der Verwaltung kaum Zeit geblieben sei, sich im Vorfeld ausreichend mit dem Thema auseinanderzusetzen, sagt VG-Bürgermeister Rudolf Becker (CDU) und räumt ein, damit einen Fehler gemacht zu haben. Doch angesichts der allgemein schlechten kommunalen Finanzlage, von der auch die Verbandsgemeinde Speicher betroffen sei, müssten freiwillige Ausgaben überdacht werden. "Wir schlagen deshalb vor, auf das Villenprojekt zu verzichten - so leid es mir auch tut", sagt Becker, der damit auch einer Empfehlung des Hauptausschusses folgt. Schließlich werde mit Gesamtkosten von knapp 39 000 Euro gerechnet, von denen nach Abzug der Fördermittel voraussichtlich rund 21 000 Euro auf die Verbandsgemeinde zukämen.

Während FDP-Ratsmitglied Franz Drockenmüller den Vorschlag, sich vom Projekt zu verabschieden, begrüßt, hält Herforsts Ortsbürgermeister Werner Pick (SPD) diesen Schritt für falsch. "Wir haben doch nicht viele Chancen, unseren Tourismus zu beleben", sagt Pick, für den die Teilnahme am Villenprojekt eine dieser wenigen Chancen wäre. Und nicht zuletzt auch angesichts der hohen VG-Umlage, die Herforst jedes Jahr zahle, sei es nicht richtig, auf das touristisch bedeutsame Vorhaben zu verzichten. Zudem gehe er davon aus, dass mit weitaus mehr Zuschüssen zu rechnen sei, so dass auf die Verbandsgemeinde lediglich 16 000 Euro zukämen.

"Ich stelle den Sinn des Projekts nicht in Frage, aber wir sind in einer Zeit, in der wir unseren Haushalt nicht unnötig belasten können, egal, ob es jetzt 21 000 oder aber 16 000 Euro sind", sagt Becker, bevor mit fünf Gegenstimmen der SPD-Fraktion sowie zwei weiteren Enthaltungen der Rat schließlich mehrheitlich die Teilnahme ablehnt und damit die Entscheidung vom Februar aufhebt. Langmauer

Extra Die Langmauer ist eine Befestigungsanlage, die vermutlich unter dem spätrömischen Kaiser Valentinian im vierten Jahrhundert errichtet wurde. Sie hatte eine Gesamtlänge von rund 72 Kilometern und diente seinerzeit als Schutz eines kaiserlichen Domänenbezirks. Teile der Mauer sind heute nur in Bruchstücken zu sehen, beispielsweise in Kordel oder aber Butzweiler (beide VG Trier-Land). In Herforst wurde aus originalem Steinmaterial ein Teilstück der Mauer rekonstruiert. (uhe) Beim Villenprojekt handelt es sich um eine gemeinsame Aktion der Mosellandtouristik und dem Rheinischen Landesmuseum in Trier. Das Museum plant eine Sonderausstellung zum Villenleben zu römischer Zeit in der Region. Es soll dabei eine enge Verknüpfung der Ausstellung mit den Bauwerken in der Region geben, so dass interessierte Museumsbesucher auch die Ruinen vor Ort besuchen können. Nach Informationen des Landesmuseums wurden die Planungen jedoch von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz zunächst aus finanziellen Gründen zurückgestellt. (slg)

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